Glanzleistung
Seglertrio umrundet Irland und Grossbritannien in Rekordzeit

Das Rösti Sailing Team um den Oberengstringer Simon Koster brauchte rund sieben Tage für die 3400 Kilometer. Ein Rekord für Segelboote bis 40 Fuss.

Florian Schmitz
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Strahlende Gesichter nach der Ankunft (von links): Valentin Gautier, Justine Mettraux und Simon Koster.

Strahlende Gesichter nach der Ankunft (von links): Valentin Gautier, Justine Mettraux und Simon Koster.

zvg/Rösti Sailing Team

Sieben Tage, sechs Stunden, 27 Minuten und 25 Sekunden benötigten die drei Segler, um Grossbritannien, die Shetlandinseln und Irland ein Mal zu umrunden. Ein Rekord für Segelboote bis 40 Fuss. Um ganze zwölf Stunden unterbot der Oberengstringer Simon Koster zusammen mit den Genfern Valentin Gautier und Justine Mettraux den erst im Juli aufgestellten Rekord des Franzosen Ian Lipinski.

Entsprechend gross war die Freude der Segler in der Nacht auf Dienstag bei der Ankunft in Cornwall nach rund 3400 Kilometern auf dem Meer. «Jetzt haben wir den Rekord gebrochen und unser grösstes Ziel erreicht, für das wir so hart gearbeitet haben. Das ist eine schöne Belohnung», wird Koster in einer Mitteilung des Segelprojekts zitiert.

Ruhe bewahrt trotz ­schleppendem Start

Am 17. August waren die drei Segler in ihrer 12,2 Meter langen Hochseejacht vom Lizard Point in Cornwall aufgebrochen, dem südlichsten Punkt der britischen Hauptinsel. Wegen eines gemächlichen Starts gerieten sie schnell etwas in Rückstand gegenüber dem vorherigen ­Rekord. Das brachte Julien Villon, der als Wetterrouter die Segler von Land aus bei der Suche nach dem optimalen Kurs unterstützte, nicht aus der Ruhe. Ein Vergleich der Positionen habe wenig Aussagekraft, weil die Bedingungen so unterschiedlich seien, schrieb Villon im Projektblog.

Aber nicht nur das Wetter beschäftigte das Team. «An der Themsemündung war es ein regelrechtes Minenfeld. Dabei mussten wir Sandbänke und Windparks umschiffen und uns zwischen den grossen Frachtern hindurchschlängeln», sagte Gautier in einem Blogeintrag. Nach einem ruhigen, sonnigen zweiten Tag zog zur Freude der Segler ein Tiefdruckgebiet auf, und die Jacht nahm Fahrt auf. Wegen der verschärften Bedingungen sei das Leben an Bord schwieriger geworden und an Schlaf kaum mehr zu denken, berichtete Koster. «Aber wir können nun richtig Zeit aufholen.» Von den vielen weiteren Herausforderungen liessen sich die Segler nicht mehr vom Rekordkurs abbringen.

Neue Hochseejacht für 600'000 Franken gebaut

Aber bis zum Schluss blieb es spannend: «Ich hoffe, dass unser derzeitiger Vorsprung ausreicht. Jeder Meter zählt, es ist wirklich ein Rennen», berichtete Koster am letzten Tag vom Boot aus. Deshalb war er im Ziel selbst etwas überrascht, den alten Rekord so klar übertroffen zu haben: «Ich habe das Gefühl, wir verbrachten ganz schön viel Zeit in leichten Winden oder Übergängen. Zum Glück hatten wir auch richtig schnelle Passagen dabei.»

Das Rösti Sailing Team ist ein 2018 gestartetes Projekt von Koster und Gautier. Vergangenen Herbst belegten die beiden den vierten Platz bei 27 teilnehmenden Booten an der «Transat Jacques Vabre», einer Atlantiküberquerung von Frankreich nach Brasilien. Dabei starteten sie erstmals mit der für 600'000 Franken neu gebauten Hochseejacht «Banque du Léman». Anfang Jahr holten die beiden Justine Mettraux für den nun erreichten Rekord mit ins Boot. Es sei genial gewesen, mit so einem herausragenden Segelschiff unterwegs sein zu dürfen, sagte Mettraux nach der Ankunft.

Der Oberengstringer Koster hat seinen Lebensmittelpunkt schon vor Jahren in die französische Hafenstadt Lorient verlegt. Vor seiner Zusammenarbeit mit Gautier hatte Koster sich in der von Franzosen dominierten Szene als Solo-Segler einen Namen gemacht. Zwei Mal belegte er bei der Transatlantik-Regatta Mini-Transat den dritten Platz.