Dietikon
Schwebend zum Bruno-Weber-Park: Zwei Seilbahnen könnten Verkehr entlasten

Gleich zwei Seilbahnen könnten in ferner Zukunft die Verkehrsprobleme von Dietikon mildern.

Alex Rudolf
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Nicht nur wie hier anlässlich der Weltausstellung in Lissabon sollen Hoch- oder Seilbahnen Verkehrsprobleme lösen
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Die Städteseilbahnen
In Baden wird derzeit eine Verbindung zwischen Bäderquartier und Bahnhof geprüft
Auch zwischen dem Zoo Zürich und dem Bahnhof Stettbach soll eine Seilbahn-Verbindung entstehen
Während der Landesausstellung 1939 gab es bereits eine Verbindung zwischen Tiefenbrunnen und Enge eine solche Seilbahn wurde im März in den kantonalen Richtplan aufgenommen

Nicht nur wie hier anlässlich der Weltausstellung in Lissabon sollen Hoch- oder Seilbahnen Verkehrsprobleme lösen

ZVG

Zweifelsohne handelt es sich um eine schöne Vorstellung: Anstatt im Stau zu stecken, könnte man hoch über den verstopften Strassen durch das Limmattal schweben. Tatsächlich gibt es in der Region Pläne, wie in ferner Zukunft Seilbahnen Teil des Verkehrsnetzes sein könnten. So ist im Masterplan des grössten Entwicklungsgebiets des Kantons Zürich, dem Niderfeld im Westen Dietikons, vorgesehen, die dereinstige Haltestelle der Limmattalbahn und die mögliche S-Bahn-Haltestelle Silbern auf der anderen Seite des SBB-Gleisfelds mittels einer Seilbahn zu verbinden.

Eine Machbarkeitsabklärung habe gezeigt, dass dies eine sinnvolle Lösung sei, wie Jürg Bösch, Leiter des Dietiker Stadtplanungsamts, sagt. «Seilbahnen sind einerseits für die Nutzer etwas Spezielles, andererseits sind sie auch sehr effizient, da sie führerlos betrieben werden können», so Bösch. Alternativ eine Busverbindung zwischen den beiden Quartieren zu erstellen, sei aufgrund der stark beanspruchten Strassen und der sich daraus ergebenden Verlustzeiten nicht optimal.

Vorgesehen sei nicht etwa eine herkömmliche Luftseilbahn, sondern eine sogenannte Standeilbahn mit eigenem Trassee, wie Bösch sagt. Dies, damit die Nutzer bei einem allfälligen Brand auf dem Rangierbahnhof von unten besser geschützt seien.

Seilbahn abhängig von S-Bahnhof

Doch gebe es einige Herausforderungen: «Sicherheitsfragen bezüglich des Güterbahnhofs – der Bau müsste während vollständigem Betrieb erfolgen – bedürfen noch detaillierter Klärung», sagt er weiter. Ein Zeitplan liegt noch nicht vor. Denn: «Die Realisierung dieser Seilbahn hängt davon ab, wann der S-Bahnhof Silbern auch tatsächlich erstellt wird», so Bösch. Dies ist derzeit noch offen.

Doch nicht nur im Tal könnte eine Seilbahn die Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr verbessern. Auch der 2011 verstorbene Künstler Bruno Weber sah bereits Potenzial für einen Luftweg zu seinem Park an der Grenze zwischen Dietikon und Spreitenbach. Zwar ist die Hochbahn im «Konzept 3.7.21», das die geplante Entwicklung und Sanierung sowie den Ausbau des Parks in den kommenden 21 Jahren aufzeigt, nicht enthalten.

In ferner Zukunft sei es jedoch denkbar, diese Idee aufzunehmen, wie Isabelle Cart, Präsidentin des Stiftungsrats, auf Anfrage sagt. So sei die Erschliessung der Anlage eines der grösseren Probleme. «Zwar wird der eher steile Zugangsweg saniert, doch wäre eine Seilbahn für die Besucher ein attraktiver Zugang für Alt und Jung», sagt sie. Dies ist auch in den Skizzen des Künstlers (siehe Bild) ersichtlich: «Die Pläne von Bruno Weber sind sehr verspielt. Die Waggons der Hochbahn stellen verschiedene Tiere dar, welche die Fahrt sicherlich zum Erlebnis machen würden», sagt sie.

Ob eine solche Seilbahn aber jemals erstellt werde, sei noch gänzlich offen, da dies in Abhängigkeit von vielen Faktoren stehe. «Nicht nur die finanzielle Situation des Bruno-Weber-Parks, auch die Bereitschaft der Städte und Anwohner würde hier eine grosse Rolle spielen», so Cart.

Die Städteseilbahnen

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Bruno Weber Stiftung

Pläne von Zürich bis Baden

Seilbahnen kommen zurzeit auch andernorts auf das politische Parkett und werden als Lösung zur Entspannung der Engpässe im öffentlichen Verkehr betrachtet. Gar von einer wahren «Seilbahn-Euphorie» schrieb die «NZZ» im vergangenen März. Damals wurde bekannt, dass die vorberatende Gemeinderatskommission mehrere Seilbahnlinien im regionalen Richtplan festschreiben will. Das Stadtparlament sah dies auch so und setzte eine Seilbahn-Verbindung zwischen dem Bahnhof Altstetten und dem Campus ETH Hönggerberg fest, wie auch eine Fortsetzung bestehende Seilbahn Rigiblick bis zum Stampfenbachplatz. Am aufsehenerregendsten dürfte aber der Eintrag einer Luftverbindung zwischen den Bahnhöfen Wollishofen und Tiefenbrunnen sein und von dort weiter bis zum Balgrist.

Zudem reichten im vergangenen Februar zwei Kantonsräte ein Postulat ein, das den Regierungsrat zur Prüfung einer Seilbahn zwischen dem Hochschulquartier und dem Hauptbahnhof auffordert. Für Kantonsrat Jones Erni (SP, Wädenswil) ist dies eine preiswerte Lösung. Denn: Wegen der Steigung könne auf den Bau eines Mastes verzichtet werden, für den Betrieb brauche es nur sehr wenig Personal und trotzdem könnten viele Menschen transportiert werden.

Weiter fortgeschritten ist das Zoo-Seilbahn-Projekt: Demnach soll der Zoo Zürich an den Bahnhof Stettbach angeschlossen werden. Wegen Einsprachen verzögert sich das 17-Millionen-Projekt jedoch. Der Zoo rechnet, damit das die Bahn im Jahr 2022 fährt.

Auch in Baden wird der Wunsch nach einer Seilbahn laut. Dort bestehen Pläne für eine Verbindung des Bäderquartiers mit dem Bahnhof. Diese würden derzeit vertieft abgeklärt, wie die Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen im Mai bekanntgaben.