Birmensdorf
Schwarzer Humor und blutige Details - Krimiliebhaber freuts

Mitra Devi bot am Mittwochabend mörderische Unterhaltung mit ihren neuen gruseligen Kurzgeschichten. Dabei verriet die Zürcher Schriftstellerin sogar, wie ihre Krimis entstehen.

Anina Gepp
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Das Storyboard hilft der Autorin, den Überblick zu behalten.

Das Storyboard hilft der Autorin, den Überblick zu behalten.

Anina Gepp

Wie es sich anfühlt, in einer Jauchengrube zu verenden oder im Gefrierfach das Zeitliche zu segnen, darüber will wohl niemand so genau nachdenken. Mitra Devi hingegen verewigt solche Passagen gerne und detailreich in ihren Büchern. «Der Teufelsangler» ist bereits der dritte Band an mörderischen Kurzgeschichten, den die Zürcherin herausgibt. In der Birmensdorfer Bibliothek stellte sie ihre neuen Schauergeschichten den anwesenden Krimiliebhabern persönlich vor.

Die Schriftstellerin las mit ruhiger, tiefer Stimme, das Publikum verstummte bald und hörte gebannt zu. Nur zwischendurch huschte ein Schmunzeln über das eine oder andere Gesicht. Devis Geschichten sind nicht nur zum Gruseln, sondern überzeugen ebenfalls durch Humor – wenn auch mit schwarzem. Dank der bildhaften Sprache und der Schilderung kleiner Details über die handelnden Personen fühlt man sich als Zuhörer sofort ins Geschehen involviert.

«In meinen Kurzkrimis kommen viele Mörder ungeschoren davon», sagte Devi. In einem Roman mit 300 Seiten hingegen sei es ihr wichtig, dass es eine gewisse Gerechtigkeit gebe. Da müssten alle Fakten stimmen. «Deshalb geht es manchmal mit mir durch, wenn ich meine Kurzgeschichten schreibe. Da kann ich mich richtig ausleben.»

In einem Jahr ein Buch

In Birmensdorf las Devi ebenfalls das erste Kapitel aus ihrem neusten Nora Tabani-Roman. Es ist mittlerweile bereits der fünfte und trägt den Titel «Der Blutsfeind». Anhand dieses Krimis brachte die 50-Jährige dem Publikum näher, wie sie bei der Entstehung eines neuen Buches vorgeht. Sie zückte ein meterlanges Stück Papier, das von oben bis unten vollgekritzelt ist mit Notizen. «Das ist mein Storyboard», sagte Devi und erklärte, dass es sich dabei um eine Grobübersicht über ihren Roman handle. In einzelne Kapitel unterteilt, wirkt die Auflistung strukturiert und Devi schafft es, den Überblick zu behalten. «Es ist schliesslich nicht so, als wüsste ich erst auf den letzten Seiten, wer denn nun der Mörder ist», sagte sie und lachte. Das Storyboard hänge während der ganzen Schreibphase neben ihrem Computer.

Devi ist eine Schnellschreiberin, wie sie von sich selbst sagt. Gerade einmal zwei Wochen dauere es, bis sie die Kapitelübersicht fertiggestellt habe. In weiteren drei Monaten erfolge das Schreiben einer Erstfassung und in den danach folgenden zwei Monaten der Feinschliff. «So schaffe ich es, in einem Jahr ein Buch zu schreiben», so Devi.

Neben der Schreibarbeit gehört jedoch auch viel Recherche dazu, bis ein Buch fertiggestellt ist. Für den Roman «Der Blutsfeind» stand Devi in engem Kontakt zu Judith Hödel, Mediensprecherin der Stadtpolizei Zürich. Sie gab ihr Auskunft über die Spezialeinheit Skorpion. «Wie sind die bewaffnet und was machen sie, wenn eine Geisel gefährdet ist? Solche und ähnliche Fragen durfte ich ihr stellen», so Devi. Auch besuchte die Autorin einen Waffenhändler, um sich dort über Schusstechniken und verschiedene Waffen zu informieren.

Die Zukunft ist offen

«Der Abend war packend, fesselnd und interessant. Mitra Devi hat sehr angenehm gelesen und uns einen Einblick in die Entstehung ihres neusten Romans gegeben», sagte Bibliotheksleiterin Susi Häni nach der Lesung. Ob Devi jedoch noch einen weiteren Nora Tabani-Roman herausgeben wird, ist derzeit unklar. «Der Mord ist aufgeklärt. Ich weiss noch nicht, ob und wie es an dieser Stelle weitergeht», so Devi.