Schule
Schwierige Situationen häufen sich: Bergdietikon will auch Schulsozialarbeit

Ein 35-Prozent-Pensum soll dafür sorgen, dass in der Schule Bergdietikon Probleme behandelt werden, bevor es zur Eskalation kommt.

Bettina Hamilton-Irvine
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Das Mehrzweckgebäude Schule Bergdietikon bei der Einweihung - jetzt soll eine Schulsozialarbeitsstelle (35 Prozent) eingeführt werden.

Das Mehrzweckgebäude Schule Bergdietikon bei der Einweihung - jetzt soll eine Schulsozialarbeitsstelle (35 Prozent) eingeführt werden.

Ly Vuong

Als Dietikon drei Jahre lang ohne Schulsozialarbeit auskommen musste, nahm der Druck in der Schule zu. Die Schulsozialarbeit fehle «an allen Ecken und Enden», schrieb der Stadtrat in einem Bericht: Lehrpersonen, Schulleitungen und Schulpsychologen müssten «massive Mehrarbeit» übernehmen, es komme zu Doppelbelastungen und bei den Schülern zu mehr Konflikten.

Bergdietikon ist nicht Dietikon. Die Aargauer Gemeinde ist viel kleiner und ländlicher als ihre Zürcher Nachbarin, hat eine andere Bevölkerungsdurchmischung, andere Schwerpunkte. Trotzdem decken sich einige der Herausforderungen. Um diese zu meistern, will Bergdietikon nun ebenfalls Schulsozialarbeit einführen.

«Die Schule ist ein Spiegel unserer Gesellschaft», sagt Gemeinderat Urs Emch (SVP), der für das Ressort Schule zuständig ist. So hätten gesellschaftliche Entwicklungen wie die hohe Scheidungsrate dafür gesorgt, dass das Zusammenleben von Kindern und Erwachsenen komplexer geworden sei. «Kinder kommen heute mit anderen Voraussetzungen und Belastungen in die Schule», sagt Emch. Das würden auch die Lehrer spüren. Der SVP-Gemeinderat betont, Bergdietikon sei «keine Problemschule». Trotzdem sei die Schule heute häufiger als früher mit schwierigen Situationen konfrontiert.

Kosten: 42 000 Franken pro Jahr

Dazu kommt, dass auch die Lehrer heute anderen Belastungen ausgesetzt sind, wie Emch sagt. So müssten sie viel mehr Zeit für administrative Arbeiten aufwenden als früher, die dafür dann anderswo fehle. Zudem reiche schon ein verhaltensauffälliges Kind, oder eines mit einer anderen Muttersprache, um die Lehrpersonen zusätzlich zu fordern, sagt Emch. Damit sie sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren könnten, wolle man sie von zusätzlichen Aufgaben entlasten.

Hier kommt die Schulsozialarbeit ins Spiel. Sie soll zu einem guten Schulklima beitragen und Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben, in einem geschützten Rahmen mit einer Fachperson im Vertrauen sprechen zu können. Im Vergleich zum Schulpsychologischen Dienst, der eine Leistung des Kantons ist und für Bergdietikon in Baden angesiedelt ist, soll die Schulsozialarbeit aber vor allem prophylaktisch arbeiten und Massnahmen ergreifen, bevor eine Situation eskaliert.

Der Kanton Aargau überlässt es den Gemeinden, zu entscheiden, ob sie Schulsozialarbeit wollen oder nicht. Dennoch sind im ganzen Kanton mittlerweile 118 Schulsozialarbeitende in 63 Gemeinden tätig. Mehr als 60 Prozent der Schülerinnen und Schüler profitieren bereits davon. Auch die meisten Gemeinden um Bergdietikon herum haben bereits Schulsozialarbeit eingeführt: so Spreitenbach, Rudolfstetten, Widen, Bellikon, Remetschwil oder Würenlos. Killwangen ist zurzeit daran, das Angebot einzuführen.

Ob auch Bergdietikon Schulsozialarbeit bekommt, darüber entscheiden die Stimmberechtigten an der Gemeindeversammlung vom 4. Dezember. Zur Debatte steht ein Pensum von 35 Stellenprozenten, was ab 2015 zu jährlichen Kosten von 42 000 Franken führen würde.

Für Emch ist klar: Das Geld wäre gut investiert – auch wenn der Nutzen, wie bei Vielem im Sozialbereich, schwierig messbar sei. Ein Hinweis darauf gibt jedoch ein Blick auf die Nachbargemeinden: So war in Dietikon, wo es seit 2012 wieder Schulsozialarbeit gibt, während deren Absenz von Mehrkosten die Rede und davon, dass Lehrpersonen, Schulleitungen und Schulpsychologen ihre Kernaufgaben vernachlässigen müssten. Wie der Stadtrat berichtete, mussten Beratungsstellen Überzeit leisten und Abklärungsarbeit wurde zunehmend durch akute Interventionsfälle verdrängt. Konflikte wurden öfters auf einer höheren Eskalationsstufe behandelt, was wiederum schwerwiegendere Massnahmen nötig machte. Der Stadtrat bezeichnete das Ganze als Teufelskreis.

Die Nachbarn sind begeistert

Auch in Widen und Rudolfstetten, wo eineinhalb Jahre nach Einführung der Schulsozialarbeit eine Umfrage bei Schülern, Lehrern und Schulleitungen durchgeführt wurde, war das Fazit eindeutig: Das Angebot lohne sich.