Dietikon
Schwarzer Peter betreffend Mietschulhaus macht die Runde

Der Stadtrat sagt, sie seien mit der Option Stockwerkeigentum abgeblitzt. Betroffene bestreiten das - sie hätten von der Stadt nie eine Anfrage erhalten, doch: «Wenn der Stadtrat das wünscht, dann reden wir über die Option Stockwerkeigentum.»

Katja Landolt
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Im Gebiet Limmatfeld sollte ein Mietschulhaus zu stehen kommen - dies werde abgelehnt.

Im Gebiet Limmatfeld sollte ein Mietschulhaus zu stehen kommen - dies werde abgelehnt.

zvg

Die Abstimmung zum Mietschulhaus Limmatfeld ist Geschichte - jetzt gilt es, die Ärmel hochzukrempeln und schleunigst nach einer Alternative zu suchen. Laut Schulvorstand Jean-Pierre Balbiani werde derzeit in alle Richtungen nach Möglichkeiten gesucht. Bei der naheliegendsten aber - der Option Stockwerkeigentum - tauchen nun Ungereimtheiten auf: Während Balbiani sagt, der mögliche Kauf des Schulhauses sei immer abgelehnt worden, kontern die Betroffenen, sie hätten von der Stadt nie eine entsprechende Anfrage erhalten.

«Immer rigoros abgelehnt»

Laut Schulvorstand Balbiani haben die Entwickler des Limmatfelds, die Halter AG, und die Grundeigentümer, die Anlagestiftung Turidomus, den Verkauf des Schulhauses an die Stadt bislang immer rigoros abgelehnt (siehe «Nachgefragt»). «Noch am Donnerstag letzter Woche aber hat uns Halter gesagt, dass das nicht infrage käme», sagte Balbiani am Sonntag nach der Abstimmung.

Parteien: Sie wollen Taten sehen

68 Prozent Nein-Stimmen: Das Ergebnis überrascht selbst die Gegner des Mietschulhauses: Ein solch deutlicher Entscheid sei nicht unbedingt zu erwarten gewesen, schreibt die AL in ihrer Mitteilung. «Es enttäuscht, dass der Stadtrat offensichtlich keine Strategie nach dem nicht überraschenden Nein zu seiner Vorlage bereit hat.» Die SP hält fest, dass der «Stadtrat und die Mehrheit des Gemeinderats in dieser Frage total an der Dietiker Bevölkerung vorbeipolitisiert» habe. Es gelte nun, mit aller Vehemenz die Planung eines neuen Schulhauses im Eigentum der Stadt voranzutreiben. «Wir erwarten vom Stadtrat, dass er nun seine Aufgabe wahrnimmt und möglichst bald ein neues Projekt vorlegt.» Die Grünen meinen, ein Versteifen auf Bisheriges sei der falsche Ansatz zur Lösung der Blockade. «Ein Evaluieren von Möglichkeiten auf gemeindeeigenem Land ist daher zwingend.» Die SVP will all jene in die Pflicht nehmen, die während des Abstimmungskampfs behauptet haben, es stehe Land zum Verkauf und man könne innerhalb kurzer Zeit ein Schulhaus für weniger als 20 Millionen Franken planen und realisieren. «Die SVP wird dem Bau eines eigenen Schulhauses und dem Volkswillen nicht im Wege stehen, allerdings wird sie sich gegen Projekte wehren, die den Finanzhaushalt der Stadt mittel- und langfristig vollends auf den Kopf stellen», so die Ortspartei. Die CVP verlangt vom Stadtrat und insbesondere dem Schulpräsidenten, möglichst rasch gangbare Alternativen aufzuzeigen und mit diesen das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen. «Die CVP Dietikon wird diesen Prozess kritisch begleiten», so die Partei in ihrer Mitteilung weiter. Dies sei man den Schulkindern und ihren Eltern gegenüber schuldig. (ksc)

