Mit den Jubiläen haben sie so ihre Probleme, die Mitglieder des Gemeinnützigen Frauenvereins Urdorf. 1972 nämlich feierten sie ihr 40-jähriges Bestehen. Dies mangels alter Schriften und wegen der ältesten Statuten, die auf 1932 datierten. Wie bescheiden. In Wirklichkeit war der Verein so viel älter, dass er sogar das 100-Jahr-Jubiläum verpasst hatte. Denn 1980 fand man auf einem Estrich alte Protokoll- und Kassabücher. Daraus ging hervor: Die erste Hauptversammlung fand am 24.April 1870 statt! 1980 feierte man als Ersatz fürs verpasste 100-Jährige das 110-Jährige. Dieses Jahr nun begeht der Verein sein 140-jähriges Bestehen.

Stets im Dienste der Gemeinschaft

Gegründet wurde der Verein als Arbeitsschulverein, der Mädchen, Frauen, und Jungfrauen unterrichtete. «Wir haben viel erreicht», blickt Annamarie Zürcher, die heutige Präsidentin, zurück. 1922 gründeten die Urdorfer Frauen die Sonntagsschule und ebenso den Krankenpflegeverein. Heute nennt man ihn Spitex. Später rief man zusammen mit Fritz Imboden den Verein für ambulante Dienste ins Leben. Auch dieser ist heute aufgelöst und ging in die Spitex über. Wenn frauenspezifische Probleme anstanden oder sich Lücken im sozialen Netz auftaten, sprang der Frauenverein erfolgreich ein. «Das war schon immer so, wir haben die Sachen angerissen, und wenn es gut gelaufen ist, haben Gemeinde, Schule oder Kirche diese Angebote übernommen», sagt Zürcher ohne Reue.

Früher standen stets Pfarrfrauen an der Spitze des Gemeinnützigen Frauenvereins. Verständlich, dass er 1902 den Samariterverein ins Leben rief. Letztmals hat man 2004 eine neue Aufgabe übernommen. Im Spital Limmattal führt man immobile Kranke zum Gottesdienst in die Kapelle.

Hilfe in Kriegszeiten

Helfend tätig zu sein, diese Tatsache zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Urdorfer Frauen. «Ja, wir waren immer zur Stelle», bestätigt Annamarie Zürcher, «ganz früher schon haben wir viel Unterstützung geleistet. Vor allem im Zweiten Weltkrieg war der Verein sehr aktiv. Wir haben Soldaten unterstützt, die keinen Urlaub hatten, haben ihre Kleider gewaschen, die Socken geflickt und sehr viele Soldatenpäcklein geschnürt.» Heidi Spreng, Kassierin, pflichtet bei: «Wir haben das Helfersyndrom», und lacht dabei ironisch. «Nein, wir machen das sehr gerne, wir sind mit Leib und Seele dabei.»

Der Verein modernisierte sein Angebot in neuerer Zeit. Seit zwanzig Jahren ist er in der Kommission für Erwachsenenbildung vertreten. Dort werden Führungen durch die Stadt Zürich angeboten, dieses Jahr etwa die ETH Science City oder der Frauenstadtrundgang. Auch werden älteren Semestern neue Verkehrsregeln oder der Umgang mit dem Handy beigebracht.

Geld sammeln für Altersreise

«Unsere Haupttätigkeit heute besteht darin, Geld zu sammeln», erklärt die Präsidentin. Für die Altersreise und die Altersweihnacht. Zweimal pro Jahr organisiert der Gemeinnützige Frauenverein eine Kleiderbörse, an der Fasnacht läuft man am Umzug mit dem Sammeltuch mit. Da kommen gut und gerne über 10000 Franken zusammen pro Jahr. Auch beim Mittagstisch für Alleinstehende und Senioren ist man engagiert. Zwischen 35 und 55 Personen kommen jedes Mal vorbei. Weil man konfessionell und politisch neutral ist, ist jedermann eingeladen.

«Schwierig geworden sind die Vergabungen für Bedürftige. Wegen des Datenschutzes bekommen wir keine Adressen mehr von der Gemeinde. Die jährlichen Vergabungen im Wert von 3000 bis 4000 Franken überbringen wir deshalb heute zum Teil in Form von Pediküre- und Coiffeur-Gutschriften ins Altersheim», sagt Annamarie Zürcher. Der Verein ist von der Überalterung betroffen. Der Altersschnitt beträgt 70 Jahre. «Jüngere, 60 oder darunter, sind schwach vertreten», bestätigt die 68-jährige Annamarie Zürcher. Und die 63-jährige Kassierin Heidi Spreng sieht einen der Gründe in der kleiner gewordenen Bereitschaft, Gratisarbeit zu leisten.

Dabei sei das Engagement bei ihnen abschätzbar, denkt Zürcher. Wenn das so bleibe, werde man in Zukunft Angebote wie die Altersreise oder die Altersweihnacht der Gemeinde übergeben müssen, blickt Zürcher voraus.

Für Heidi Spreng gibt auch die Zukunft des Basars zu denken. Die engagierte Gruppe, die vor allem lismet und stickt, ist überaltert und wird immer kleiner. Bei sinkendem Erlös könne man weniger Projekte unterstützen. Letztes Jahr waren es noch 11000 Franken, während es früher schon über 20000 Franken gewesen waren.

Trotzdem: Die Mitgliederzahl ist mit 256 hoch, Tendenz gleichbleibend. Als der katholische Frauenverein aufgelöst wurde, wechselten rund 20 Frauen zum Gemeinnützigen. In zehn Jahren, beim 150-Jahr-Jubiläum, werde man ein grosses Fest feiern.

«Aber dann sind wir eventuell nicht mehr in Führungsfunktionen dabei», glaubt Annamarie Zürcher.