Hirtenbrief

Seelsorger Kurt Vogt: «Wir haben andere Probleme»

Bischof Vitus Huonder fordert die Pfarrer in seinem Bistum auf, wiederverheiratete Geschiedene von den Sakramenten auszuschliessen

Bischof Vitus Huonder fordert die Pfarrer in seinem Bistum auf, wiederverheiratete Geschiedene von den Sakramenten auszuschliessen

Der umstrittene Hirtenbrief von Bischof Huonder wird am Sonntag nicht in allen katholischen Kirchen des Limmattals vorgelesen. Pfarrer Kurz Vogt findet den Inhalt des Briefes nicht zeitgemäss.

Für Bischof Vitus Huonder ist klar: «Die Ehe ist unauflöslich.» Wie der Vorsteher des Bistums Chur, zu dem auch der Kanton Zürich gehört, in seinem aktuellen Hirtenbrief schreibt, müssen wiederverheiratete Geschiedene deshalb von den Sakramenten ausgeschlossen werden (siehe Kasten).

Einstimmiger Entscheid

Die Worte des Bischofs, die diesen Sonntag auch in den katholischen Kirchen des Limmattals gelesen werden müssten, kommen nicht bei allen gleich gut an. «Wir werden den Brief im Seelsorgeraum Dietikon und Schlieren nicht vorlesen», sagt Pfarrer Kurt Vogt. Man habe das Thema in der Teamsitzung besprochen und den Entscheid einstimmig gefällt.

Kurt Vogt, der Pfarrer für den Seelsorgeraum Dietikon und Schlieren

Kurt Vogt, der Pfarrer für den Seelsorgeraum Dietikon und Schlieren

«Wir sind der Ansicht, dass der Inhalt des Briefs in der heutigen Zeit nicht angemessen ist», so Vogt. «Wir haben andere Probleme.» Die Situation sei für getrennte und geschiedene Personen schwierig genug. «Es ist nicht unsere Aufgabe, über sie zu richten», so Vogt, «sondern ihnen zu helfen.»

Es sei wichtig, dass man die Lebenssituation jeder Person individuell betrachte und ihr zur Seite stehe, wenn sie dies wünsche.

Negative Reaktionen aus Oberengstringer Gemeinde

Auch in der katholischen Kirche in Oberengstringen wird der Hirtenbrief nicht vorgelesen werden, wie Pfarrer Joseph Naduvilaparambil auf Anfrage sagt. Man werde auch keine Stellung dazu nehmen. Hingegen sei geplant, Kopien des Briefes in der Kirche bereitzulegen und darauf hinzuweisen. Diesen Entscheid habe das Seelsorgeteam gemeinsam getroffen.

Als Grund dafür nennt Naduvilaparambil negative Rückmeldungen aus der Gemeinde: «Einige Mitglieder haben uns mitgeteilt, sie wünschten, dass der Brief nicht vorgelesen wird.» Indem man die Worte des Bischofs auflege, habe man «einen guten Mittelweg» gefunden, sagt der Pfarrer.

Der Urdorfer Pfarrer Max Kroiss hingegen wird den Brief im Gottesdienst vom kommenden Sonntag vorlesen und dazu Stellung nehmen. Inwiefern er sich zu den Worten von Vitus Huonder äussern werde, konnte er noch nicht sagen: «Das muss ich erst noch vorbereiten.»

Seelsorgerat ist betroffen

«Mit grosser Betroffenheit» hat der Seelsorgerat der Zürcher Katholiken vom Brief Kenntnis genommen, wie er in einer gestern verschickten Mitteilung schreibt. So teile man zwar die Sorge um die christliche Gestaltung der Ehe, sehe aber auch «die äusserst vielschichtige Problematik» des Themas.

Deshalb frage man sich ernsthaft, «ob solche strikte Weisungen auch in jedem Fall dem Heil der betroffenen Menschen dienen». Man danke deshalb allen Seelsorgern, die auch geschiedenen und wiederverheirateten Menschen helfen, «ihren Weg mit Gott» zu gehen.

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