Wenn die Stadthalle Dietikon mit Sägemehl gefüllt wird, ist das Niklausschwinget nicht mehr weit. Am kommenden Samstag ringen rund 100 Schwinger um die Krone am traditionellen Hallenschwingfest. Der Grossteil der Konkurrenten stammt aus der Region Nordostschweiz, zusätzlich werden rund 30 Gästeschwinger aus der Südwestschweiz, der Innerschweiz und der Nordwestschweiz erwartet.

Angeführt wird das Teilnehmerfeld von drei Eidgenossen. Die beiden Nordwestschweizer Nick Alpiger und Patrick Räbmatter, Sieger von 2015, wollen ihre schwachen Leistungen von letztem Jahr vergessen machen. Für die Innerschweizer Delegation tritt Pirmin Reichmuth an. Von den beiden Vorjahressiegern Roman Schnurrenberger und Marco Nägeli aus dem Kanton Zürich wird nur Schnurrenberger die Titelverteidigung anvisieren, Nägeli musste verletzt absagen. Und der Winterthurer Samir Leuppi rechnet sich ebenfalls Chancen auf einen Gesamtsieg aus.

Der Schwingklub Glatt- und Limmattal (SKGL) ist als Veranstalter voraussichtlich mit vier Athleten am Fest vertreten. Neben Routinier Thomas Kammermann sind Philip Dittli aus Geroldswil, Sandro Bader aus Birmensdorf und Stefan Zemp aus Hüttikon mit dabei, Daniel Wettstein und Luca Pallaoro müssen auf den letzten Wettkampf des Jahres verzichten. Auch die Teilnahme Baders ist noch ungewiss. «Nach einer Knieverletzung im August hat er erst im November wieder mit dem Training angefangen», sagt Kammermann, der im Klub auch das Training der Aktiven leitet. Wie für Zemp wäre es auch für Bader eine Premiere. Beide sind diese Saison von den Jungschwingern zu den Aktiven aufgestiegen. Das freut Kammermann, denn Nachwuchsrekrutierung sei weiterhin ein grosses Thema im Klub. Deshalb seien Interessierte jederzeit willkommen, montags an einem Schnuppertraining im Schwingkeller im Moos in Schlieren teilzunehmen.

Für das Niklausschwinget hofft Kammermann, dass seine Schützlinge mit guten Leistungen den Ausstich überstehen und möglichst viel Erfahrung sammeln können. Er selbst strebt an, sich wie im vergangenen Jahr eine Auszeichnung zu erkämpfen.

Vom Besucher zum Präsidenten

Ein Jahr nach dem 80-jährigen Jubiläum wollen die Turnierorganisatoren die Weichen für die Zukunft stellen. Ein wichtiges Ziel sei es, den leichten, aber stetigen Zuschauerrückgang der letzten Jahre zu stoppen, sagt der neue OK-Präsident Ralph Hofer. Bis auf den Wechsel vom Sonntag auf Samstag vor drei Jahren habe sich über die Jahre wenig verändert. Das OK und die Helfer leisteten jedes Jahr tolle Arbeit, aber «das Fest ist ein wenig eingeschlafen», so Hofer.

Ralph Hofer ist seit März OK-Präsident des Niklausschwingets.

Ralph Hofer ist seit März OK-Präsident des Niklausschwingets.

Er hat im März das Ruder von Hanspeter Haug übernommen, der vergangenes Jahr am Jubiläumsfest nach 15 Jahren als Präsident offiziell verabschiedet wurde. Die Suche nach einem Nachfolger gestaltete sich wie so oft beim Besetzen von zeitaufwendigen Vereinsposten schwierig. Über seine berufliche Zusammenarbeit mit OK-Vizepräsident Godi Suter bei den SBB kam Quereinsteiger Hofer als möglicher Kandidat ins Spiel. Der Dietiker kennt die Niklausschwinget zwar als Besucher gut, hat aber keinen aktiven Schwinghintergrund. Als ehemaliger Judoka verfügt er allerdings über Kampfsporterfahrung. Neben dem Präsidium verzeichnete das fünfzehnköpfige OK nur wenige Wechsel, das habe seinen Einstieg stark erleichtert. «Das OK ist eine eingespielte Truppe und funktioniert sehr gut», sagt er.

Die Weiterentwicklung des Traditionsanlasses äussert sich vor allem neben dem Sägemehl. Das Rahmenprogramm wurde für dieses Jahr deutlich ausgebaut. So wartet die neue Schwingerbar auf die durstigen Besucher, und nach dem Schlussgang setzt ein rund 50-köpfiger Trychler-Einmarsch einen zusätzlichen Höhepunkt. Ob auf dem Karussell, beim Ponyreiten, beim Schminken oder im Streichelzoo: Kinder kommen dieses Jahr vermehrt auf ihre Kosten. Auf grosse und kleine Tierliebhaber wartet zudem eine Kleintierschau. Der Fokus auf die jüngeren Semester ist kein Zufall. «Wir wollen vermehrt Familien ansprechen», sagt Hofer. In der Agglomeration haben Schwingfeste einen schwereren Stand als in Bergkantonen, weil der Sport mit schier endlosen Alternativen konkurrenzieren muss und die Schwingtradition in der multikulturellen Region gesellschaftlich weniger stark verankert ist. Ringen ist aber ein globales Phänomen, das in vielen Ländern an die eigene Kultur angepasst wurde. Dabei gibt es durchaus viele Überschneidungen zur Schweizer Variante.

Hofer betont, dass der Sport und das dazugehörige Brauchtum immer im Zentrum stehen werden. Schwingfremde sollen mit dem erweiterten Angebot zum Vorbeischauen in der Stadthalle animiert werden, um dann optimalerweise fasziniert beim Duell im Sägemehl hängen zu bleiben. So erging es Pascal Stüssi, der das OK bei der Vermarktung unterstützt, als er letztes Jahr erstmals das Niklausschwinget mit seiner Familie besuchte. «Die Dynamik und athletische Ästhetik der Schwinger hat mich sehr beeindruckt», sagt er. Das Hervorheben der Tradition ist für Hofer und Stüssi, die sich beide aus der Dietiker SVP kennen, im multikulturellen Limmattal auch eine Chance. So könnten auch Menschen mit Migrationshintergrund angesprochen werden und in Berührung mit der einheimischen Tradition und Kultur kommen.

Pascal Stüssi hilft im Marketing beim Niklausschwinget mit.

Pascal Stüssi hilft im Marketing beim Niklausschwinget mit.

Für 2019 wollen die Organisatoren ihre Marketing- und Sponsoringbestrebungen weiter ausbauen und mit höheren Preisgeldern grössere Namen anlocken. Neu ist der SKGL etwa mit der Facebook-Gruppe Schwing-Tradition in den sozialen Medien vertreten. Und um den Nachwuchs weiter an den Sport heranzuführen, sollen Kinder sich nächstes Jahr zum Spass im eigenen Schwingring messen dürfen. Doch bis dahin ist es noch weit.

Aktuell sind alle Augen auf den kommenden Samstag gerichtet, wenn der 1937 von der Zunft St. Nikolaus ins Leben gerufene Anlass wieder Schwingfans von nah und fern nach Dietikon lockt.