Das Dietiker Parlament hat Angst, dass der Stadtrat mit seinen Plänen für ein Schulhaus im neuen Stadtteil Limmatfeld wiederum Schiffbruch erleiden könnte. Deshalb forderten die Gemeinderäte am Donnerstagabend mit einer knappen Mehrheit von 16 zu 14 Stimmen, der Stadtrat soll eine zweite Standortvariante ausarbeiten. Eingereicht hatte das entsprechende Postulat CVP-Gemeinderat Max Wiederkehr, der nebst seiner eigenen aber auch die gesamte SP-Fraktion, wie auch AL, Grüne, EVP und DP im Rücken hatte.

Das Thema ist deshalb brisant, weil der erste Versuch des Stadtrats, im Limmatfeld Schulraum zu schaffen, in einem Debakel endete: Seine Vorlage für ein Mietschulhaus wurde vor zwei Jahren an der Urne wuchtig abgelehnt, ein Plan B war nicht vorhanden. Der Stadtrat musste zurück auf Feld eins und heute ist noch immer nicht klar, wo die Kinder aus dem Limmatfeld dereinst in die Schule gehen werden.

Knackpunkt Moorschutz

Nachdem der Stadtrat einige Varianten hatte abklären lassen, steht nun nur noch eine zur Debatte: der Bau eines Schulhauses auf der stadteigenen Parzelle im Gebiet Stierenmatt, wo heute der Werkhof steht. Das Problem ist jedoch: Eine seit vielen Jahren überfällige Schutzverordnung für das angrenzende Flachmoor ist zurzeit beim Kanton in Arbeit. Wann diese stehen wird und wie sie sich auf einen möglichen Bau auswirken würde, ist noch nicht klar. Hochbauvorsteherin Esther Tonini (SP) betonte aber in der Parlamentssitzung, ein erstelltes Gutachten gebe Auskunft darüber, was man bei einem möglichen Bau beachten müsste. In einem Volumenmodell könne man zudem nachweisen, dass man dem Moorschutz gerecht würde. Sie sei zuversichtlich, so Tonini, dass man «mit einem geschickten Schulhausbau sogar die härtesten Auflagen aus dem Moorschutz erfüllen könnte». Noch vor Ende Jahr soll der Kanton einen ersten Entwurf der Moorschutzverordnung vorlegen. Als nächsten Schritt werde man den Wettbewerb für das Schulhaus vorbereiten, so Tonini. Beides – Moorschutzverordnung und Schulhausplanung – treibe man parallel voran.

Damit kam die Hochbauvorsteherin im Parlament nicht besonders gut an. «Es ist mir völlig unverständlich, dass man wiederum keinen Plan B hat», sagte Lucas Neff (Grüne). Schliesslich gehe es beim Moorschutz um Bundesrecht. «Meine Haltung ist klar: Wir fahren in eine Sackgasse, ohne Ausweg und ohne Bremsmöglichkeit», sagte er. Kritik musste Tonini auch von der eigenen Partei einstecken. «Die Ausführungen beruhigen mich nicht», sagte Esther Sonderegger (SP). Je länger man warte mit dem Bau, desto schwieriger werde die Situation. Man müsse Alternativen haben: «Es zeugt nicht gerade von Weitsicht, wenn man einfach weiter an einer Vogel-Strauss-Politik festhält.»

«Nicht zielführend»

Martin Müller (DP) störte sich an den voraussichtlichen Kosten. Wenn man in einem geschützten Gebiet baue, komme dies viel teurer: «Aber wir schwimmen ja im Geld», sagte er. Rückhalt bekam der Stadtrat dafür von der SVP. Die Variante Stierenmatt sei zurzeit die einzige Möglichkeit, sagte Jörg Dätwyler. Zudem gebe es diverse Ausweichmöglichkeiten in bestehenden Schulhäusern und mit Provisorien. Nun einen Plan B zu fordern, sei «weder realistisch noch zielführend.»