Dietikon
Sechs Leitsätze für die Kulturförderung

Der Stadtrat von Dietikon präsentiert erstmals ein Leitbild, in dem er sein Kulturverständnis erklärt. Die Kulturförderung soll dabei nicht auf bestimmte Sparten beschränkt bleiben.

Sandro Zimmerli
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Limmattaler Zeitung

Wie viel Kultur soll sich die Stadt leisten? Mit dieser Frage hat sich der Stadtrat Dietikon schon seit längerer Zeit auseinandergesetzt. Gestern nun präsentierte er das erstmals erstellte und lang erwartete Kulturleitbild. Darin ist anhand von sechs Leitsätzen festgehalten, welches Kulturverständnis die Exekutive hat und wie die Kultur gefördert und entwickelt werden soll. Nicht enthalten sind im Leitbild dagegen konkrete Massnahmen. «Diese müssen in einem nächsten Schritt erarbeitet werden. Wir haben uns bewusst auf Kernaussagen beschränkt, weil die Kulturförderung ein langfristig angelegtes Thema ist», erklärte Stadtpräsident Otto Müller.

Oberster und wichtigster Leitsatz ist die Feststellung, dass «Kultur ein Grundbedürfnis des Einzelnen und der Gesellschaft ist». Will heissen: Die Stadt fördert Kultur und setzt dazu finanzielle, personelle und infrastrukturelle Ressourcen ein. «Ziel ist die Bündelung der engagierten Kräfte aller Alters- und Bevölkerungsgruppen», heisst es im Leitbild.

Nicht auf Sparten beschränkt

«Das soll heissen, dass nicht nur die Stadt, sondern auch interessierte Personen und Vereine an der Kulturförderung mitarbeiten», hielt Paul Stehrenberger, Vizepräsident der Stadtjugendmusik Dietikon, fest. Er ist eines von 13 Kommissionsmitgliedern, die im Auftrag des Stadtrates das Leitbild ausgearbeitet haben. Neben den Mitgliedern der Kulturkommission waren verschiedene Personen aus dem kulturellen Leben Dietikons in dieser Spezialkommission vertreten.

In eine ähnliche Richtung zielen auch die Leitsätze «Mitwirkung der interessierten Kreise bei der Leitbildumsetzung hat einen hohen Stellenwert» und «Kultur schafft Identität und vernetzt unterschiedliche Bevölkerungsgruppen».

«Es geht darum, dass Kulturförderung nicht auf bestimmte Sparten beschränkt bleiben darf», so Stehrenberger. In diesem Satz wieder spiegle sich die Bevölkerungszusammensetzung der Stadt. «Neben Migranten, Vereinen leben hier auch Kulturschaffende, die davon leben», hielt er fest.

Was die Mitwirkung bei der Umsetzung des Leitbildes betreffe, gehe es darum, dass ein klares Konzept vorliege, sagte so Agnes Matt, Leiterin der Stadt- und Regionalbibliothek, die ebenfalls am Leitbild mitgewirkt hat.

Ob diese Spezialkommission über die Arbeit am Leitbild hinaus weiter besteht oder ob die Kulturkommission die operative Umsetzung der Massnahmen an die Hand nimmt, liess Müller offen. «Ich kann mir vorstellen, dass wir uns mit dem Gremium nochmals treffen, um weitere Schritte zu besprechen», so der Stadtpräsident. Es sei auch vorstellbar, das Kultursekretariat zu reorganisieren, um die Leitgedanken umzusetzen.

Kulturräume schaffen als Ziel

«Wichtig ist mir, dass das Leitbild nicht in der Schublade verschwindet», erklärte Matt. Sie wies zudem darauf hin, dass es nötig sei, den Kunstschaffenden auch Räume zur Verfügung zu stellen, wie im Leitsatz «Dietikon pflegt Prozess- und Veranstaltungskultur» festgehalten wird. Müller meinte dazu, dass es derzeit vor allem darum gehe, Räume für Jugendliche zu schaffen. Gleichzeitig sei es aber auch ein Anliegen, schon bestehende Veranstaltungen weiter zu pflegen.

Weiter machte Matt auf den Leitsatz «Die Kulturförderung ist geprägt von hoher Professionalität» aufmerksam. «Professionell meint, dass seriöse Kulturförderung nur dann durchgeführt werden kann, wenn auch die personellen Ressourcen vorhanden sind», so Matt. Gerade in diesem Bereich und beispielsweise bei der Frage, wie viel Kultur sich die Stadt leisten solle, hätten sich Spannungsfelder aufgetan, so Müller. «Nach mehreren Workshops haben wir uns auf ein Leitbild einigen können, mit dem sich die Kommissionsmitglieder einverstanden erklären können», hielt er fest.

Zu diesem Leitbild gehört auch der letzte Leitsatz «Die künstlerische Freiheit ist ein wichtiger Wert». «Gemeint ist damit, dass Kunst Grenzen überschreiten muss. Es sind nicht Beamte, die darüber entscheiden, was gute Kultur ist», so Stehrenberger. Was Kultur aber auf jeden Fall ist, erklärte Müller zum Abschluss: «Kultur ist der Kitt der Gesellschaft.»