Dietikon
Schwere Zeiten: Ladeninhaber aus Dietikon kämpfen für ihre Betriebe

Die Konkurrenz der Grossverteiler machen den Kleinbetrieben in Dietikon schwer zu schaffen. Kein Grund für die Ladenbesitzer aufzugeben. Der Ladenmix aus Gross und Klein ist ihrer Meinung nach unerlässlich für eine attraktive Stadt.

Sarah Fuhrer
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Miranda Jenny betreibt zwei Papeterien. Mit viel Energie setzt sie sich für deren Überleben ein.

Miranda Jenny betreibt zwei Papeterien. Mit viel Energie setzt sie sich für deren Überleben ein.

Sarah Fuhrer

Sie ist Papeteristin mit Herz und Seele: Miranda Jenny betrieb insgesamt vier Papeterien in Dietikon, Schlieren und Altstetten. Vor zwei Jahren musste sie das Geschäft in Schlieren schliessen, im Dezember ihre Papeterie in Altstetten. «Alle sagen, es sei schön, dass es kleine Läden wie unsere noch gibt», sagt Jenny. «Aber trotzdem reicht der Umsatz nicht, um die Mieten in den Stadtzentren zu zahlen.» Viele Kunden würden inzwischen zu Grossverteilern gehen - für einen kleinen Laden wie ihren hätten diese Einbussen Konsequenzen.

Ladensterben in ganz Zürich

Viele kleinere Betriebe sind dadurch im Kanton Zürich und der ganzen Schweiz in den letzten Jahren eingegangen. «Wir sind inzwischen die einzige Papeterie zwischen Aarau und Zürich», sagt Jenny. Auch andere Kleinbetriebe in Dietikon kennen das Problem. So gibt es in der Stadt mittlerweile nur noch eine Bäckerei und eine Metzgerei. «Die Konkurrenz durch die Grossverteiler ist spürbar», sagt auch Paul Hildebrand, Inhaber der Metzgerei Hildebrand.

Deswegen aufgeben möchten aber viele Ladenbetreiber nicht. Sie kämpfen um ihre Geschäfte: Sie verlängern die Öffnungszeiten, reduzieren die Preise bis zur unteren Grenze und passen ihr Sortiment laufend an, um einen Mehrwert zu schaffen. Der Erhalt ihrer Geschäfte ist ihnen wichtig - nicht nur für sich selbst. «Der Ladenmix macht die Stadt attraktiv», sagt Jenny. Ohne die kleinen Läden werde der Stadtkern einseitig, es würden überall die gleichen grossen Ketten und Billigläden vertreten sein.

Paul Hildebrand befürchtet, dass ohne die kleinen Geschäfte das Leben in den Quartieren aussterben würde. «Ausserdem sind diese Läden ausserhalb des Stadtzentrums unerlässlich für Leute, die nicht mehr so mobil sind», so Hildebrand.

Spezialprodukte funktionieren

Damit ihre Bäckerei nicht eingeht, sind Marlies und Urs Faes von der Oberstadt-Bäckerei sogar bereit, ihre Pensionierung zu verschieben, falls bis dann kein Nachfolger gefunden ist (Limmattaler Zeitung vom 29.11.2012). «Dietikon soll nicht ohne Bäckerei sein», so Marlies Faes. «Die Leute schätzen die persönliche, freundliche Bedienung und die frische Ware.» Ihr Geschäft läuft gut, der Kundenstamm ist gross. «Am Morgen merken wir jeweils, dass viele Junge sich inzwischen ihre Gipfeli bei den Tankstellenshops holen», so Faes, «aber das sind keine grossen Einbussen.» Die Bäckerei profitiere davon, der einzige Anbieter von speziellen Torten und Backwaren zu sein.

Auch in der Papeterie M. Jenny verkaufen sich die Spezialprodukte besonders gut: «Die Leute kommen immer noch zu uns, wenn sie etwas Bestimmtes suchen, das es eben nur in richtigen und spezialisierten Papeterien gibt», sagt Jenny. Als einziger Laden in der Umgebung mit diesem Angebot laufen die Geschäfte in Dietikon gut. Allerdings weise der Trend in eine andere Richtung: «Bei den Jungen ist das Kaufverhalten anders: Sie wollen nicht mehr bedient werden und wissen oft auch gar nicht, dass es diese speziellen Papeterieprodukte gibt», sagt Jenny. Doch an dieser Entwicklung lasse sich nichts ändern. «Früher oder später ist die Zeit für spezialisierte Läden wie meinen vorbei.»

Preisdifferenz ist gering

Auch Grosskunden wie Banken und Schulen kaufen zunehmend bei den Grossverteilern ein. «Sie halten es wahrscheinlich für bequemer und trauen den kleinen Geschäften solche Bestellungen nicht zu, dabei haben auch wir einen Online-Shop», sagt Jenny. Ein anderes Argument ist der Preis. «Dabei sind die Preise inzwischen fast identisch.»

Sie rechnet nicht damit, dass der Laden nach ihrer Pensionierung noch weitergeführt werden kann. «Irgendwann geht die Rechnung nicht mehr auf: Die Eurokrise macht auch uns zu schaffen, die Waren sind um 20 bis 30 Prozent billiger geworden», sagt Jenny. «Dazu kommen die Mietpreise, die in Dietikon inzwischen fast so hoch sind wie in Zürich.» All das würden auch die grossen Geschäfte spüren, nur könnten diese wegen der grossen Mengen günstiger einkaufen und die Einbussen entsprechend besser verkraften.