Lachende Senioren und das schabende Geräusch von Besteck sind schon von der Strasse aus gut hörbar. Die Anwesenheit von 39 aufgestellten Pensionierten im gepflegten Garten der Schochs deuten darauf hin, dass die Aescherin Alice Schoch am Donnerstag wieder zum Seniorentreff eingeladen hat. Viermal im Jahr treffen sich Aescherinnen und Aescher über 65 Jahren zum geselligen Mittagsessen. Getischt wird von den Rentnerinnen Rita Zberg, Annemarie Steiner und Emma Rolli. Für die Planung, Ordnung und Kulinarik sorgt Alice Schoch – seit mittlerweile 16 Jahren. Doch damit könnte bald Schluss sein. Obwohl man es ihr nicht ansieht, feierte die energiegeladene Schoch vor zwei Wochen ihren 75. Geburtstag.

Traum vom eigenen Restaurant

Das prächtige Buffet lässt keinen Zweifel daran, dass Schoch nicht nur motiviert zum Kochlöffel greift, sondern auch Talent besitzt. «Ein Restaurant zu betreiben, war ein Traum von mir», offenbart sie. «Aber dann kamen die Kinder.» Doch das hinderte die 75-Jährige nicht, für ihre Freunde und Bekannte feine Gerichte zuzubereiten.

Das Menü reicht von Salat über Roastbeef bis zu geräuchertem Fisch. Erfreulicherweise liegen zwischen Hauptgang und Dessert mindestens 30 Minuten. Denn wer die süsse Kost auslässt, verpasst etwas. Das Nachtischbuffet – Käse, Wähe, Mousse, Kuchen und Brownies – ist dermassen verführerisch präsentiert, dass eine blosse Betrachtung nicht ausreicht. Einige Gäste halten deshalb die Dessertauswahl fotografisch fest, bevor sie ihre Teller füllen.

Beim Seniorentreff steht allerdings nicht nur das Essen im Mittelpunkt. «Es geht darum, Leute aus dem Dorf zu treffen», sagt Elsbeth Lienert. «Das gesellschaftliche Verhalten der Leute hat sich verändert. Früher gab es auch Jass-Runden. Wer hierher kommt, ist meist alteingesessen. Ich finde es gemütlich.»

One-Woman-Show

Das erste Senioren-Zmittag rief der Frauenverein Aesch ins Leben und begann so eine Tradition. Seit 2002 kocht Alice Schoch regelmässig im Brunnenhofsaal der Gemeinde, in der Regel erscheinen zwischen 40 und 50 Personen. Jeder kennt und duzt sich. Eines Tages hatte Schoch die Idee, im Sommer die Pensionierten aus dem Dorf zu sich einzuladen. Musste sie dazu ihren Mann überreden? Hans Jakob Schoch, von allen Jacco genannt, sagt dazu: «Als guter Ehemann folge ich meiner Frau.» Zum Glück für die Anwesenden, denn der Anlass im Garten der Schochs ist etwas Besonderes. «Es ist ein wichtiger Termin im Kalender», sagt René Otter, der seit sieben Jahren keinen Seniorentreff verpasst hat. «Wenn ich es könnte, würde ich im iPhone das Datum sogar rot markieren. Hierher zu kommen, ist immer eine grosse Freude.»

Aus verschiedenen Gründen erfreuen sich Gäste an dem Anlass. «Ich komme hauptsächlich, um zu essen», sagt Willi Steiner und lacht. «Meine Frau hilft hier mit, und dann gibt es zu Hause halt nichts. Natürlich bin ich auch hier, um Kollegen zu treffen, und wir reden über frühere Zeiten. Aber: Ich ging noch nie hungrig nach Hause!», sagt Steiner, und fügt an: «Aber Spass beiseite: Jeder öffentliche Anlass ist für das Dorf eine Bereicherung. Wer hier lebt, sollte daran teilnehmen.»

Für die junge Ur-Aescherin Esther Markwalder gehörte das Senioren-Zmittag bisher nicht zu ihren Aktivitäten. «Ich habe hier Premiere», sagt die 65-Jährige. «Wenn man arbeitet, keine Kinder und keinen Hund hat, dann kennt man hier niemanden. Letztes Jahr ging ich in die Pension und jetzt habe ich neue Leute kennen gelernt. Hier sind alle anständig.»

Doch dieser entspannte Nachmittag unter Freunden und Bekannten kann nur mit einiger Vorbereitung stattfinden. «Sehen Sie diesen Tisch?», fragt Jacco Schoch. «Der stammt von Frau Gut. Ein schwerer Cheib zum Hochtragen.» Trotz nötiger körperlicher Arbeit sei der gesamte Aufwand dank den vielen Helfern gut bewältigbar, sagt der 77-Jährige. «Der Seniorentreff ist wichtig für das Dorf. Die Leute schätzen das und sind dankbar. Es ist immer ein Krampf, aber wir machen es gern», sagt Rita Zberg.

Keine Zukunftspläne

Werden Pensionierte in Aesch auch nächstes Jahr wieder unter dem Schatten dieser Bäume speisen können? «Warten wir mal ab. Es ist ja immer eine Frage der Gesundheit», sagt Alice Schoch.

«Wenn Alice mit dem Treffen aufhört, dann stirbt es», sagt Annemarie Steiner. «Sie hat nicht nur die nötige Infrastruktur, sondern auch die Energie.» Doch daran scheinen die meisten Besucher vergangenen Mittwoch nicht zu denken. Denn im gemütlichen Garten der Schochs, umringt von purer Schweizer Idylle, ist die Welt noch in Ordnung.