Verdichtung ist nicht nur das Gebot der Stunde im Schweizer Städtebau. Auch bei der Podiumsdiskussion über die bauliche Zukunft Schlierens vom Dienstag im Stürmeierhuus war es sehr dicht: Rund 150 Personen drängten sich unter den Balken im Dachgeschoss, längst fand nicht jeder einen Sitzplatz und wurde zum Stehen verdonnert. Belohnt wurden die Anwesenden dafür mit einem hochkarätig besetzten Podium. Unter der Leitung von Bettina Hamilton-Irvine, Chefredaktorin der Limmattaler Zeitung, diskutierten der Politgeograf Michael Hermann, der Leiter des Instituts für Urban Landscape der ZHAW, Stefan Kurath, der stellvertretende Leiter der Abteilung Raumplanung beim kantonalen Amt für Raumentwicklung, Balthasar Thalmann, und der Schlieremer Hochbauvorstand Markus Bärtschiger (SP) über das ebenfalls am Dienstag präsentierte Stadtentwicklungskonzept.

Dieses erhielt von den Experten gute Noten. Zwar ging die Runde nicht auf die Details des rund 90 Seiten umfassenden Werks ein, aber lediglich der Umstand, dass sich Schlieren mit seiner städtebaulichen Zukunft auseinandersetzt, hielt Kurath für lobenswert. «Seit Jahrzehnten schaut die Fachwelt nach Schlieren und ins gesamte Limmattal. Hier setzt man sich intensiv mit seiner eigenen Entwicklung auseinander», stellte er fest. In manchen Bereichen der Stadtentwicklung sei man bereits weiter als etwa die benachbarte Grossstadt. «Weil in Zürich bereits viele Quartiere sehr schön und lebenswert sind, droht die Gefahr, dass sich die Planer dort auf ihren Lorbeeren ausruhen.» Hier in Schlieren sei man sich der Probleme jedoch bewusst und gehe diese gezielt an.

«Man hätte auch abwarten können»

Thalmann unterstrich, dass die Schaffung eines Stadtentwicklungskonzepts für die Gemeinden des Kantons Zürich freiwillig ist. «Schlieren hätte auch abwarten können, welche Entwicklungen die Limmattalbahn mit sich bringt und erst im Nachhinein reagieren.» Dass aber nun ein Konzept vorliege, das unter anderem auch die Wichtigkeit der einzelnen Quartiere hervorhebe, sei vorbildlich: «So wird die Gefahr, dass ebendiese Quartiere von Investoren überrannt und planlos ausgebaut werden, eingedämmt.»

Umfrage: Wie soll sich Schlieren in den kommenden Jahren entwickeln?  

Dass Schlieren überhaupt keine Angst vor noch mehr Urbanität haben muss, deutete Hermann an. «Denn von allen Agglomerationsgemeinden ist Schlieren jene, die bereits den grössten Zürich-Charakter aufweist», sagte er. Mit den Querverbindungen für den Fuss- und Veloverkehr, welche die Stadt nun fördern wolle, mache sie genau den richtigen Schritt. «Schafft es die Stadt, ihre Einwohner dazu zu bewegen, kurze Distanzen zu Fuss oder mit dem Velo zurückzulegen, beleben sich die Quartiere automatisch», so Hermann. Auf der Gestaltung ebendieser Querverbindungen sowie der öffentlichen Räume liege der Fokus der Stadt. Hier habe sie auch den grössten Handlungsspielraum, wie Bärtschiger ausführte. «Bei Bauten von Privaten und Investoren hat die Stadt nur begrenzt Mitspracherecht, bei der Gestaltung öffentlicher Plätze und Wege hingegen schon.» Mit Massnahmen in diesem Bereich wolle die Stadt die alteingesessenen Schlieremer abholen. Dies seien auch jene, die einer Verdichtung und Urbanisierung kritischer gegenüberstünden als die Neuzuzüger.

Auf die Frage von Hamilton-Irvine, ob eine richtige Stadt denn Hochhäuser brauche, verwies Kurath darauf, dass es eher wichtig sei, dass hohe Gebäude mit einer Funktion versehen würden. Etwa als Orientierungspunkt, wie in vielen europäischen Städten. Hermann unterstrich, dass Orte auch eine zu geringe Dichte aufweisen könnten, wie etwa das Gebiet um den Schlieremer Bahnhof. «Dort merkt der Besucher, dass noch etwas fehlt.» Er zog den Vergleich zum Bahnhof Hardbrücke, wo unter anderem der Prime Tower erstellt wurde. «Der Platz davor ist heute ein belebter Ort. Die Dichte hat sich also ausgezahlt», so Hermann. Eine vergleichbare Entwicklung sei auch in Schlieren denkbar.