Birmensdorf

Schulprojekt «Multikulturela» soll bald Schule machen

Schüler der Primarschule Birmensdorf tanzen einen im Projekt Multikulturela gelernten Tanz. (dae)

Schüler der Primarschule Birmensdorf tanzen einen im Projekt Multikulturela gelernten Tanz. (dae)

Die Pädagogische Hochschule zeichnet ein Birmensdorfer Schulprojekt aus. Mit dem Preisgeld soll die Schule unterstützt werden, ihr Projekt auch anderen Schulen zur Verfügung zu stellen.

In der Mitte des Klassenzimmers sitzen mehrere Kinder auf dem Boden und trommeln. Um sie herum tanzt der Rest der Klasse im Kreis einen afrikanischen Volkstanz. Gelernt haben die Kinder diesen von der Mutter eines Schülers. Darum geht es beim Projekt Elternpartizipation der Primarschule Birmensdorf: Eltern aus verschiedenen Kulturen sollen den Schülern einen Teil ihrer Kultur weitergeben.

Dieses Projekt der Schule Birmensdorf soll Schule machen

Dieses Projekt der Schule Birmensdorf soll Schule machen

Dieses Projekt mit dem klingenden Namen «Multikulturela» wird von der Pädagogischen Hochschule Zürich mit einem Preis ausgezeichnet. Im Rahmen des Projekts «Schulen lernen von Schulen» wurden neben Birmensdorf auch die Sekundarschule Petermoos in Buchs und die Primarschule Hutten in Zürich nominiert. Der Sieger wird bei der Preisverleihung am 26. Januar im Zürcher Kunsthausaal bekannt gegeben. Mit dem Preisgeld sollen die einzelnen Schulen unterstützt werden, ihre Projekte auch anderen Schulen zur Verfügung zu stellen.

Wir wollten die Ressourcen nutzen

Lideke van Herpen, Präsidentin des Elternrats und Mitinitiantin des Birmensdorfer Projekts, betont: «Zu Anfang hatten wir nur die Idee, den Elternrat sowie alle Eltern mehr am täglichen Unterricht teilhaben zu lassen.» Eine Mutter habe ihr, so van Herpen, einmal gesagt, die Schule sei doch wie eine zweite Familie. Da wolle man schon wissen, wie es dort zu- und hergehe. Der Elternrat verstehe sich aber durchaus nicht als Kontrollinstitution. Vielmehr gehe es darum, vorhandene Ressourcen bei den Eltern sinnvoll in den Schulalltag einzubringen, sagt van Herpen.

Elternbriefe in acht Sprachen

Von der gesamten Vorbereitungszeit, die es bis zur ersten Umsetzung des dreiteiligen Projekts brauchte, mag van Herpen eigentlich gar nicht mehr sprechen: wöchentliche Sitzungen mit Schulpflege, Schulleitung und Lehrkörper. Dazu eine riesige infrastrukturelle Planung von Transportmitteln, Sponsoren oder dem Finden von Übersetzern, wenn Elternbriefe in acht Sprachen verfasst werden mussten. Der Aufwand sei schon gross gewesen, aber das Projekt sei stets von allen getragen worden. Besonderer Dank gelte da Mariko Abderhalden, die, zusammen mit dem gesamten Elternrat, eine tolle Arbeit geleistet habe, erinnert sich van Herpen.

Das Projekt begann für die Schüler im Frühling 2010 mit einem Ausflug auf den Ballenberg, während welchem sie in kleinen Gruppen, geleitet von einer Mutter oder einem Vater, die Gegend erkundeten und kleine Aufgaben lösten. Danach organisierten van Herpen und ihr Team über sechs Wochen lang jeden Mittwochmorgen für 22Klassen plus 6Kindergärten je einen Vater oder eine Mutter, die zu Themen wie Essen, Musik oder Sport etwas aus ihrer Kultur weitergaben. Den Abschluss fand das Projekt in einem grossen Schulfest kurz vor den Sommerferien, an dem alle Beteiligten noch einmal zusammenkamen.

Wir haben zu danken

Van Herpen erinnert sich gerne an die Zeit von «Multikulturela» zurück. Es sei grandios zu sehen, wie das ganze Dorf durch das Projekt näher zusammengerückt sei. Eltern würden sich nun kennen und auf der Strasse grüssen. Der Lehrkörper hätte einen viel persönlicheren Zugang zu den Eltern. Das Schönste sei aber gewesen, als ihr viele Eltern nach dem Schulfest, bei welchem das gesamte Essen von den Eltern gebracht worden war, das eingenommene Geld zurückbrachten. Ein Vater aus Sri Lanka habe auf van Herpens Dank sogar geantwortet: «Wir haben zu danken. Nicht Sie, Frau van Herpen.»

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