Urdorf
Schweizer Bartmeisterschaft: Welche Frau steht auf solchen Haarwuchs?

Am Urdorffäscht wurde auch die Internationale Schweizer Bartmeisterschaft ausgetragen. Die Jury achtet in den 18 Wettkampf-Kategorien auf Wuchs, Originalität und ästhetische Angemessenheit. Welcher Frau gefällt das?

Ly Vuong
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Auf gehts zur offenen internationalen Schweizer Bart-Meisterschaft.
20 Bilder
Der Urdorfer Thomas Grob trat in der Kategorie Kinnbart Freestyle an.
Die Nummer 1 in der Kategorie Vollbart Freestyle
Ein kunstvoll gepflegter Bart
Kategorie Vollbart Freestyle
Kategorie Vollbart
Backenbart Freestyle Sieger posieren fuer die Kamera.
Backenbart Kaiserlich Sieger Karl-Heinz Hille.
Bei Kinnbart Freestyle ist die Konkurrenz gross mit 9 Mitstreitern.
Die Jury ist sich einig - das muss der Sieger sein.
Die Teilnehmer gratulieren sich gegenseitig.
Dieser Teilnehmer versucht mit Humor zu punkten.
Eher juengere Teilnehmer bei der Kategorie Trendbart Freestyle.
Eindeutiger Sieger bei Schnauzer Kaiserlich Eugen Hipp erhaelt Glueckwunsch vom Kollegen.
«Schnauz kaiserlich» oder «Kinnbart Chinese»
Marijan Vidakovic aus Deutschland macht bei der Kategorie Kinnbart Freestyle mit.
Moderator Willi Preuss vom Ostbayrischen Schnauz- und Bartclub fuehrt mit viel Humor durch den Wettkampf.
Musketier mit Maskottchen
Organisator und Präsident des Schnauz- und Bartclubs Urdorf Heinz Josef Wissmann hält eine kurze Begrüssungsrede.
Styling in letzter Minute

Auf gehts zur offenen internationalen Schweizer Bart-Meisterschaft.

Christian Murer/Ly Vuong

Hohe Konzentration wird an der Internationalen Schweizer Bartmeisterschaft von der siebenköpfigen Urdorfer Jury erwartet. Fast alle Kampfrichter sind Coiffeusen und kennen sich mit Haaren aus. Es gibt Benotungsregeln vom Verband Deutscher Bärte. Eine davon ist, dass die Juroren sich nicht absprechen dürfen. Bei engen Entscheiden blicken die Jurorinnen auch mal mit zusammengekniffenen Augen auf den Bart der Bewerber.

Einige Teilnehmer versuchen sogar mit Sympathie zu punkten, indem sie der Jury mit Smalltalk ein Lachen entlocken. Die meisten aber versuchen ohne Worte, ihre Einzelrunde möglichst vorteilhaft zu absolvieren. Das übergreifende Kriterium bei allen 18 Wettkampf-Kategorien ist die Gepflegtheit. Bei den Vollbärten wird auf vollen Wuchs, bei Freestyle auf Originalität und bei Backenbart auf ästhetische Angemessenheit geachtet.

Die Schönheitsideale in den Köpfen der Jury und des Publikums scheinen in den meisten Fällen übereinzustimmen. Von zustimmendem Raunen steigert sich das Publikum ins Pfeifen. Je eindeutiger und besser die Wertung, desto lauter der Applaus. Und im Fall von Kopf-an-Kopf-Rennen wird die Spannung fast greifbar. «Ich bin meistens einverstanden mit der Jury», sagt die aus Saarbrücken angereiste Friseurin Karen Gundelwein, die mit ihrer Urdorfer Sitznachbarin Ramona Kloser versucht, vorauszusehen, wer das Rennen machen wird.

Die 58-jährige Singlefrau Kloser verrät noch, dass sie vor allem auf Männer mit langem, urchigem Vollbart stehe. Bei der Kategorie «Vollbart Naturale» kommt sie voll auf ihre Kosten. Die Teilnehmer dieser Kategorie erinnern dabei an den Samichlaus oder den «It’s cool man»-Werbemann aus den 90er-Jahren.

Gatten ohne Bart nicht erkannt

Tatsächlich finden sich einige Frauen im Publikum, die auf Bartwuchs stehen. Sie habe sich so sehr an den wie fliegende Pagodendächer gestylten Kinnbart ihres Mannes Marijan gewöhnt, dass sie ihn kaum mehr wiedererkannt habe, als er vor sieben Jahren nach einem Kieferbruch ohne Bart im Spital gelegen habe, erzählt etwa Renate Vidakovic. Die wundersame Verwandlung von Bartträgern kennt auch Zuschauerin Monika Descombes. Sie habe ihren Mann mit Bart kennen gelernt. Als er die Gesichtsbehaarung wegrasiert habe, sei es ihr vorgekommen als hätte sie einen neuen Mann, sagt sie verschmitzt.

Kostüme als Vor- und Nachteil

«Ui, der hat schöne Zoccoli-Schuhe an», kommentiert Ursula Tschudin bei der Kategorie «Schnauz Kaiserlich», in der die Teilnehmer in bayrischen Trachten auftreten. Dabei darf sich die Jury aber nicht von der Kleidung der einzelnen Teilnehmer ablenken lassen. Trotzdem diskutiert Martin Trendle mit seinen Kollegen vom Schnauz- und Bartclub Rheintal über die Kostüme. Es sei nicht schlau, bei einem weissen Bart, ein weisses Hemd zu tragen. Bei gleich schönem Bart komme nämlich die Kleidung dann doch zum Tragen, findet Trendle. Die Kostüme lassen vor allem während der Wettkämpfe der Kategorien «Kinnbart Musketier», «Schnauzer Dalí» oder «Kinnbart Chinese» das Urdorfer Festzelt wie ein Filmset wirken.

Der Wettbewerb bot dem Publikum beste Unterhaltung. «Ich bin sehr zufrieden mit der Meisterschaft und habe mich gefreut, meine bärtigen Freunde wiederzusehen», sagt der Organisator und Präsident des Schnauz- und Bartclubs Urdorf, Heinz Josef Wissmann: Die Teilnehmer aus Deutschland, Italien, Frankreich und der Schweiz sind mittlerweile schon fast eine Familie.