Birmensdorf
Sein Zuhause in den Ferien ist ein umgebautes Postauto

Paul Gähwiler, ehemaliger Primarlehrer aus Birmensdorf, liebt ungewöhnliche Projekte wie sein altes «Posti» und setzt sich an vielen Fronten ein.

Florian Niedermann
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Paul Gähwiler, hier mit Ehefrau Lisbeth, wird es nicht schnell langweilig: Wenn er nicht an seinem Postauto werkt, setzt er sich zum Beispiel für den Christbaumverein ein, dem dieser Baum zu verdanken ist.

Paul Gähwiler, hier mit Ehefrau Lisbeth, wird es nicht schnell langweilig: Wenn er nicht an seinem Postauto werkt, setzt er sich zum Beispiel für den Christbaumverein ein, dem dieser Baum zu verdanken ist.

Florian Niedermann

Wenn «Enziana» auf ihren Reisen durch Europa einen Halt einlegt, sorgt sie stets für Aufsehen. «Die Leute wollen immer rein, um sich das Innere des Postautos anzuschauen», erzählt Paul Gähwiler: «Wir lassen sie auch, aber nur bis zur obersten Treppenstufe.» Weiter dürfe man nur ohne Schuhe gehen, fügt Gähwilers Frau Lisbeth hinzu.

Zu ihrem auffälligen Gefährt - einem Postauto aus dem Hause Sauerer, Jahrgang 1973 - kam das Birmensdorfer Ehepaar Gähwiler vor fast 18 Jahren, als ihr damaliges Wohnmobil nicht mehr fahrtüchtig war. «Ein Freund aus dem Engadin hat mir dieses ‹Posti› angeboten. Meine Frau riet mir zwar zu einem kleineren Fahrzeug, aber ich nahm dann doch den grossen Wagen», erinnert sich Gähwiler.

50 000 Franken und 500 Stunden

13 Jahre dauerte es, bis das Reisevehikel der Gähwilers vollständig repariert und ausgebaut war. Der pensionierte Primarlehrer investierte mindestens 500 Stunden und ungefähr 50 000 Franken in diese Arbeiten, die er grösstenteils selbst vornahm. Heute findet sich in ihrem Wohnmobil dafür nicht nur die übliche Ausstattung mit Bett, Duschkabine und Kochnische, sondern etwa auch ein offenes Cheminée. Die Frage nach der Herkunft des technischen Know-hows und der Leidenschaft für die handwerkliche Beschäftigung ist für Gähwiler leicht zu beantworten: «Das habe ich von meinem Vater geerbt. Der war Maschinenbauer und ein echter ‹Do-it-yourself-man›. Schon als kleiner Junge habe ich den Handwerkern immer gerne bei der Arbeit zugeschaut.»

Jungfernfahrt nach Tirana

Die «Enziana» dient dem Ehepaar Gähwiler aber nicht nur als Bastelobjekt, sondern auch als fahrbarer Untersatz auf ihren Reisen - etwa nach Griechenland und in die Camargue. Dass das Postauto seit fast zwei Jahrzehnten in Betrieb ist, stellt laut Paul Gähwiler kein Problem dar: «Als wir sie kauften, hatte die ‹Enziana› bereits 1,2 Millionen Kilometer auf dem Buckel. Heute sind wir bei etwa 1,3 Millionen.» Wenn auf ihren Reisen etwas kaputtgehe, so repariere er es in aller Regel selbst.

Die erste grosse Fahrt, die das Ehepaar mit seinem Bus machte, führte sie bereits nach Albanien. Ein Bekannter aus dem Engadin habe damals Freiwillige für den Transport von fünf Tonnen Schulmaterial für ein Mädcheninternat in Tirana gesucht, erinnert sich Gähwiler. «Das war schon eindrücklich: In dem Internat gab es für 500 Mädchen gerade einmal ein funktionierendes WC und einen Wasserhahn, den man nicht mehr abstellen konnte.»

Ein grosses Engagement legt Gähwiler aber nicht nur bei karitativen Projekten an den Tag. Seit er vor bald 34 Jahren nach Birmensdorf gezogen ist, um hier zu unterrichten, hat er sich stets auch im Vereinsleben und für die Dorfgemeinschaft eingesetzt. Begonnen habe alles mit der Kinderfasnacht, erklärt Gähwiler. «Ich bin in einer Fasnachtshochburg - in Gossau SG - aufgewachsen. Als ich dann nach Birmensdorf gezogen bin, habe ich mich deshalb bald schon für einen Kinderumzug stark gemacht.»

Später folgten unzählige Engagements in Vereinen und Organisationskomitees seiner Wahlheimat wie etwa im Samichlausverein, im Komitee AWWA («Auch wir wollen atmen»), das sich für eine Umfahrungsstrasse in Birmensdorf einsetzte, oder zuletzt dem Christbaumverein Birmensdorf, welchem zu verdanken ist, dass Jahr für Jahr ein Christbaum im Dorfzentrum aufgestellt wird (die az Limmattaler Zeitung berichtete).

Keine Spur von «Ruhestand»

Auf die Frage, welche Projekte als Nächstes anstehen würden, winkt Gähwiler ab: «Im Moment mache ich eigentlich nichts Grosses mehr.» Er sei zwar noch immer im Vorstand der Feuerwehrvereinigung Birmensdorf und Präsident des Christbaumvereins, den grössten Teil seiner Funktionen habe er aber weitergeben können.

Seit er sich vor zwei Jahren pensionieren liess, ist der Alltag der Gähwilers zwar ruhiger geworden. Von «Ruhestand» kann aber auch jetzt noch keine Rede sein: «Nun habe ich wieder Zeit für Projekte an unserem Haus. Momentan montiere ich Lampen in unserem Garten», erklärt Gähwiler. Und im Juni stehe wieder eine Reise mit seiner Frau im Postauto auf dem Programm. Diesmal geht es nach Kroatien. «Davor feiern wir aber noch das Bachfest», freut sich der Pensionär. Auch bei diesem Anlass steht Paul Gähwiler auf der Namensliste des Organisationskomitees.