Dietikon

Seine Projekte sorgten für Furore – jetzt zieht es Jürg Hässig wieder in die Heimat zurück

Jürg Hässig ist im Altberg-Quartier aufgewachsen. Damals gab es in der Nähe Industrie, nicht das Quartier Limmatfeld mit dem hohen Limmat Tower.

Jürg Hässig ist im Altberg-Quartier aufgewachsen. Damals gab es in der Nähe Industrie, nicht das Quartier Limmatfeld mit dem hohen Limmat Tower.

Einmal Dietikon, immer Dietikon: Jürg Hässig hat unter anderem als Schulpfleger viel bewegt. Zuletzt war er in Brugg tätig. Nun kehrt er in seinen Heimatort zurück. Nicht nur das Konzept des «Lehrstellen-Speeddatings» sorgte für Aufsehen.

«Ich dachte mir, das wär doch eine lustige Sache: Dietiker Lehrer tschutten gegen die Ex-Profis des FC Zürich», erinnert sich Jürg Hässig. Nochmals einige Telefonanrufe, Abklärungen mit der Schulleitung, Terminsuche – und schon war die Sache aufgegleist. Bereits 2014 kickte nämlich der FC Gemeinderat gegen das FCZ-Allstar-Team, im Mai 2017 standen dann die Lehrer für einmal nicht vor ihren Schülerinnen und Schülern, sondern Fussballlegenden wie George Bregy, Thomas Bickel, Raimondo Ponte und weiteren Altstars gegenüber. «Was für ein Spektakel. Hunderte von Zuschauern säumten das Spielfeld auf dem Hätschenplatz, die Reppischfäger heizten den Grill ein und die Alt-FCZler gewannen das Spiel haushoch. Obwohl wir Andy Egli als Coach für die Lehrertruppe engagiert hatten», sagt der ehemalige Schulpfleger lachend und schaut hinüber zum Limmattower.

Das Hochhaus und das Limmatfeld gab es noch nicht als Hässig in den 1950er-Jahren im Altberg-Quartier aufwuchs. Auf der anderen Seite der Überlandstrasse befanden sich Industrieunternehmen, kleinere Gebäude, Parkplätze. «Das hat sich alles extrem verändert. Manchmal muss ich mich hier selbst wieder neu orientieren.» Das sagt einer, der Dietikon eigentlich kennt wie seine Westentasche – und dennoch: In seinem Leben hat Jürg Hässig sowohl Gewand als auch Wohnort immer wieder Mal gewechselt, ist fortgezogen aus der Reppischstadt, kam zurück, ging wieder weg und plant jetzt erneut eine Rückkehr.

Sein besonderes Flair: Leute kennen zu lernen

Als gelernter Banker war er lange Zeit in der Vermögensverwaltung tätig und lebte unter anderem auch eine Weile in London. Sein besonderes Flair, Leute kennen zu lernen, sie einander bekannt zu machen und deren gemeinsame Interessen zu verknüpfen, haben seine berufliche Laufbahn geprägt. «Ein Netzwerk aufbauen, ist das eine. Ein Netzwerk pflegen ist aber das A und O», lautet sein Credo, wenn er Referate hält über Netzwerkmanagement an der Hochschule Luzern-Wirtschaft oder an der Handelsschule Basel. Die Passion, Menschen zusammenzubringen, führte Jürg Hässig denn auch wieder zurück nach Dietikon, wo er beim Spezialisten für Document-Management Graphax als Networking-Manager tätig war und auch wieder in seiner Heimatstadt wohnte.

Als Mensch im andauernd kreativen Unruhezustand ging es nicht lange, bis er sich in der Stadt engagierte und 2014 in die Dietiker Schulpflege gewählt wurde. «Ich wär liebend gerne fürs ‹Zentral› zuständig gewesen, weil ich dort meine ganze Schulzeit verbracht hatte», sagt er. Unter seine Obhut fiel dann aber das ‹Steinmürli›. «Das war auch gut, ich freute mich sehr auf die neuen Aufgaben.»

