Birmensdorf
Sein Magenbrot ernährt die ganze Familie

Chilbizeit ist Magenbrotzeit – für Charly Stutz gilt das seit seiner Kindheit. Seine Eltern haben die Firma «Gopfried Stutz» gegründet. Seit 59 Jahren verkauft die Familie aus Birmensdorf Magenbrot an Märkten in der ganzen Deutschschschweiz.

Katja Landolt
Drucken
Teilen
Charly Stutz mit seinem Magenbrot

Charly Stutz mit seinem Magenbrot

Limmattaler Zeitung

«Magenbrot gehört zur Chilbi wie das Amen in der Kirche. Keiner weiss das besser als Charly Stutz aus Birmensdorf; Magenbrot hat seit Kindsbeinen an sein Leben mitbestimmt: Vor 59 Jahren zog sein Vater Karl – Coiffeur von Beruf – erstmals mit Magenbrot und einem Verkaufsstand im Gepäck los. Das Geschäft lief so gut an, dass Karl Stutz kurz darauf die Firma «Gopfried Stutz» gründete, bekannt durch die rot-weiss gestreiften Magenbrotsäcke.

Seither haben die Stutzs kaum einen Markt, kaum eine Chilbi in der Deutschschweiz verpasst. «Gross gemacht hat das Geschäft meine Mutter», sagt Charly Stutz. Klara Stutz hatte das Zepter der Geschäftsführung 1960 übernommen. «Sie hat die Familie mit dem Verkauf von Magenbrot ernährt.» Damals kosteten 500 Gramm Magenbrot noch Fr. 3.50. «Inzwischen ist es fast das Dreifache», sagt Charly Stutz. Heute verkauft die Familie Stutz rund 30 Tonnen Magenbrot pro Jahr. Dazu kommen gebrannte Mandeln, Nideltäfeli, Biberfladen und allerlei Schleckwaren.

«Der Teig ist das Wichtigste»

Magenbrot besteht aus einer Art Lebkuchenteig, der in Stangen gebacken und anschliessend zerschnitten wird. Dann werden die Stücke in einem rotierenden Kessel in Glasur gebadet. «Der Teig ist das Wichtigste, er muss saugfähig sein», sagt Charly Stutz. «Der Teig muss die Glasur bis in den Kern aufsaugen, sonst ist das Magenbrot zu trocken.»

Auch wenn die Familie Stutz vom Magenbrot gelebt hat – selber hergestellt hat sie es nie. «Mein Vater war Coiffeur, kein Bäcker», sagt Charly Stutz und lacht. Das Magenbrot wird seit Jahrzehnten von einer Bäckerei bezogen. Nur die gebrannten Mandeln, die stellen die Stutzs selber direkt vor Ort her. «Die Kunden mögen es, wenn die Mandeln noch warm sind.»

«Seriös, anständig und sauber»

Wann immer möglich begleitet Charly Stutz seine Mutter an die Chilbis und Märkte; erst als Teenager, später auch als Berufstätiger. «Meine Mutter war ein Vollprofi», sagt er. Was macht denn einen guten Magenbrotverkäufer aus? «Ein guter Verkäufer muss seriös, anständig und sauber arbeiten», sagt Charly Stutz.

Mindestens genau so wichtig sei aber der Standplatz. «Einen guten Platz zu bekommen ist das Schwierigste.» Da würden sich die Verkäufer gegenseitig nichts schenken und der Umgangston könne auch ganz schön ruppig werden. Charly Stutz bezog damals sämtliche Ferientage einzeln und nahm jeweils einen Monat unbezahlten Urlaub, um auch unter der Woche auf den Markt zu fahren.

«Während 25 Jahren habe ich keinen Tag freigehabt; irgendwann wurde das zu viel.» 1978 hängte er seinen Job als Bauführer an den Nagel und widmete sich im Frühling und Herbst – den traditionellen Marktzeiten – dem Magenbrot und im Sommer und Winter dem Cheminéebau. Das Geschäft mit dem Cheminéebau lief aber nach kürzester Zeit derart gut, dass Charly Stutz im Jahr 1979 eine Verkäuferin engagierte. Stutz lacht. «Sie arbeitet heute immer noch für uns.»