Schweizer Luftwaffe
«Es war mir eine grosse Ehre»: Der Urdorfer Cyril Johner verlässt die PC-7-Staffel – ein letztes Mal will es der Leader aber nochmals allen zeigen

Rund elf Jahre lang war der gebürtige Urdorfer Cyril Johner Mitglied der Kunstflugstaffel PC-7 der Schweizer Armee, davon knapp fünf als Leader. Am Wochenende hebt der 38-Jährige in Luzern mit seinem Team zum letzten Mal ab.

Sven Hoti
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Will den Jüngeren Platz machen: Der 38-jährige Cyril Johner war seit 2011 Mitglied im PC-7-Team.

Will den Jüngeren Platz machen: Der 38-jährige Cyril Johner war seit 2011 Mitglied im PC-7-Team.

zvg

Auch ein Herr der Lüfte muss irgendwann auf den Boden der Tatsachen zurückkehren, das weiss Cyril Johner. Der 38-jährige gebürtige Urdorfer tritt per Ende Saison aus dem PC-7-Team der Schweizer Luftwaffe aus. Damit endet seine rund elf Jahre lange Karriere bei der Kunstflugstaffel, deren neunköpfige Mannschaft er die letzten fünf Saisons als Hauptverantwortlicher, sogenannter Turbo Uno, angeführt hatte.

«Es war mir eine grosse Ehre, diese Mannschaft anführen zu dürfen», sagt Johner. Während seiner Zeit als Leader habe das Team «einen grossen Sprung vorwärts» gemacht. Die Beliebtheit bei den Leuten sei ungebrochen gross. Man erreiche auch viele junge Leute – eine Zielgruppe, die das Team besonders ansprechen will. Aus diesem Grund erfolgte auch Johners Rücktritt:

«Nach elf Jahren im PC-7-Team ist es für mich an der Zeit, einem jüngeren F/A-18-Piloten Platz zu machen.»

Wie wichtig diese Flugshows unter anderem für künftige Militärpiloten sind, zeigt Johners eigener Werdegang. Die Vorführung eines F/A-18-Kampfflugzeuges 1998 auf dem Militärflugplatz in Emmen hinterliess einen grossen Eindruck beim damals 15-Jährigen und motivierte ihn dazu, selbst den Weg zum F/A-18-Pilot beim Schweizer Militär einzuschlagen.

Hauptberuf Kampfflugzeugpilot

Beim Militär arbeitete er hauptsächlich als F/A-18-Pilot und ist als solcher neben dem Schutz des Luftraumes für luftpolizeiliche Aufgaben zuständig. 2011 wurde er zusätzlich ins PC-7-Team der Schweizer Luftwaffe gewählt. Die Kunstfliegerei ist zwar nur eine Zusatzaufgabe, wie Johner sagt, deshalb jedoch nicht weniger bedeutend für ihn. «Es ist ein Privileg, in einem Displayteam zu fliegen.» Diese Fliegerei gebe einem sehr viel zurück.

Beim PC-7-Team könne man sich nicht einfach als Pilot oder Leader bewerben, sondern werde gewählt, erklärt Johner. Unabdingbar sei dabei das Vertrauen untereinander: «Als Leader fliegt man voraus und ist dafür zuständig, dass das Team zur richtigen Zeit am richtigen Ort und in der richtigen Formation ist. Je nach Wetter oder Topografie muss das Programm manchmal kurzfristig angepasst werden.» Auf den Schultern des Leaders lastet also – neben starken Kräften – viel Verantwortung.

Impressionen von Vorführungen des PC-7-Teams der Schweizer Luftwaffe. Bild aus dem Cockpit.
10 Bilder
Das PC-7-Team über dem Genfersee.
Das PC-7-Team über dem Greifensee.
Das PC-7-Team über dem Aletschgletscher.

Impressionen von Vorführungen des PC-7-Teams der Schweizer Luftwaffe. Bild aus dem Cockpit.

zvg/VBS

Nach Unglück an Ski-WM 2017 zum neuen Leader gewählt

Der 38-Jährige wurde im Frühling 2017 zum neuen Leader des PC-7-Teams gewählt. In diesem Jahr war die Staffel wegen eines Unfalls an der Ski-WM in St.Moritz in die Schlagzeilen geraten. Ein Flugzeug hatte bei einem Manöver eine vom Schweizer Fernsehen in der Höhe installierte Seilbahnkamera gestreift, die daraufhin zu Boden gestürzt war. Verletzt wurde niemand. Der damalige Leader der Flugstaffel musste sich vor dem Militärgericht 2 in Aarau verantworten. Im September dieses Jahres sprach es ihn frei.

Über die Gefahren seines Jobs war sich Johner stets bewusst. Angst habe er nicht, sagte er 2016 im Gespräch mit der «Limmattaler Zeitung»: «Wir Militärpiloten sind verantwortungsvolle, risikobewusste Draufgänger.»

Er werde seine Zeit als Berufspilot vermissen – vor allem die Kameradschaft untereinander. Johner:

«Wenn man es zu neunt schafft, so nahe am Boden eine solche Teamleistung abzurufen, ist das grossartig und schweisst zusammen.»

Ab 2022 beschäftigt er sich mit den neuen Kampffliegern

Nun zieht es den studierten Juristen von der Displayfliegerei vermehrt ins Büro. Johner bleibt allerdings F/A-18-Pilot beim Militär und wendet sich vermehrt juristischen Fragestellungen zu. Mit seinem Werdegang bringe er wertvolle Erfahrung mit, meint der 38-Jährige. «Es gibt nur wenige, die sowohl Know-how in der Militäraviatik als auch im rechtlichen Bereich mitbringen.»

Zudem ist Johner ab nächstem Jahr im Projektteam engagiert, das sich mit der Einführung des amerikanischen Kampffliegers F-35 – von dem der Bundesrat für voraussichtlich rund fünf Milliarden Franken 36 Stück beschaffen will – auseinandersetzen wird. Für Johner ist das ein perfekter Übergang:

«Es freut mich, dass ich die Möglichkeit erhalte, in einem nächsten, wichtigen und zukunftsträchtigen Bereich mitzuarbeiten.»

Ein letztes Mal treibt es Johner, der heute in Luzern lebt, mit seiner Mannschaft aber noch in die Lüfte: Am Wochenende fliegt er an den «Air & Space Days» beim Verkehrshaus in Luzern seine letzte Vorführung, und zwar über dem Vierwaldstättersee. Das PC-7-Team spannt dabei mit dem Super Puma Display Team der Schweizer Armee zusammen. Kombiniert ist der Anlass mit einer Ausstellung über die Aviatik im Verkehrshaus.

Flugshows an den «Air & Space Days» (15.-17. Oktober 2021)

Ort: Verkehrshaus Luzern/Lidowiese/Lido Beach House

Freitag (Training) ab 14 Uhr: PC-7-Team und Super Puma Display Team

Samstag ab 14 Uhr: PC-7-Team und Super Puma Display Team 

Sonntag ab 14 Uhr: PC-7-Team

Dauer jeweils 30 bis 40 Minuten. 

Johners Nachfolge im PC-7-Team tritt Anfang nächsten Jahres der Schaffhauser Hauptmann Andreas Menk an. Was geben Sie ihm auf den Weg, Herr Johner? «Er soll gut zu seinen ‹Bambini› schauen – und sich in der Luft immer eine zweite Variante offen halten.»

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