Oetwil
Seit zehn Jahren erfüllt der Seniorenrat alle Wünsche

Der Seniorenrat in Oetwil feiert sein zehnjähriges Jubiläum. Er bietet älteren Menschen Unterstützung, damit diese länger in den eigenen vier Wänden leben können.

Dominic Kobelt
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Nelli Schmid hat keine Scheu vor dem Computer und vermittelt das auch anderen Senioren. kob

Nelli Schmid hat keine Scheu vor dem Computer und vermittelt das auch anderen Senioren. kob

Vor zehn Jahren lud Nelli Schmid die Dorfbewohner zu einem Infonachmittag ein. Thema war der Seniorenrat Oetwil/Geroldswil/Fahrweid, den sie aufbauen wollte. Obwohl auch Skepsis und Bedenken geäussert wurden, liess sich die frisch Pensionierte nicht von ihrem Vorhaben abbringen.

«Ich wollte aktiv bleiben und etwas zu tun haben», sagt Schmid. Sie habe das Angebot auf das Dorfleben abgestimmt und sich selber gefragt, welche Dienstleistungen sie sich wünschen würde. «So ist die Aktivitätenliste angewachsen – es ist wohl die längste Liste aller Seniorenräte», sagt sie stolz. Zum Jubiläum hat der Seniorenrat eine Info-Broschüre herausgegeben und an alle Haushaltungen verteilt.

Hilfe in allen Bereichen

Das Angebot erstreckt sich von einfachen Sanitär- Schreiner- oder Reparaturarbeiten, bis hin zur Programmierung von TV- und Video-Geräten. Besonders gefragt sei die Hilfe bei PC-Problemen. «Wir zeigen den Leuten an ihrem eigenen Computer, wie man Mails verschickt oder im Internet surft.» Neu bietet der Seniorenrat auch Unterstützung bei Festessen. Wer Freunde oder Familie zu sich einladen möchte, wird bei der Zubereitung schmackhafter Gerichte tatkräftig unterstützt.

Weitere Wünsche erfüllt der Seniorenrat auf Anfrage. «In den zehn Jahren musste ich nie Nein sagen», erzählt Schmid. So habe sie einem älteren Paar geholfen, ihre Wohnung zu verkaufen, bei einem anderen sprangen sie und ihr Mann spontan als Trauzeugen ein. Schmid kümmert sich mit vollem Einsatz um ihre Mitmenschen. «Einmal hat mich nachts um halb elf eine Frau angerufen, weil sie gestürzt war und nicht mehr aufstehen konnte. Mir kam es gar nicht in den Sinn, die Ambulanz zu rufen – ich bin zu ihr hin gefahren und habe ihr aufgeholfen.»

Intensive Anfangszeit

Das Engagement nimmt viel Zeit in Anspruch. Besonders am Anfang sei es sehr intensiv gewesen, erzählt die Pensionärin. «Ich wollte, dass alles gut anläuft. In den ersten zwei Jahren wollte ich keine Ferien machen – dann wurde das meinem Mann zu viel und wir sind doch verreist», sagt sie und lacht. Das Telefon habe sie umleiten lassen, damit sie trotzdem Anfragen entgegennehmen konnte. 25 Helferinnen und Helfer kümmern sich zwischenzeitlich um die anfallenden Arbeiter. Viele von ihnen wurden selbst vor kurzem pensioniert. «Ich habe keine Mühe, Helfer zu finden, die Leute rufen mich an, weil sie etwas zu tun haben möchten», so Schmid.

Der Lohn spiele dabei eine sekundäre Rolle: «Wichtig ist, dass die Leute etwas Sinnvolles machen können und gebraucht werden – damit ist beiden Seiten geholfen.» Die Helfer geben acht Prozent ihres Lohns dem Seniorenrat ab, damit dieser sich finanzieren kann. Dass sie keinen Lohn bekommt, ist Schmid egal. «Mir ist wichtiger, dass ich unabhängig bin und ein günstiges Angebot offerieren kann.» Sie habe mehr Kontakt zu anderen Leuten und viele neue Bekanntschaften gemacht: «Es hat sich ein richtiges Familienleben entwickelt», so Schmid.

Noch Zeit für Tennis und Scrabble

Je nach Hilfe, die benötigt wird, schaltet der Seniorenrat auch die Spitex ein. «Das muss aber vom Arzt bewilligt werden», erklärt Schmid. Und weil die Spitex nicht alle notwendigen Arbeiten ausführen dürfe, arbeite man zusammen. «Die Spitex darf zum Beispiel keine Fenster putzen, das übernehmen wir», erklärt Schmid. Trotz allem findet Schmid noch Zeit für Hobbys. «Ich spiele zwei Mal pro Woche Tennis», erzählt sie. Sie nimmt auch an Scrabble-Turnieren teil – natürlich spielt sie auch im Internet.