Edmondo Buccino ist ein Sammler aus Leidenschaft. Nur knapp lässt sich die Tür seiner angemieteten Garage noch schliessen. Hinter ihr verbergen sich zahlreiche Schätze, die der 75-Jährige jeweils am Samstag auf dem Flohmarkt am Dietiker Bahnhof feilbietet. Hölzerne Wanduhren, analoge Kameras und Firlefanz wie sprechende Plastikroboter: Das ist nur ein Auszug dessen, was sich bei dem Italiener alles auf wenigen Quadratmetern bis unter die Decke stapelt.

Buccino räumt Stück für Stück aus den fein säuberlich beschrifteten Kartons hervor. Kaum zu glauben, dass er nach 30 Jahren des wöchentlichen Verkaufens noch immer Material auf Lager hat. Schon als der Markt im Frühjahr 1987 zum ersten Mal stattfand – damals noch auf dem Löwenplatz –, war der Italiener mit seinem Stand vor Ort.

Damals, erinnert er sich, seien Medaillen der letzte Schrei gewesen. «Jeder wollte eine ergattern, um sich diese im Wohnzimmer als Dekoration aufzuhängen», so Buccino. Mit den Jahren habe sich aber nicht nur die angebotene Ware verändert, auch die Kundschaft sei mittlerweile eine andere. «Heute sind die Leute viel weniger bereit, auf dem Flohmarkt Geld auszugeben», sagt der erfahrene Marktschreier und befreit ein aus Holz geschnitztes Auto von Staub.

Lukrativ war der Verkauf nie

Wirklich lukrativ sei das Geschäft aber sowieso nie gewesen, räumt Buccino ein. Schon zu Beginn habe bei ihm die Freude und Sammelleidenschaft überwogen. Profit daraus zu erwirtschaften, sei nie das Ziel gewesen. Seinen Lebensunterhalt verdiente sich Buccino jahrzehntelang als Schreiner, bis er dann 1996 einen Herzinfarkt erlitt. Ans Aufhören dachte der Dietiker aber auch danach nie. Wacker strampelte er weiterhin mit seinem Fahrrad Samstag für Samstag mit all den Waren im Anhänger zum Flohmarkt.

Um dafür um fünf Uhr in der Früh aufzustehen, hat ihn bis heute nie gestört. «Für mich ist der Flohmarkt mehr als nur ein Verkaufsplatz. Ich habe viele Freunde gefunden», sagt der Pensionär. Konkurrenz sei unter den Marktleuten kein Thema. Jeder habe seine Nische, die er bediene, so komme man sich nicht in die Quere, sagt Buccino.

Für die Antiquitäten ist er der Experte. All seine Waren hat Buccino aus seinem eigenen Laden, den er jahrelang in Dietikon an der Schöneggstrasse betrieben hat. Den «Bucci’s Bazar» hatte er eröffnet, nachdem sich seine Gesundheit verschlechterte und er nicht mehr als Schreiner tätig sein konnte. Nach Beendigung der Selbstständigkeit ein paar Jahre später alles wegzugeben, ist für den leidenschaftlichen Sammler nicht infrage gekommen. Für ihn sei sofort klar gewesen, dass er jedes einzelne Stück aus dem Laden am Flohmarkt anbieten würde, so Buccino. Bis heute bekomme er zudem von langjährigen Kunden immer wieder besonders schöne Antiquitäten geschenkt, um diese dann wieder verkaufen zu können.

Das Sammeln hat kein Ende

Seine Familie unterstützt den rüstigen Rentner, wo sie nur kann. Gesammelt habe ihr Mann schon immer gerne, sagt seine Frau und lacht. Das gehöre einfach zu ihm dazu. Der ganze Keller der Wohnung sei beispielsweise mit einer Eisenbahnstadt ausgefüllt. Deshalb auch die zusätzlich angemietete Garage für alle Artikel für den Flohmarkt.

Ans Aufhören denkt Buccino im Übrigen noch lange nicht. «Ich werde so lange auf den Markt gehen, bis ich umfalle oder mir die Waren ausgeben. Wir werden sehen, was davon zuerst eintritt.»