Schülerinnen und Schüler durften sich genauso freuen, denn der eifrige Netzwerker liess seinen Ideen immer wieder freien Lauf und erhielt von der Schulleitung grünes Licht für seine Vorschläge. Den amtierenden Schwingerkönig 2017, Matthias Glarner, kannte er persönlich und konnte ihn überzeugen, zusammen mit den Steinmürli-Kids in die Hose zu steigen. «Es war der Hammer. Viele der Kinder kannten den schweizerischen Hosenlupf überhaupt nicht, waren aber begeistert vom Sport  – und vom riesigen Schwingermeister ganz besonders», blickt Jürg Hässig zurück. Als weitere Sportlegende kam mit Kim Nilsson ein Weltklasse-Unihockeyaner zu Besuch und führte einen Workshop durch.

Und damit Schülerinnen und Schüler sicher auf den Strassen unterwegs sind, organisierte der umtriebige Schulpfleger einen 40-Tönner der Dietiker Transportfirma Planzer und den Chef des Unternehmens, Nils Planzer, gleich dazu, damit dieser auf dem Pausenplatz demonstrierte, wie gefährlich ein toter Winkel sein kann.

Fallen diese Ideen einfach so vom Himmel? Wie kam Jürg Hässig zum Beispiel dazu, das Schweizer Radio SRF ins Stadthaus Dietikon zu beordern, um von dort eine Sendung «Persönlich» mit dem Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart und Jeanne Pestalozzi auszustrahlen? Und wieso fand die Zürcher Regierungsrätin Silvia Steiner (CVP) den Weg ausgerechnet nach Dietikon? «Solche Einfälle habe ich oft. Und weil ich gerne Visionen entwickle und diese dann auch selbst umsetze, macht mir das Organisieren Spass. Aber alleine geht es natürlich nicht. Während meiner Schulpflegerzeit arbeitete ich eng mit der Schulleitung und mit den Stadtbehörden zusammen.»

Solche gemeinsame Initiativen waren auch die Basis für die Dietiker Lehrstellenbörse, wo sich Schülerinnen und Schüler im persönlichen Gespräch Dietiker Firmen präsentieren können. «Eine wertvolle Veranstaltung, die vor allem durch das Engagement von Schulleiterin Andrea Kengelbacher im ‹Luberzen› ein grosser Erfolg geworden ist», erklärt Hässig und freut sich, dass dieses Projekt noch immer existiert. Das Konzept des «Lehrstellen-Speeddatings» machte schliesslich Furore über die Stadtgrenzen hinaus und ist aktuell Thema im Schlieremer Gemeinderat, wo mittels eines Postulats die Durchführung eines ähnlichen Anlasses gefordert wird. In Zusammenarbeit mit der Stadt Dietikon hat der Netzwerker auch mitgeholfen, die Fachstelle Arbeitsintegration zu strukturieren und zu fördern. «Mir liegt viel daran, dass sich Menschen verwirklichen und ihre Leidenschaften leben können.»

Diesem Credo folgte Jürg Hässig auch, als er 2016 Dietikon verliess, um in Brugg zu wohnen und den örtlichen Tourismus auf Vordermann zu bringen. Wenig erstaunlich, dass er auch dort Zeichen setzte und etwa die Generalversammlung des Schweizerischen Gemeindeverbands oder die Gala-Night des Aargauischen Fussballverbands in die Drei-Flüsse-Stadt brachte.

Ja, was hält er denn von einem Projekt Dietikon Tourismus, jetzt wo er sein Amt in Brugg abgegeben hat und wieder zurück in seinen Heimatort zieht? «Dietikon hat viel Potenzial. Und Ideen hätte ich schon, zum Beispiel ein Open Air-Kino im Schwimmbad Fondli», antwortet er spontan und bricht zur nächsten Sitzung auf, als OK–Mitglied von «100 Jahre Amateur Liga 2021».

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