Lärmend und mit viel Aufregung strömen die Kinder der Dietiker Schulanlage Steinmürli durch den neuen Schulpavillon, der im August in Betrieb genommen wurde. Schülerinnen und Schüler führen, gekleidet in orange Schutzwesten und mit Helm, die jüngeren Kameraden durch den zweistöckigen Holzbau, zeigen die acht Klassenzimmer und erklären die Besonderheiten ihres neuen Schulhauses, das auch über einen Hort verfügt.

Von all dem Lärm in den Schulhausgängen bekommt man im Sitzungszimmer jedoch nicht viel mit. Denn dort präsentiert die Stadt Dietikon das neue Gebäude. «Nach gerade mal fünf Monaten Bauzeit sind wir sehr stolz, diesen Erweiterungsbau in Betrieb zu nehmen», sagt Hochbauvorsteherin Esther Tonini. Der Pavillon Steinmürli ist für eine Nutzungsdauer von 20 Jahren konzipiert und entspricht allen modernen technischen und energetischen Standards und wurde als vorgefertigter Holzbau erstellt. Die Stadt bezeichnet das Gebäude als «Leuchtturmprojekt» im städtischen Schulhausbau.

Der Platz ist das Problem

Und mit diesem städtischen Schulhausbau läuft nicht alles rund. Peter Baumgartner, Leiter Hochbauabteilung, lobt die Arbeit der Architekten, Bauarbeiter und Techniker, die in so kurzer Zeit ein Schulhaus geplant und realisiert haben. Durch den extrem engen Zeitplan hätte sehr viel schiefgehen können. «Die Hochbauabteilung ist zur Einhaltung ein hohes bautechnisches, kostenmässiges und terminliches Risiko eingegangen», sagt er. «Dies darf aber nicht zum hiesigen Standard für den Schulhausbau werden.»

Dass solche kurzfristige Pavillonbauten nicht zum Normallfall werden sollen, vertritt auch Schulvorsteher Jean-Pierre Balbiani, der das neue Gebäude als optimale Entlastung für das akute Platzproblem in Dietikon sieht. Es handle sich dabei aber eher um eine Problemlinderung als eine effektive Behebung. «Auch mit dem Pavillon ist jedes Schulzimmer in Dietikon besetzt,» sagt er. «Wir brauchen ein weiteres grosses Schulhaus.»

Dass es Platzprobleme geben werde, wisse man schon lange, darum habe man auch vor geraumer Zeit bereits reagiert und nach Lösungen gesucht, sagt Balbiani. Doch das politische System der Schweiz erlaube oftmals keine schnellen Lösungen. So sind für den Neubau des Limmatfeld-Mietschulhauses, das die herrschenden Platzprobleme für einen längeren Zeitraum aus der Welt schaffen würde, diverse Einsprachen und Rekurse hängig. Und bis dort gebaut werden kann, werden nochmals einige Jahre vergehen.