An der Oberdorfstrasse in Dietikon sucht man vergebens nach dem «Klubi Kulturor Shqiptar», dem albanischen Kulturverein, obwohl auf Facebook noch so angepriesen. Im März ging das Lokal an einen Türken über, der nun die 100 Mitglieder des «Anatolia Kulturvereins», darunter zwei Frauen, täglich wilkommen heisst. «Hier finden verschiedene Kulturen zusammen», sagt der Inhaber, Aktosun Emfaa.

Auch Albaner aus Mazedonien, die dem multikulturellen Lokal treu geblieben sind. Sie kommen zum Spielen, Diskutieren, und um sich das Fussballspiel Albanien-Schweiz anzuschauen. Fast alle stammen sie aus Vrapciste, einem 4500-Seelen-Ort nahe der albanischen Grenze. Im Herzen Albaner, besitzen sie, wie die meisten der 25 Prozent Albaner in Mazedonien, einen mazedonischen Pass.

Die Luft ist zum Schneiden dick mit Rauchschwaden durchzogen. Am ersten Tisch sitzt Abdulai, 38, mit drei Freunden. Der mazedonische Albaner lässt sich nur ungern vom Spielen und Rauchen abhalten, schielt ab und zu auf einen der zwei Flachbildschirm, der vor und hinter ihm Albanien-Schweiz überträgt. Das Fussballspiel ist Nebensache.

«Wenn, dann schaue ich nationale Liga oder Champions League», sagt Abdulai, während er blitzschnell mit den Spielsteinen hantiert. Dies, obwohl auf Schweizer Seite zu Spielschluss vier Albanischstämmige auf dem Platz stehen.

«Ich bin beides, Schweizer und Albaner», sagt Abdulai. «Ich finde es gut, dass in der Schweiz so viele ursprüngliche Albaner mitspielen.» Bei den Albanern ist Kapitän Cana der Lieblingsspieler, Shaqiri heisst sein Liebling auf Schweizer Seite. Der Liebste sei für ihn immer der Beste, so Abdulai. «Jetzt musst du schauen, jetzt mache ich gleich ein Tor», sagt sein Kollege zur Rechten, und kehrt seine Rummy-Spielsteine um, um seinen Sieg anzuzeigen.

Einen Tisch nebenan ist das Interesse für Fussball schon grösser. Doch es interessiert eher das Spiel Türkei – Estland. Sehsuvar, 53, kam vor 22 Jahren aus dem mazedonischen Vrapciste in der Schweiz. Auch er ist Albaner. In dem Moment, als er nach seinem Lieblingsspieler gefragt wird, fällt das Eins-zu-Null für die Schweiz: «Klar, Shaqiri, ein Albaner hat getroffen.» Die Freude über das Tor bleibt mehr als verhalten, während die Türken am Nebentisch das gleichzeitig erzielte Zwei-zu-Null ihrer Mannschaft lauthals bejubeln.

«Schweiz gegen Albanien, das ist eigentlich ein Freundschaftsspiel, weisst du»; witzelt Sehsuvar, in Anspielung auf die starke albanischstämmige Franktion in der Schweizer Nati. «Albanien gegen Kosovo.» Bis jetzt habe ihn kein Spieler enttäuscht. «Beide Seiten haben gute Spieler. Es wäre super, wenn einige anstatt für die Schweiz für Albanien spielen würden», findet Sehsuvar.«Viele gute Spieler, zum Beispiel Kroaten, sind in der Schweiz aufgewachsen und dann nach Kroatien zurückgekehrt.» Trotzdem unterstützt Sehsuvar die Schweiz: «Die Albaner haben doch keine Chance, wenn man den Punktestand ansieht.» Das Spiel der Türkei sei viel interessanter, finden seine Tischnachbarn.