Urdorf

Schulpflege packt Schulraumplanung an: sie erwartet mehr Schüler

Das Schulhaus Bahnhofstrasse ist eines von mehreren Schulhäusern, bei denen kostenintensive Sanierungen anstehen.

Das Schulhaus Bahnhofstrasse ist eines von mehreren Schulhäusern, bei denen kostenintensive Sanierungen anstehen.

Die Schulpflege erarbeitet eine umfassende Immobilien-Strategie für die nächsten zehn Jahre. Im Frühling 2020 sollen konkrete Zahlen zu den Kosten und zum Zeitplan vorliegen.

Derzeit zählt die Schule Urdorf 1103 Kindergartenkinder, Primar- und Sekundarschüler. Die Schulpflege erwartet in den kommenden zehn Jahren einen Anstieg von 10 Prozent, also rund 100 Kinder mehr. Im Wissen um die zu erwartende Zunahme der Schülerzahlen beauftragte die Schulpflege die Landis AG in Geroldswil mit einer Schulraumanalyse.

Die Firma klärte für die Behörde ab, in welchem Einzugsgebiet mit den meisten Zuzügern zu rechnen ist und wie die Situation vor Ort in den bestehenden Schulliegenschaften ist. «Die Studie zeigt auf, dass die Platzverhältnisse insbesondere auf der Kindergartenstufe und der Primarschulstufe kurz- bis mittelfristig ungenügend sind und eine räumliche Erweiterung nötig wird», sagt Schulpräsidentin Irmgard Struchen (CVP). Auch zeichneten sich kostenintensive Sanierungsarbeiten an den Schulhäusern Bahnhofstrasse, ­Embri und Moosmatt ab.

Die Studienanalyse bildet die Basis für die Immobilien-Strategie der Schulpflege. Anhand der Ergebnisse der Studie will sie unter dem Namen «Vision Schule Urdorf 2030» eine Immobilien-Strategie erarbeiten. Damit wolle man Transparenz schaffen und verhindern, dass man jedes Jahr mit kleineren Teilbeträgen vor die Gemeindeversammlung treten müsse, sagt Struchen. «Wir sind davon überzeugt, dass die Bevölkerung die Gesamtsicht bevorzugt und die dadurch geschaffene Transparenz zu schätzen weiss.» Sie solle wissen, was gesamthaft an Investitionen auf sie warte. Sie könne dann im vollen Wissen um die Gesamtkosten, deren Finanzierbarkeit und über den Zeitplan entscheiden, ob sie der Schule das Vertrauen aussprechen und das Investitionsprogramm genehmigen wolle. Genaue Zahlen zu den Kosten kann Struchen derzeit noch nicht geben. «Wir rechnen mit einem tieferen zweistelligen Millionenbetrag.»

Schulergänzende Betreuung berücksichtigt

In der Immobilien-Strategie der Schule werden auch die schulergänzenden Angebote berücksichtigt. Die Mittagstische bei den Schulhäusern Bahnhofstrasse, Weihermatt und Moosmatt würden seit längerem an ihre Belastungsgrenzen stossen, so Struchen. «Jedes Jahr müssen Familien, die ihre Kinder gerne zu einem der Mittagstische anmelden möchten, mit einem Platz auf der Warteliste Vorlieb nehmen.» Auch in Zukunft dürfte die Nachfrage nach schulergänzender Betreuung weiter wachsen. Aus diesem Grund sieht die Schulpflege auch in diesem Bereich Erweiterungsbedarf.

Die Behörde hat nun eine Arbeitsgruppe bestehend aus Schulpflegemitgliedern, Vertretern der Schulleitungen und der Schulverwaltung, damit beauftragt, die Immobilien-Strategie zu erarbeiten. Begleitet wird die Gruppe von einem Architekten und einem Schulraumplaner. «Im Frühjahr 2020 dürften erste konkrete Resultate zu den Kosten und zum Zeitplan vorliegen», sagt Struchen.

