Schlieren

«Schweizer Kunden kennen viele unserer Produkte aus ihren Ferien»

Ediz Halil hat nur noch wenige Schweizer Produkte im Sortiment. Alex Rudolf

Ediz Halil hat nur noch wenige Schweizer Produkte im Sortiment. Alex Rudolf

Mit dem Lebensmittelladen «Red Apple» in Schlieren weist Ediz Halil den Weg in neue Geschmackswelten. Doch die Kunden sind nicht nur Muslime.

Aus den Lautsprechern ertönt türkische Popmusik, wie sie wohl auch in einer Disco in Istanbul gespielt würde. Viel Licht aus den Röhrenleuchten fällt auf die in den Regalen fein säuberlich aufgereihten Produkte, die es in der Migros oder im Coop nicht zu kaufen gibt. Bunte Verpackungen, die in Bosnisch, Türkisch, Albanisch oder Griechisch beschriftet sind, stechen dem an Schweizer Grossverteiler gewöhnten Kunden sofort ins Auge. Der Red-Apple-Shop an der Schlieremer Uitikerstrasse bietet seit anderthalb Jahren einen Ausflug in eine orientalisch geprägte Welt.

Geschäftsleiter Ediz Halil schätzt, dass in etwa 20 bis 30 Prozent seiner Kundschaft Schweizer sind: «Der Rest hat seine Wurzeln überall in der Welt.» Auch was Kunden in seinem Laden suchen, ist ihm bewusst. «Viele Schweizer, die hierher kommen, kennen gewisse Produkte aus ihren Ferien und haben gute Erinnerungen daran. Wir bieten ihnen gewissermassen Ferienstimmung hier in der Schweiz», sagt er mit einem gewissen Stolz in der Stimme. Vor allem Baklava, die nahrhafte Süssspeise, die in der Türkei, Griechenland und dem Balkan als Nachtisch serviert wird, hat es den Schweizern angetan. Der hauseigene Red-Apple-Bäcker bereitet diese frisch und vor den Augen der Kunden hinter einer Glastheke im Ladenlokal zu. «Hier in der Schweiz sind frisch gebackene Baklava sehr schwierig zu finden», so Halil.

«Bei mir gibt es jeden Fetakäse»

Eine blonde Frau Ende dreissig steht vor der Gemüseauslage vor dem Geschäft und packt sich drei Äpfel in einen Plastiksack. Die Schlieremerin wohnt in der Nähe und schätzt vor allem das frische Gemüse und die langen Öffnungszeiten, von Montag bis Samstag hat Red Apple bis 21.30 Uhr, am Sonntag bis 19 Uhr geöffnet. «Ich mag aber auch das Pide-Brot und den freundlichen Umgang, den man hier mit den Kunden pflegt», sagt sie. Eine andere Frau steht an der Kasse, um zu bezahlen. Sie sei eine Stammkundin. Die Schweizerin mit Wurzeln im Sudan findet hier auch Produkte, die sie an Nordafrika erinnern: «Das Brot ist vergleichbar mit demjenigen, welches im Sudan verkauft wird», sagt sie. Auch sie findet hier ein Stück Heimat. Sie legt dem Kassier das Kleingeld in die Hand und packt ihre Einkäufe in einen Stoffbeutel: «Bis zum nächsten Mal, schönen Abend.»

Im Hinteren Bereich des Ladenlokals an der Fleischtheke zeigen sich die kleinen aber feinen Kulturunterschiede zwischen muslimisch und christlich geprägten Essgewohnheiten. So bietet Red Apple auch Halal-Fleisch zum Verkauf. Dieses zeichnet sich dadurch aus, dass das Tier vor dem Entblutungsschnitt nicht betäubt wurde. Obwohl dieses Verfahren in der Schweiz nicht erlaubt ist, handelt es sich um Schweizer Fleisch. Denn der Zulieferer Sila aus Buckten betäubt die Tiere via Elektroschock. So gehen türkische Adana-Hackfleisch-Spiesse, Köfte und die gegrillten Hackfleischröllchen Ćevapčići, die in Bosnien, Serbien und Kroatien als Nationalgericht gelten, über die Theke.

Fester Bestandteil des Zentrums

Ganz zu Beginn versuchte Halil, auch typisch schweizerische Produkte an seine Kunden zu bringen. Schokolade von Frey oder Markenkäse fanden bei ihm jedoch keine Käufer. Der Grund: «Wir als kleiner Laden können mit den Preisen, die Grossverteiler für solche Produkte verlangen, nicht mithalten», sagt Halil. So wurden mit der Zeit einige Schweizer Produkte aus dem Sortiment genommen. Dem Kunden eröffnet sich bei der gekühlten Auslage für Milchprodukte eine Tour in den Nahen Osten. «Bei mir findest du fast jede Sorte Feta- oder Kashkaval-Käse, die es zu kaufen gibt», sagt Halil.

Trägt Halil mit seinem Lebensmittelladen zur Völkerverständigung zwischen christlichen Schweizern und Moslems bei? «Ich denke schon», sagt er wie aus der Pistole geschossen. Es komme vor, dass Menschen mit Vorurteilen seinen Laden betreten würden. «Ich habe das Gefühl, dass diese dann oft überrascht sind, ob unserer Produktepalette und der Sauberkeit in unserem Geschäft», sagt er. Zwar gebe es seinen Laden erst seit gut anderthalb Jahren, trotzdem sei er überzeugt, dass er bereits ein fester Bestandteil des Schlieremer Stadtzentrums ist.

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