Als das Schulhaus Schlüechti im Sommer 1965 eingeweiht wurde, war Weiningen nicht das Dorf, das man heute kennt. Jeder dritte Schüler stammte aus einer Bauernfamilie und geschrieben wurde in der Schule noch mit einer Füllfeder. Heinz Lüthi war nicht nur Mitglied der ersten Lehrerequipe, die im Schlüechti unterrichtete, sondern war ab 1977 auch beim legendären «Cabaret Rotstift».

Lüthi kann sich noch gut erinnern, wie er anlässlich der Einweihung des Schulhauses Schlüechti auf der Bühne stand: «Gemeinsam mit Lehrerkollegen veranstalteten wir ein Cabaret zur Abendunterhaltung der rund 300 anwesenden Eltern». In einer Nummer wurde ein Unterengstringer Kunstmaler, «er war ein Dorforiginal, das jeder kannte», hochgenommen, wie Lüthi sagt. Auch sangen die Lehrer ein Loblied auf das neue Schulhaus und bedankten sich so bei der Bevölkerung. Würdigung fand auch ein älterer Kollege des damals noch jungen Lehrers Lüthi: «Paul Truninger war eine Lehrperson alter Schule, der in den 1930er-Jahren zu unterrichten begonnen hatte», so Lüthi. Begleitet vom Piano sang Lüthi: «Ich bin ein alter Lehrer und habe meine Pflicht getan». Jedermann wusste, um wen es im Chanson ging – viele Anwesende gingen bei ihm zur Schule. Im «Schlüechti» absolvierte Truninger dann sein letztes Jahr als
Pädagoge.

Tanzen bis 4 Uhr

Im Gegensatz zum Fest am Einweihungsabend – laut Einladung gab es bis um 4 Uhr morgens Musik und Tanz – muss der Umzug in das neue Schulhaus eine kurze Sache gewesen sein. «Damals hatte man noch kaum Unterrichtsmaterial», so Lüthi. «Die überschaubare Lehrerbibliothek und die wenigen ausgestopften Vögel waren schnell gezügelt.» An ein Umzugsunternehmen war damals nicht zu denken. «Alle Kinder mussten an diesem Tag einen Leiterwagen mit in die Schule bringen», so Lüthi. Damals habe noch jede Familie einen solchen zu Hause gehabt, so wie heute jedes Haus mit einem Computer ausgestattet ist.

Tintenfass barg Gefahr

Der Umzug von den zwei Baracken mit nur zwei Klassenzimmern bedeutete für die Lehrer und Schüler nicht nur einen grösseren Komfort, sondern auch mehr Platz.

Genau 33 Jahre unterrichtete Lüthi in Weiningen, 30 davon im Schulhaus Schlüechti. Ein Zeitraum, in dem sich der Lehrerberuf einem starken Wandel unterzogen hat. «Tonbandgeräte, Fernseher oder Dia-Projektoren gab es zu Beginn nicht.»

Bis in die 1970er-Jahre wurde zudem mit Feder und Federhalter geschrieben. «Allwöchentlich füllte ich das Tintenfässchen der Schüler auf», so Lüthi. Diese waren in den Schulbänken eingebaut. Mit einer «Riesenguttere» sei er damals Anfang Woche von Tisch zu Tisch gegangen. Ein spezieller Zwischenfall ist ihm bis heute in Erinnerung geblieben: Der Materialverwalter hatte einen grossen Vorrat an Schreibtinte im Keller, mindestens zehn Liter müssen dies gewesen sein, erzählt Lüthi. «Als er diesen Vorrat anzapfen wollte, fiel der Behälter vom Regal und ergoss sich über den armen Mann», erzählt der ehemalige Lehrer und heutige Publizist in schallendem Gelächter: «An so etwas erinnert man sich ein Leben lang.»