Auch Elemente der Immobilien-Strategie der privaten Planungsgruppe um den ehemaligen Gemeinderat Christian Brandenberger (CVP), die Anfang Sommer präsentiert wurde, könnten in das Schulraumprojekt einfliessen. «Doch die alternative Strategie, die unter anderem einen Neubau des Hallenbads beinhaltet, weist einige Defizite auf», sagt Struchen. So habe der Kanton inzwischen die Zentrumshalle inklusive Hallenbad in das Inventar schützenswerter Bauten aufgenommen. Das führe beim Handlungsspielraum zu signifikanten Einschränkungen was Eingriffe in die Architektur anbelange. «Trotzdem steht einer Kontaktaufnahme mit der privaten Gruppe nichts im Wege.»

Schon kurz nach den Neuwahlen und der Konstituierung der Schulpflege im Frühling 2017 habe sich die Behörde mit der künftigen Immobilien-Strategie befasst, so Struchen. «Aber es galt zuerst, die Schulraum­analyse abzuwarten.» In diese Zeit fielen Bestrebungen aus der Bevölkerung, eine ganzheitliche Immobilien-Strategie für die Politische Gemeinde und für die Schulgemeinde zu entwerfen. So entwickelte private Planungsgruppe um Brandenberger eine Immobilien-Strategie für beide Güter.

Irmgard Struchen (CVP), Schulpräsidentin Urdorf

Irmgard Struchen (CVP), Schulpräsidentin Urdorf

Durch die Zusammenarbeit hätten die finanzielle Gesamtsituation optimiert und die Immobilienkosten ­gesenkt werden sollen. Da die beiden Behörden die von ihnen favorisierte ­Variante, die unter anderem den Abbruch des Hallenbads zur Folge gehabt hätte, als nicht mehrheitsfähig einstuften, verwarfen sie die Pläne (die «Limmattaler Zeitung» berichtete).
Die Meldung löste bei allen ­Urdorfer Parteien Bedauern aus, hätten sie sich doch eine Zusammenarbeit gewünscht. Alt Gemeinderat Roland Stämpfli (SVP) ging sogar noch weiter. Er fordert die Bildung einer Einheitsgemeinde für eine gemeinsam geplante Zukunft in Urdorf. Unterdessen hat er mit alt Gemeinderat Jürg Pauli (SVP), dem ehemaligen Schulpfleger Markus Fuchs (SP) und Werner Rüegg (SVP) den Verein «Einheitsgemeinde Urdorf» gegründet.

Behörde will transparenter kommunizieren

Struchen betont, dass die Schulraumplanung der Schulpflege jedoch nicht als Reaktion auf all diese Forderungen zu verstehen ist. «Wir haben die Studie zu den Schülerprognosen und den Raumdefiziten aufgrund der verdichteten Bautätigkeiten in Urdorf in Auftrag gegeben. Der Sanierungsbedarf wurde bereits früher erhoben. Was wir jetzt entschieden haben, ist all diese Informationen zu einer ganzheitlichen Strategie zusammenzuführen.» Wichtig ist Struchen, dass das Thema wieder zurück in die Schulpflege kehrt und dort diskutiert und bearbeitet wird. Dort, wo es auch hingehöre. In der Behörde habe seit deren Neukonstitution nach den Wahlen im Frühling 2017 ein Umdenken stattgefunden. «Es herrscht ein anderer Zeitgeist. Die Bevölkerung wünscht mehr Transparenz und diesem Wunsch kommt die Behörde mit der Strategie nach.»

Einheitsgemeinde kein Thema

Auch wenn die Schule und die Gemeinde sich entschlossen haben, eigenständig zu arbeiten und ihre Immobilien-Strategien einzeln zu verfolgen, habe die Schulpflege die Politische ­Gemeinde über ihr Vorhaben orientiert. Struchen ist nach wie vor der ­Ansicht, dass der getrennte Weg der bessere ist. «Weil unsere Planung nicht mehrheitsfähig gewesen wäre, fanden wir es sinnvoll, die jeweiligen Projekte separat anzugehen.» Von der Bildung einer Einheitsgemeinde hält die ­Schulpflege nichts. «Im September 2016 hat sich die Stimmbevölkerung für die Autonomie der Schule ausgesprochen und damit die Schulpflege unterstützt. Das sollte unserer Meinung nach respektiert werden», sagt ­Struchen. Diesen Leuten nun zu erklären, die Schulpflege befürworte die ­Bildung einer Einheitsgemeinde, ­würde die Behörde unglaubwürdig ­machen.

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Autor

Sibylle Egloff

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