Konfrontiert mit dieser Aussage, bestreitet Markus Mettler, CEO der Halter AG, dies: «Wir haben mit dem Stadtrat nie ernsthaft über Stockwerkeigentum gesprochen, da eine Mietlösung von allen Seiten immer als mehrheitsfähig betrachtet wurde.» Bis kurz vor Eingabe des Bauprojekts im März 2012 sei noch unklar gewesen, ob sich die Stadt bezüglich Schulraum im Limmatfeld engagieren wolle, und wenn ja, ob mit einem oder zwei Klassenzügen. Zu diesem Zeitpunkt sei man jedoch bereits mit dem Investor in Verhandlungen für das Mietobjekt Weidenhof gestanden.

Zu Gesprächen bereit

Man habe vonseiten der Halter AG bei der Projektentwicklung ab Anfang 2011 bewusst Raum geschaffen, um ein Schulhaus integrieren zu können. «Deshalb wurde das Gebäude so konzipiert, dass es sowohl einen Schulbetrieb mit einem oder zwei Klassenzügen als auch alternative Nutzungen aufnehmen kann», so die Mitteilung der Halter AG. Mettler ist aber zu Gesprächen bereit: «Wenn der Stadtrat das wünscht, dann reden wir über die Option Stockwerkeigentum.»

Ähnlich tönt es bei der Immobilien-Anlagestiftung Turidomus, der designierten Eigentümerin des Weidenhofs: «Wir haben bisher keinen Kontakt mit der Stadt und dem Schulvorstand gehabt. Weder wurde vom Stadtrat eine entsprechende Anfrage für Stockwerkeigentum platziert, noch wurde von unserer Seite her eine ablehnende Aussage gemacht», sagt Michel Schneider, Portfoliomanager der Anlagestiftung Turidomus, auf Anfrage. Man sei sehr wohl offen für eine Lösung mit Stockwerkeigentum.

Balbiani war gestern für eine Stellungnahme zu den Aussagen der Halter AG und der Anlagestiftung Turidomus nicht mehr erreichbar.

Die weiteren Optionen für Schulhaus-Alternativen

Errichten von Provisorien: «Provisorien sind zwangsläufig nötig», sagt Schulvorstand Balbiani, das Verteilen der Schüler auf andere Schuleinheiten sei zu schwierig. Die offene Frage sei aber der Standort für die Provisorien. Erste Gespräche würden laut Balbiani aber noch diese Woche geführt.
Auf das Angebot von Architekt und Gemeinderat Lucas Neff (Grüne), der an der Podiumsdiskussion vom 15. November angeboten hatte, innert Jahresfrist für sieben Millionen Pavillons mit zwölf Schulräumen in der Allmend zu bauen, will Balbiani nicht separat eingehen. «Wenn wir die Containersiedlung erstellen, werden wir das Projekt öffentlich ausschreiben», so Balbiani.
• Ausbau der Schuleinheit Wolfsmatt: Der Ausbau und die Renovation der Schuleinheit Wolfsmatt ist in der Schulraumplanung festgelegt. Der Stadtrat muss nun laut Balbiani prüfen (siehe «Nachgefragt»), ob der Ausbau grosszügiger ausfallen wird, um zusätzliche Schüler aufzunehmen.
• Standort Stierenmatt: Das stadteigene Grundstück in der Stierenmatt war im Abstimmungskampf die meistgenannte Alternative für einen Schulhausstandort. Laut Balbiani steht es aber nach wie vor nicht als Option zur Verfügung. Die Gründe sind hinlänglich bekannt: der hängige Rekurs gegen den Gestaltungsplan; der Werkhof, der heute seinen Standort auf dem Areal hat und umplatziert werden müsste; die Baurechtsverträge mit langjährigen Laufzeiten, die bei einer vorzeitigen Kündigung hohe Schadenersatzzahlungen nach sich ziehen würden. (ksc)