Wohin die diesjährige «Schulreise» das Schlieremer Parlament hinführen würde, wurde während der Carfahrt auf einen Schlag klar: Eine halbe Stunde nach der Abfahrt griff Pascal Leuchtmann (SP), der die Reise als Parlamentspräsident traditionsgemäss organisiert hatte, zum Mikrofon und liess die verdutzten Ratskolleginnen und –Kollegen in kernigem Obwaldnerdialekt wissen, dass man bald in Sarnen ankomme. Im eigenwilligen Singsang dieser Mundart gab er Stilblüten zum Besten und erklärte etwa, dass der mitgereiste Sozialvorstand und Obstbauer Christian Meier (SVP) dort ein «Epfelpuir» genannt würde. Wie stark Leuchtmann den Dialekt seines Geburtsorts in den ersten 20 Lebensjahren verinnerlicht hatte, zeigte sich im Verlauf des Tages eindrücklich: Während des Aufenthalts in der Kantonshauptstadt fiel er nicht mehr in den Zürcherdialekt zurück.

Sarnen hat «Kleine Schlieren»

Der Car passierte noch bevor er am Ziel anlangte über eine Brücke einen Bach, dessen Name den Limmattalern nur allzu bekannt war. «Jetzt fahren wir dann gleich über die ‹Kleine Schlieren›», erklärte Leuchtmann. Und das Gewässer ist nicht der einzige Anknüpfungspunkt, der seinen Geburtsort mit seinem heutigen Wohnort verbindet. Der Parlamentspräsident gab seinen Kollegen einige Eckpunkte Sarnens mit auf den Weg. Dabei erwähnte er etwa auch, dass die Stadt intensiv damit beschäftigt sei, ihr Zentrum zu entwickeln. «Allerdings ist man hier damit schon viel weiter fortgeschritten als wir in Schlieren», fügte er an.

In Sarnen empfing eine Delegation des dortigen Gemeinderats die Schlieremer. Die Gastgeber führten die Parlamentarier durch das Rathaus, das jedoch nicht der Amtssitz der lokalen Exekutive, sondern der Verhandlungsort des Obwaldner Kantons- und Regierungsrates ist. Gemeindepräsident Manfred Iten (CSP) ging seinerzeit mit Leuchtmann in den Kindergarten. Zusammen mit Mathias Küchler, dem Kommunikationsbeauftragten des Kantons Obwalden, zeigte er den Schlieremer Gemeinderäten das Gebäude, das 1469 erstmals als Steingebäude erstellt, 1729 zu einem barocken Repräsentationsgebäude umgebaut und nach dem Hochwasser 2005 umfassend saniert worden ist.

Küchler wies die Limmattaler auf einige ausgefallene Details im Gebäude hin. So führte er sie etwa an den 57 Portraits vorbei, die im ganzen Rathaus verteilt die Wände zieren. Abgebildet sind darauf frühere Landammänner Obwaldens. «Falls sie wie ich finden, dass sie einander alle sehr ähnlich sehen, so ist das wohl kein Zufall. Einige der Bilder wurden erst 200 Jahre nach dem Tod der Abgebildeten angefertigt», erklärte Küchler. Im Kantonsratssaal, der früher auch als Gerichtssaal diente, erfuhren die Schlieremer Politiker von Gemeindepräsident Iten dann auch, dass Leuchtmanns Vater hier einst als Gerichtspräsident gewirkt hat.

Auf Kutschen durch Gemeinde

Der Gemeinderat der 10 000-Einwohner-Stadt lud die Besucher schliesslich auf eine Rundfahrt durch die Gemeinde in Pferdekutschen ein. Vor der pittoresken Kulisse liessen sich die Limmattaler zu allerlei Vergleichen zwischen der eigenen Stadt und dieser Innerschweizer Gemeinde hinreissen. Das Wissen darum, dass sich in Obwalden aufgrund der tiefen Steuersätze für Unternehmen und natürliche Personen viele Firmen und Wohlhabende niedergelassen haben, liess einige Parlamentarier etwa zur scherzhaften Vermutung verleiten, dass in Sarnen wohl kein Bedarf für einen Sozialvorstand bestehe. Christian Meier, der in Schlieren dieses Amt bekleidet, feixte: «Hier wäre ich arbeitslos.»

Beim abschliessenden Apéro im Freibad Seefeld Park Sarnen, belehrte Gemeindepräsident Iten die Schlieremer dann aber eines Besseren. Vor traumhafter Berglandschaft und im warmen Licht der Herbstsonne stellte er ihnen Manuela von Ah (parteilos) vor, die Sozialvorsteherin der Exekutive. Arbeit gebe es für sie auch in einer Gemeinde wie Sarnen genug, sagte Iten. So sei sie etwa für die 200 Asylbewerber zuständig, die seit vergangener Woche im neuen Bundesasylzentrum im Truppenlager Glaubenberg untergebracht seien.

Nach dem Austausch mit der Gemeinderatsdelegation von Sarnen machten sich die Schlieremer Parlamentarier schliesslich zu Fuss auf in ein Jugendstil-Hotel, wo ein Abendessen den Schlusspunkt des Ausfluges setzte.