Urdorf

Schulweg lieber zu Fuss: Elterntaxis können Kinder gefährden

Wie empfohlen: Kinder machen sich zu Fuss auf den Heimweg.

Wie empfohlen: Kinder machen sich zu Fuss auf den Heimweg.

Viele Eltern holen ihre Kinder mit dem Auto von der Schule ab. Das führt zu Chaos und gefährlichen Situationen auf der Strasse vor der Schule. Polizei und Schule plädieren für den Schulweg zu Fuss – er sei Erlebnis und Übungsfeld für die Kleinen.

Die Glocke läutet, der Chindsgi ist zu Ende und die Kinder haben Hunger. Sobald sich die Türe des Kindergartens öffnet, strömt eine lärmende Menge ins Freie. Einige Kinder mit Leuchtstreifen rennen unverzüglich die Steintreppe zur Strasse hinauf. Oben auf dem Trottoir warten die Mamis, manche davon im Auto. In der Parkverbotszone brummen die Motoren, Türen gehen auf und werden zugeschlagen, Kinder quetschen sich zwischen den wartenden Autos hindurch und überqueren rennend die Strasse.

So schildert Kindergärtnerin Heidi Bucher die unübersichtlichen Szenen, wie sie sich morgens und mittags vor dem Kindergarten Schulstrasse oftmals abspielen.

Öffentliche Parkplätze gegenüber

Bucher sorgt sich um die Sicherheit ihrer Schützlinge: «Die Kindergärtler sind noch klein. Wenn sie zwischen den parkenden Autos hindurchrennen, sind sie kaum zu sehen.» Wachtmeister Johannes Lanz von der Stadtpolizei Schlieren/Urdorf stuft die Gefahr ähnlich hoch ein: «Die Kinder rennen los, wenn sie den Vater oder die Mutter auf der anderen Strassenseite sehen.» Ist das Trottoir dann zugeparkt, werden die Kinder für vorbeifahrende Autofahrer erst im letzten Moment sichtbar. Vor allem am Morgen herrsche in der Tempo-30-Zone Schulstrasse oft Verkehrschaos, so Bucher. Auch, weil dann die öffentlichen Parkplätze der gegenüberliegenden Gemeindeverwaltung besetzt seien.

Auch am Dienstagmittag fahren die Elterntaxis vor. Nur: Das verbotene Trottoir steuert keines davon an. Die, die kommen halten sich an die öffentlichen Parkplätze auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Als eine Mutter ihr Töchterchen auf sie zurennen sieht, öffnet sie die Arme und hebt es strahlend hoch. Sie setzt es auf die Rückbank, die Schiebetür schrammt zu, der Motor startet und der dunkelblaue Familienvan fährt davon.

Stefan Zehnder, Präsident der Schulpflege hat für täglich fahrende Elterntaxis kein Verständnis: «Ich gehe davon aus, dass in Urdorf wohnhafte Kinder auch zu Fuss in den Kindergarten gehen können.» Viele Eltern seien einfach nicht mehr bereit, eine halbe Stunde länger auf ihr Kind zu warten, wenn dieses auf dem Schulweg herumträume, so Zehnder.

Ist das Elterntaxi also eine ebenso unnötige wie unerfreuliche Begleiterscheinung einer beschleunigten Gesellschaft? Ja, findet auch die Kantonspolizei Zürich. Deren Pressesprecher Martin Sorg betont den Wert des Schulwegs zu Fuss: «Auf dem Schulweg lernen die Kinder den Umgang mit dem Verkehr. Sie können dort anwenden, was sie von unseren Verkehrsinstruktoren lernen.» Wer seine Kinder täglich mit dem Auto zur Schule fährt, bringt sie also um wichtige Erfahrungen. Zehnder geht mit der Polizei einig. «Der Schulweg ist auch ein Erlebnis, wo Schüler die Umgebung entdecken und Kontakte zu ihren Klassenkameraden knüpfen können», so der Schulpräsident.

Vereinzelt Kontrollen und Bussen

Unvermeidlich wird der Transport im Auto, wenn ein Kind nach dem Chindsgi in die Flötenstunde muss. In solchen Fällen bittet die Schulpflege im Mitteilungsblatt «Urdorf Aktuell» darum, die Autos ordnungsgemäss zu parkieren. Zusätzliche Hinweistafeln aufzustellen, ist momentan weder für die Schulgemeinde noch für die Polizei ein Thema. An Elternabenden würden die Elterntaxis aber regelmässig thematisiert, ausserdem würden Elternbriefe verschickt, so Zehnder. Die Stadtpolizei Schlieren/Urdorf reagiert mit Kontrollgängen. Werden Fahrer von Elterntaxis ertappt, werden sie von den Polizisten auf ihr Fehlverhalten aufmerksam gemacht und könnten auch gebüsst werden, so Stadtpolizist Lanz.

Aktuelle Zahlen zu Elterntaxis auf dem Schulweg gibt es nicht. Eine vom Bundesamt für Strassen in Auftrag gegebene Analyse aus dem Jahr 2005 geht bei Primarschülern in Deutschschweizer Agglomerationen von zehn Prozent aus.

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