Lange Zeit hat die Schulsozialarbeit dem Dietiker Schulpräsidenten Jean-Pierre Balbiani vor allem eins bereitet: Bauchweh. Oder besser: die fehlende Schulsozialarbeit. Denn nachdem das Stimmvolk die definitive Einführung des Angebots 2009 an der Urne überraschend abgelehnt hatte, musste die Schule Dietikon drei Jahre lang darauf verzichten. Und litt entsprechend darunter: «Die Schulsozialarbeit fehlt an allen Ecken und Enden», schrieb der Stadtrat 2011 in einer Interpellationsantwort.

Mit offenen Armen empfangen

Nun bereitet die Schulsozialarbeit dem Schulpräsidenten endlich wieder Freude. Nachdem das Stimmvolk im September 2012 doch noch Ja sagte, hat das neue Team am 1. April seine Arbeit aufgenommen. «Es ist uns gelungen, sozusagen aus dem Nichts wieder Schulsozialarbeit aufzubauen», sagt Balbiani. Zudem sei er glücklich, dass man ein «wunderbares Team» für die Aufgabe gefunden habe, das einen fundierten Hintergrund mitbringe.

Das sei nicht selbstverständlich, sagt Gerold Schoch, Leiter der Dietiker Schulabteilung: «Wir hatten grosses Glück.» Nach anfänglichen Bedenken, ob man genügend Leute finden würde, habe man schliesslich aus einer grossen Anzahl von Bewerbungen auslesen können.

Die drei Frauen und zwei Männer teilen sich 290 Stellenprozente – jede der fünf Schuleinheiten bekommt je nach Grösse und Anteil der Sekundarschüler zwischen 45 und 80 Prozente. Dazu kommen 25 Stellenprozente für die Fachleitung, die Christian Heider übernimmt. Zudem ist er auch für das Schulhaus Steinmürli verantwortlich.

In den Schulen wurden die Schulsozialarbeitenden mit offenen Armen empfangen. «Dadurch, dass das Angebot bereits einmal existierte und dann abgesetzt wurde, ist das Bedürfnis danach sehr gross», sagt Dania Moor, die für die Schuleinheit Fondli zuständig ist.

Schüler reagieren mit Freude

«Die Schüler haben mit Freude auf uns reagiert, das merkt man stark», sagt Jonspias Sarott, der im Schulhaus Wolfsmatt tätig ist. Bereits jetzt werde er auf der Strasse erkannt und angesprochen. «Es ist ein wahnsinniges Interesse da.» Damit steigt natürlich auch der Erwartungsdruck, wie Kirstin Engeler, die für das Schulhaus Luberzen zuständig ist, weiss: Vom ersten Tag an habe man sich fast auf sie gestürzt, erzählt sie und lacht.

Welche Themen beschäftigen die Jugendlichen in Dietikon? «Die gleichen wie auch anderswo», sagt Moor. Es gehe um private und schulische Probleme, um Mobbing, um Berufswahl, um die Zukunft. Erwartet habe sie in Dietikon jedoch aufgrund des hohen Ausländeranteils ein «raueres Klima», sagt Moor, die in Zug zu Hause ist. «Ich war positiv überrascht.»

Eher gewusst, was sie erwartet, hat die fürs «Zentral» zuständige Schulsozialarbeiterin Lidija Ninkovic, die in Dietikon wohnt und aufgewachsen ist. Sie sieht das als Vorteil: «Es vereinfacht die Situation, dass ich die Lebenswelt der Jugendlichen kenne und verstehe», sagt sie.

Koordination ist zentral

Noch können die Schulsozialarbeitenden nicht ihre ganze Zeit den Schülern widmen: Zurzeit trifft sich das ganze Team wöchentlich für etwa drei Stunden. «Es ist uns wichtig, dass alle das gleiche Verständnis haben und das Konzept einheitlich umsetzen», sagt Schoch. Das sieht auch Heider so: Die Koordination sei zentral, bei der Einführung wolle er deshalb auch alle Schulsozialarbeitenden möglichst nah begleiten. Alle Präsentationen in den Klassen habe er daher mit der jeweiligen Fachperson gemeinsam durchgeführt.

Davon, dass der Start geglückt ist, sind alle überzeugt. «Wir sind auf dem richtigen Weg», sagt Balbiani. Laut Schoch sind die Schulleiter erleichtert und fühlten sich bereits jetzt deutlich entlastet. Und auch die Rückmeldungen der Lehrpersonen sind bisher durchwegs positiv: «Wie dankbar sie sind, bekommen wir täglich zu hören», sagt Schulsozialarbeiter Sarott.