Gemeinden links der Limmat
Schulpsychologische Dienste sollen trotz Grössenvorgabe nicht fusionieren – das Rezept dafür steht

Fünf von sieben Schulpflegen peilen eine besondere Zusammenarbeit in der Schulpsychologie an, damit sie nicht fusionieren müssen.

David Egger
Merken
Drucken
Teilen
Das Wohl des Kindes und seine gute Entwicklung: Davon handelt die Schulpsychologie – immer. Für die Organisation dahinter gibt es aber unzählige Rezepte.

Das Wohl des Kindes und seine gute Entwicklung: Davon handelt die Schulpsychologie – immer. Für die Organisation dahinter gibt es aber unzählige Rezepte.

Shutterstock

Seit 1. Juni 2015 ist die neue Volksschulverordnung in Kraft. Sie besagt, dass Schulpsychologische Dienste im Kanton Zürich mindestens acht Stellenprozente pro 100 Schüler aufweisen sollten. Zudem sollen sie «in der Regel mindestens» über drei Vollzeitstellen verfügen.

Diese Richtgrössen erreicht im Limmattal bisher nur ein Dienst: Jener des Bezirks Affoltern, der seit 2015 für die Primarschule Aesch zuständig ist. Er verfügt über 490 Stellenprozent. Die anderen sieben Dienste im Bezirk Dietikon weisen alle weniger als 300 Stellenprozent (siehe Tabelle) auf, nähern sich nun aber diesem Wert an – mit sehr unterschiedlichen Strategien.

Nachdem die drei bisherigen Schulpsychologischen Dienste rechts der Limmat diesen Sommer durch zwei Gemeinde- und drei Schulgemeindeversammlungsentscheide fusioniert wurden, haben nun auch fünf der sieben Schulpflegen links der Limmat eine Lösung erarbeitet: Schlieren, Urdorf, die Primarschule Birmensdorf, die Sekundarschule Birmensdorf-Aesch und Uitikon streben eine Zusammenarbeit an. Ein erster Vertragsentwurf wurde vom Kanton vorgeprüft. Er ist noch nicht veröffentlicht.

Dietikon: alleine genug gross

Nicht beteiligt sind die Primarschule Aesch, die beim Affoltemer Dienst bleibt, sowie die Stadt Dietikon, die mit 280 Stellenprozent selber einen so grossen Dienst hat, dass sie einen weiteren Alleingang als die sinnvollste Lösung erachtet, wie Schulvorstand Jean-Pierre Balbiani (SVP) bestätigt. «Wir haben das auch bei der zweimal jährlich stattfindenden Bezirkskonferenz der Schulpräsidenten von Anfang an klar gemacht. Bei den anderen Gemeinden ist das auf Akzeptanz gestossen», so Balbiani.

Die anderen fünf Schulpflegen haben geprüft, ob sie wie das rechte Limmattal eine Zentralisierung anstreben sollen – dort zieht der Dienst 2019 ins neue zentrale Kindergarten-Gebäude Föhrewäldli in der Weininger Fahrweid.

Links der Limmat wurde die Idee einer Zentralisierung verworfen, wie Irène Duddek, Vorsteherin des Ressorts Sonderpädagogik der Primarschule Birmensdorf, sagt. Man sei sehr zufrieden, wie es jetzt läuft. Von einer Fusion soll nicht die Rede sein. «Die Schulpsychologischen Dienste bleiben vor Ort in den Gemeinden, diese behalten die Hoheit. Alle bewahren ihre Eigenständigkeit, erhalten aber ein gemeinsames organisatorisches Dach», sagt Duddek. Die Zusammenarbeit beziehe sich insbesondere auf die Qualitätssicherung – diese soll künftig in einem deutlicher vorgegebenen Rahmen ablaufen, was auch hinsichtlich der Aufsichtsfunktion der Schulpflegen ein Vorteil sein wird. Wie diese Strukturen aussehen sollen und welche Kosten sie allenfalls nach sich ziehen, wird derzeit erarbeitet.

Auf Basis des finalen Vertrags, der konkreten Zahlen und den verschiedenen Gemeindeordnungen lässt sich dann definitiv sagen, ob der Zusammenarbeitsvertrag von den Schulpflegen selbstständig verabschiedet werden kann. Derzeit sieht es danach aus, wie aus mehreren Schulpflegen zu erfahren ist. Wann es soweit ist, lässt sich noch nicht genau abschätzen. Die Devise ist aber klar: «Sobald wie möglich», sagt Françoise Schnellmann, Vizepräsidentin der Schulpflege Urdorf und dort zuständig für das Ressort Sonderpädagogik. In den Übergangsbestimmungen zur eingangs erwähnten Verordnung hiess es, die neuen Bestimmungen seien bis 31. Juli 2017 umzusetzen. Der Kanton hält sich aber noch zurück, hat Verständnis, dass der Prozess noch etwas dauert.

Kanton Zürich hat Sondermodell

Laut der Chefin des Zürcher Volksschulamts, Marion Völger, soll die 300-Stellenprozent-Vorgabe des Kantons gewähren, dass pro Schulpsychologischem Dienst drei oder mehr Fachpersonen im Austausch miteinander die Qualität sichern und weiterentwickeln. Wie Völger weiter ausführt, musste in neun der zwölf Zürcher Bezirke gar nicht auf die neuen Vorgaben reagiert werden, da sich dort die Gemeinden schon früher zu Zweckverbänden zusammengeschlossen hatten – und die Dienste der Städte waren schon seit jeher genug gross. Nur in den Bezirken Dietikon, Bülach und Uster habe es zahlreiche Einzeldienste gegeben.

Dahinter steckt der Umstand, dass im Kanton Zürich die Gemeinden für die Schulpsychologie zuständig sind, was nur in drei von 20 Deutschschweizer Kantonen der Fall ist. In der Vernehmlassung war dies etwa der Vereinigung Zürcher Schulpräsidien «ausserordentlich wichtig», dass die Gemeindezuständigkeit bleibt. Ganz anders ennet der Grenze: Der Aargau gehört zu den 17 Deutschschweizer Kantonen, in denen die Schulpsychologie kantonalisiert ist. Bergdietikon etwa ist der Regionalstelle Baden angeschlossen, die 27 Gemeinden betreut und 800 Stellenprozent umfasst.

Schulpsychologische Dienste (SPD) im Bezirk Dietikon Quellen: Schulpflegen, Schulverwaltungen, Schulpsychologische Dienste, Gemeindeversammlungsweisungen

Schulpsychologische Dienste (SPD) im Bezirk Dietikon Quellen: Schulpflegen, Schulverwaltungen, Schulpsychologische Dienste, Gemeindeversammlungsweisungen

Limmattaler Zeitung