Schlieren

Schulhaus Grabenstrasse taucht in die Kultur der Tamilen ein

Etwa ein Dutzend tamilische Schüler gibt es im Schlieremer Schulhaus und diese stehen während des Projekttages vom Mittwoch ganz im Mittelpunkt. Sie dürfen ihren Kollegen ihre Kultur vorstellen und sie machen es mit viel Hingabe und grossem Aufwand.

«Sind das Chicken Nuggets?», fragt eines der Mädchen, und zeigt zögernd auf die frittierten Bollen, die in einem Korb auf dem Tisch stehen. Abilash schüttelt den Kopf und grinst. Das seien Vadai; Kartoffel-Gries-Kugeln mit etwas Fleisch drin, erklärt er und verteilt stolz das Gebäck auf die Servietten, die ihm seine Mitschüler entgegenstrecken. Das Mädchen aber verzieht das Gesicht und geht ohne Znüni aus Sri Lanka in die Pause. Der Bollen scheint ihr suspekt.

Abilash gehört zu dem guten Dutzend tamilischer Schüler im Schulhaus Grabenstrasse in Schlieren. Zusammen mit den anderen tamilischen Kindern und unterstützt von den Eltern durfte Abilash am Donnerstag an einem Projekttag allen anderen rund 140 Schülern von der 1. bis zu 6. Klasse seine Kultur vorstellen. Durfte sich so kleiden, wie jeweils zu grossen Festen, so sprechen, wie er es zu Hause tut, auf der Bühne im Theaterkeller seines Schulhauses seine Kultur leben. Hier, wo fast alle Nationen vertreten sind, und kaum einer die Kultur des Banknachbars kennt.

Alphabeth mit 247 Buchstaben

Im Keller räucheln auf einem kleinen Altar Räucherstäbchen, die Bühne ist mit Statuen und Glitzergirlanden geschmückt. In traditionellen Kleidern stellen die tamilischen Kinder ihre Heimat Sri Lanka vor, erzählen von Land und Leuten, vom Alphabeth, das 247 Buchstaben umfasst, vom Hinduismus und Gott Ganesha, vom Essen, das zur Hauptsache aus Reis und Curry besteht und auf dem Boden sitzend mit den Fingern eingenommen wird. Die Kinder im Zuschauerraum staunen. «Was, da isst man mit den Fingern?», flüstert eines ungläubig und kichert.

Genau das ist es, was die Lehrerschaft mit dem Projekttag erreichen will: das Kennenlernen und Verstehen fremder Kulturen, das Abbauen von Vorurteilen. «Kinder unterschiedlichster Nationen sehen sich hier in der Schule täglich, wissen aber gegenseitig nichts voneinander», sagt Lehrerin Ursula Felber, die den Projekttag gemeinsam mit Kollege Peter Deubelbeiss und der tamilischen Kulturvermittlerin Tharani Sarma organisiert hat. Felber freut sich, ihre Schülerinnen und Schüler in dieser Aufmachung auf der Bühne zu sehen, wie sie stolz von ihrer Kultur erzählen. «In der Klasse sind die tamilischen Kinder sehr zurückhaltend und haben Hemmungen, Tamil zu sprechen.

Dieser Anlass stärkt ihr Selbstvertrauen.» Auch Tharani Sarma freut sich: «Es ist etwas ganz Spezielles, solch einen Anlass zu organisieren und den Kindern unsere Kultur zeigen zu dürfen.»

Der gestrige Projekttag war der erste seiner Art, künftig soll er aber jedes Jahr stattfinden. Der Aufwand war gewaltig, ein halbes Jahr lang haben sich die Beteiligten auf diesen Tag vorbereitet. Nebst kurzen Vorträgen zu Themen wie Sport, Feste, Wirtschaft, Sprache, Kleider und Tiere haben die Kinder Lieder, ein Trommel- und ein Geigenstück und verschiedene Tänze einstudiert. Die Kleider für den Tanz haben die Mütter eigens für diesen Anlass genäht. Und das Theaterstück durften die Kinder in Tamil vorführen, damit ihre Mitschüler einmal hören, wie ihre Sprache klingt.

«Jaaaa», schreien die kleinen Zuschauer nach den Vorstellungen auf die Frage, ob es ihnen gefallen habe. «Es war viel Arbeit», sagt Felber. «Aber eine sehr schöne Arbeit, die sich gelohnt hat.»

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