Schlieren

Sechs Jahre nach dem Baustopp wird Schlieren seinen Schandfleck los

Dieses Bild gehört bald der Vergangenheit an: die halbfertige Bauruine nördlich der Zürcherstrasse.

Dieses Bild gehört bald der Vergangenheit an: die halbfertige Bauruine nördlich der Zürcherstrasse.

Wo jahrelang nichts ging, stampft ein Ostschweizer Investor nun 120 Business-Appartements aus dem Boden.

Nicht vieles erinnert mehr an jene Zeit, als die wohl berühmteste, halb fertige Baustelle Schlierens oder gar des Limmattals sich selbst überlassen war. Denn auf der Parzelle, die nördlich an die Zürcherstrasse grenzt und zwischen den Tramhaltestellen Gasometerstrasse und Mülligen liegt, wird emsig gebaut. Hier entsteht im Lauf des nächsten Jahres eine Grossüberbauung mit 120 Business-Appartements, einer Lidl-Filiale und einem Fitnesscenter. Für die Quartierbewohner und die städtische Politik dürfte dies ein Befreiungsschlag sein. Denn seit 2014 regte sich auf dem Stück Land beinahe nichts. Nur Stahlteile ragten in die Höhe, und die Parzelle war gegen Eindringlinge gesichert. Gleich mehrere Anfragen aus dem Schlieremer Parlament gingen beim Stadtrat ein. Politikerinnen und Politiker aus der SP, der FDP und der GLP wollten wissen, was man gegen diesen Schandfleck unternehmen kann.

Teile des Fundaments und des Erdgeschosses waren erstellt

Dementsprechend erfreut zeigt sich Bauvorstand Stefano Kunz (CVP), auf die neusten Entwicklungen angesprochen: «Der Stadtrat wurde in dieser Sache aktiv», sagt er. So sei dem ehemaligen Besitzer des Landes eine rechtsgültige Baubewilligung vorgelegen. Eine solche verfällt aber, wenn nicht drei Jahre nach Datum der Ausstellung mit dem Bau begonnen wird. «Dies war erfüllt», erklärt Kunz und verweist darauf, dass bereits Teile des Fundaments und des Erdgeschosses erstellt worden waren. Die Arbeiten stoppten jedoch 2014. «Fraglich blieb, wie lange denn überhaupt ein solcher Bauprozess dauern darf», so Kunz. Der heutige Stadtpräsident und Kunz’ Vorgänger, Markus Bärtschiger (SP), sagte in einer Fragestunde 2017, der Stadt seien die Hände gebunden. Er verwies darauf, dass bekannt sei, dass sich zahlreiche Investoren für das Stück Land interessieren würden, und appellierte an den Besitzer, es zu verkaufen.

Dies nützte jedoch nichts, und im vergangenen Jahr änderte die Stadt ihre Strategie. So drohte sie nämlich mit dem Entzug der Baubewilligung, woraufhin der Besitzer das Land an die Arboner Entwicklerin Manser Group veräusserte. Wie kam das Ostschweizer Unternehmen zum Kauf der Bauruine? «Wir erhalten immer wieder Angebote für Investitionsobjekte. Nach der Prüfung des Standortes entschieden wir uns für den Kauf», sagt Patrick Manser. Der Eigentümer der Thurgauer Firma sagt weiter, dass bereits 70 Prozent des Objektes vermietet seien. In rund einem Jahr soll es fertiggebaut und bezugsbereit sein. Ist es dereinst fertiggestellt, bleibt es im Portfolio der Manser Group. «Jedes Bauprojekt ist für mich wie ein eigenes Kind», sagt Manser. Rund 60 Millionen Franken steckt er in den viergeschossigen Bau, der eine Gebäudelänge von 90 Metern und eine Breite von 35 Metern aufweist.

Die Übernahme einer solchen Bauruine ist komplex. «Es mussten zuerst fundierte Untersuchungen zum baulichen Zustand durchgeführt werden», sagt Manser. Das Fundament habe man verstärken und teils poröse Substanzen erneuern müssen. Ein punktueller Rückbau habe jedoch nicht verhindert werden können. Man habe am bestehenden Projekt des vormaligen Besitzers auch einige Anpassungen vorgenommen. So hat der Discounter Lidl nun mehr Fläche zur Verfügung als ursprünglich geplant. Zudem habe man noch Platz für ein rund 1800 Quadratmeter grosses Fitnesscenter sowie 2000 Quadratmeter Bürofläche schaffen können.

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