Um das einstige Zentrum des Gebrauchtwagenhandels scheint es momentan schlecht bestellt. Schlierens Auto-Occasionshandel klagt über Preisabschläge auf Neuwagen und die allgemein schwierige Wirtschaftslage.

Sparsame Kundschaft

Bis Mitte letzten Jahres sei das Geschäft noch einigermassen im Lot gewesen, lässt ein Vertreter eines Autohauses in Schlieren, der anonym bleiben möchte, verlauten. Doch spätestens im Herbst hätten sich die Preissenkungen auf Neuwagen negativ auf sein Geschäft mit Gebrauchtwagen niedergeschlagen. «Je kleiner die Autos, desto kleiner die Preisunterschiede. Vor allem Kleinwagen sind zurzeit sehr günstig zu erwerben», stellt er fest.

So würden sich die Käufer eher für ein neuwertiges als gebrauchtes Fahrzeug entscheiden. Auch gebe es momentan zahlreiche Aktionen und Spezialangebote für Neuwagen. «Mit grösseren Autos macht man das bessere Geschäft», schätzt er die Lage ein, wobei er für die nahe Zukunft vor allem für kleinere und mittlere Betriebe länger anhaltende Schwierigkeiten sieht.

Ebenfalls ein düsteres Bild malt Khalil Abou Chaya vom Occasion Center Kabo in Dietikon: «Um den ganzen An- und Verkauf steht es im Moment schlecht.» Seiner Meinung nach sei die Kundschaft zurzeit sehr sparsam: «Die Leute rechnen hundert Mal, bis sie auch nur ein Rad kaufen.»

Kleinwagen im Fokus

Dass die Kunden letztes Jahr grosszügiger gewesen seien und viele Autos gekauft hätten, findet auch Eluard Abdallah von Eluard Autohandel Abdallah in Schlieren. Nebst dem im Dezember und Januar allgemein ruhiger laufenden Geschäft hätte der zeitweilig sehr tiefe Eurokurs seinem Occasionshandel erheblich zu schaffen gemacht. «Vor allem kleine Neuwagen sind billiger geworden», sagt er. «Unsere günstigeren Modelle bis 6000 Franken laufen besser als die etwas grösseren Gebrautwagen», sagt er. Dies im Gegensatz zur Strategie des Schlieremer Autohändlers, der die Zukunft eher in Grosswagen sieht.

Kleinwagen verkaufen sich auch beim Auto Discount Schlieren gut. «Vor allem die Occasionen der Preisklasse 2000 bis 8000 Franken laufen gut», lässt ein Vertreter des Autohauses wissen. Bezüglich der finanziellen Situation seines Betriebs hätte er bis jetzt, entgegen den Erfahrungen der übrigen kontaktierten Händler, keinen Rückgang im Gebrauchtwagenverkauf zu verzeichnen gehabt.

Gutes Geschäft mit alten Wagen

Dass die Preissenkungen für Neuwagen einen Rückgang im Verkauf von Occasionen zur Folge gehabt hätten, findet zwar auch Kurt Brunner vom AMV Araco Autohandelszentrum in Schlieren. Seine Situationsbeurteilung: «Betroffen ist aber vor allem der Verkauf von neueren Occasionen.» Und weiter sagt Brunner: «Wir verkaufen vor allem ältere Gebrauchtwagen. Deren Preis liegt bei uns so weit weg von dem vergünstigter Neuwagen, dass wir in diesem Segment keinen Rückgang im Verkauf haben.»

Abwarten und hoffen

Auf die kommenden Monate blicken die Händler skeptisch. «Wie es in Zukunft um den Betrieb bestellt sein wird, hängt von der Wirtschaftslage ab», meint Abou Chaya.

Abdallah weist darauf hin, dass vor allem die Entwicklung des Eurokurses ausschlaggebend für die Branche sein wird. «Die Rabattschlachten wegen des tiefen Eurokurses werden sich legen», meint Brunner trotz allem optimistisch. Die Preise für Neuwagen würden sich bald einpendeln, schätzt er und hofft wie seine Branchenkollegen das Beste: «Als Verkäufer muss man positiv denken. Das ist im Sinne des Geschäfts.»