Untersuchung

Schweizer Curling-Skandal: Das sagt der betroffene Spieler vom Curling-Club Limmattal

Bleibt besonnen: der Urdorfer Curler Mario Freiberger. «Für uns ändert sich nicht viel», sagt er. Archiv/Uwe Zinke

Bleibt besonnen: der Urdorfer Curler Mario Freiberger. «Für uns ändert sich nicht viel», sagt er. Archiv/Uwe Zinke

Der Urdorfer Mario Freiberger vom Curling-Club Limmattal nimmt es gelassen, dass er womöglich vom Glarner Gegner Martin Rios betrogen wurde.

Letzten Freitag spielte sich in Biel an der Schweizer Meisterschaft im Mixed-Doppel-Curling eine heikle Szene ab: Als Martin Rios vom CC Glarus einen Stein wischte, machte dieser kurz vor dem Ende eine auffällige, für Rios äusserst günstige Richtungsänderung.

Rios und seine Spielpartnerin Jenny Perret siegten schliesslich im Vorrundenspiel gegen Mario Freiberger und Michèle Jäggi vom CC Limmattal. Nachher holten sie Gold und qualifizierten sich so für die Weltmeisterschaft 2017. Freiberger und Jäggi mussten sich mit Bronze begnügen.

Auf mehreren Videos aus verschiedenen Perspektiven entsteht der Eindruck, dass Rios dem Stein die Richtungsänderung mit seinem linken Fuss gab. Der Verband Swiss Curling hat dem Reglement entsprechend einen Rekurs der Limmattaler gegen das Spielresultat abgewiesen, genauso wie das Angebot der Glarner, das Spiel forfait zugunsten der Limmattaler zu werten. Aber der Verband hat eine weitere Untersuchung eingeleitet.

Streit um Fairness in vollem Gang

Nachdem der Fall gestern öffentlich wurde, ist eines der Videos, das ein Curling-Fan noch am Samstag auf Facebook stellte, bereits über zehntausend Mal angeschaut worden. Zudem ist eine Diskussion um den Spirit of Curling entbrannt, der alle Spieler unter anderem zu fairem Spiel und höchsten Respekt vor dem Gegner verpflichtet. Bei den Diskussionen geht es aber nicht nur um den mutmasslichen Stein-Kick von Rios: Seine Anhänger empfinden es als fiese Attacke gegen Rios, dass die Videos überhaupt auf Facebook geraten sind.

«Bin schon etwas verwundert»

Sicher den Spirit of Curling eingehalten haben Michèle Jäggi und Mario Freiberger vom CC Limmattal. Freiberger ist in Urdorf aufgewachsen und wohnt heute in Zürich. Der 29-Jährige spielt Curling, seit er sieben Jahre alt ist und sieht die Sache gelassen: «Ich bin schon etwas verwundert, wie hohe Wellen das jetzt wirft. Aber für uns ändert sich eigentlich nicht viel.» Der Grund: «Ein Forfait-Sieg für uns im Nachhinein wäre nicht richtig. Das ist wie im Fussball, wenn im Nachhinein auf Video eine Tätlichkeit aufgedeckt wird. Der entsprechende Spieler könnte nachträglich bestraft werden, doch an der Spielwertung ändert das nichts.»

Zum Vorfall selber sagt Freiberger: «Warten wir das Ergebnis der Untersuchung ab. Ich wurde auch schon befragt.» Freiberger hält fest, dass es bei der ganzen Sache nicht um ihn und Jäggi, sondern lediglich um Rios und dessen mutmassliches Foul respektive die allfälligen Konsequenzen gehe. Freiberger sagt aber auch: «Solche nachträglichen Diskussionen, über ein gespieltes Spiel oder einen gespielten Stein, sind im Curling doch eher selten.»

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