Schlieren
Schulhaus, wo heute alte Autos stehen

Noch braucht es eine gute Portion Vorstellungskraft: Auf dem ehemaligen Züblinareal in Schlieren, wo heute abgehalfterte Industriebauten und Autos das Bild dominieren, sollen ab Sommer 2015 Kinder zur Schule gehen.

Nicole Emmenegger
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Auf dem Züblinareal soll bereits im Sommer 2015 ein neues Schulhaus existieren. nem

Auf dem Züblinareal soll bereits im Sommer 2015 ein neues Schulhaus existieren. nem

Limmattaler Zeitung

Das Schlieremer Parlament hat sich am Montag deutlich für diesen Standort ausgesprochen. Mit 28 zu 3 Stimmen sagte es «Ja» zu einem Kaufvertrag mit der Firma AXA Leben AG für ein rund 125000 Quadratmeter grosses Grundstück an der Badenerstrasse 80/82. Ob der Vertrag in Kraft tritt, hängt allerdings von einer späteren Volksabstimmung über das geplante Schulhaus ab.

Ghetto oder schönes Wohngebiet?

«Denken Sie mit uns voraus», hatte Stadträtin Manuela Stiefel (FDP) zuvor an diejenigen Parlamentarier appelliert, die sich mit der Lage zwischen Bahngleis und der stark befahrenen Badenerstrasse nicht anfreunden konnten. Kritik kam in erster Linie vom Quartierverein Schlieren (QV), der die Vorlage als einzige Partei ablehnte: «Unsere Schüler haben etwas Besseres verdient. Wir sind hier nicht in der Bronx», sagte Jürg Naumann. Der QV bevorzuge den ebenfalls überprüften Standort Färberhüsli, der sich bereits in städtischem Besitz befindet.

Stadträtin Stiefel trat dem Ghetto-Vergleich entschieden entgegen: Das Gebiet Schlieren West wandle sich derzeit von der Industriebrache zu einem «sehr schönen Wohngebiet». Das Färberhüsli-Grundstück solle als Landreserve erhalten bleiben. Diese Argumentation wurde von einer grossen Mehrheit unterstützt.

Schutz der Kinder

Im Namen der FDP-Fraktion strich Doris Gantner die Vorzüge des Standortes hervor: die genügend grosse Fläche, die Verfügbarkeit und die Tatsache, dass mit einer neuen Schule «Schlieren West» die Schulanlagen gleichmässig über das Stadtgebiet verteilt wären. Gantner wies allerdings auch auf Herausforderungen hin: der Schutz der Kinder vor Lärm und Strassenverkehr. Zudem habe die Stadt einen beschränkten Einfluss auf die Entwicklung des neuen Stadtteils «Schlieren West».

Nebst der Lage standen die finanziellen Aspekte des Kaufvertrags im Fokus der Debatte. Die Stadt wird 9,25 Millionen Franken für das Grundstück bezahlen. Dazu kommen Kosten für den Abbruch und die Entsorgung bestehender Gebäude, die möglicherweise Altlasten aufweisen. Die Altlastensanierung des Grundstücks hingegen soll die Verkäuferin übernehmen.

Kostenexplosion befürchtet

«Ein noch schlechterer Vertrag ist kaum möglich», kritisierte QV-Vertreter Arthur Naumann diese Regelung. Er forderte den Stadtrat auf, die Zusatzkosten für die Altlastensanierung in der Abstimmungsvorlage konkret zu beziffern. Die Rechnungsprüfungskommission gehe derzeit von rund 1,3 Millionen Franken aus, so Naumann. Auch die FDP-Fraktion bezeichnete es als «ungeschickt», dass die Räumung des Areals nicht bereits im Kaufpreis enthalten sei. Sie äusserte den Wunsch nach einer Nachverhandlung mit der Verkäuferin.

Trotz dieser Bedenken gingen mit Ausnahme des QV alle Parteien mit der Rechnungsprüfungskommission einig: Der Preis ist akzeptabel und die Zeit drängt, weil die Schlieremer Schulen schon heute unter Platznot leiden. Nach dem «Ja» des Parlaments wird demnächst ein Projektwettbewerb ausgeschrieben.