Zweimal scheiterte die Urdorfer Schulgemeinde mit Vorlagen für einen Ersatzbau des Kindergartens Feld an der Urne – nun versucht sie es auf einem neuen Weg. An der Gemeindeversammlung vom 25. November präsentiert sie den Stimmberechtigten zwei Vorschläge: einen Modulbau für rund 1,78 Millionen Franken und eine Container-Lösung für rund 1,6 Millionen. Für René Eberle, den Liegenschaftsvorstand der Schulgemeinde ist klar: «Wenn die Stimmberechtigten beide Optionen ablehnen, bleibt nur noch die Suche nach einer Mietlösung.»

Der Grund für die Beharrlichkeit der Schulgemeinde liegt in den immer prekärer werdenden Platzverhältnissen. Durch die wachsenden Schülerzahlen mussten die Klassen seit 2013 auf bis zu 23 Kindergärtler vergrössert werden, der Kanton empfiehlt 18 bis 20 pro Einheit. Um die Klassengrössen in Grenzen halten zu können, musste die Schulgemeinde schliesslich gar ein Schulzimmer der Primarschule als Provisorium umnutzen, wie Eberle sagt. Doch weil dieses ab dem Schuljahr 2017/2018 wieder für die Primarstufe gebraucht wird, muss bis dahin neuer Raum für den Kindergarten her.

Im März 2014 brachte die Schulgemeinde dann einen 3,4 Millionen-Kredit für einen Neubau anstelle des renovationsbedürftigen bestehenden Kindergartens Feld an die Urne. Geplant waren ein Doppelkindergarten und zwei Abwartswohnungen. Zu teuer und am falschen Ort geplant, fanden damals die Gegner, die vornehmlich aus Kreisen der EVP, CVP, FDP und GLP stammten. Die Vorlage schickte das Stimmvolk an der Urne mit 66 Prozent Nein-Stimmen bachab.

Auch abgespeckt nicht akzeptiert

Bereits im darauffolgenden November präsentierte die Schulgemeinde dann ein abgespecktes Projekt ohne Abwartswohnungen für rund 1,9 Millionen Franken. Die Behörden betonten, dass auch eine Sanierung des Kindergartens 1,6 Millionen kosten würde und dass der Standort im Zentrum der Schulanlagen für den neuen Kindergarten optimal sei. Die meisten Parteien erklärten sich mit dieser Vorlage einverstanden, lediglich die EVP und FDP blieben kritisch.

An der darauffolgenden Gemeindeversammlung winkten die Stimmberechtigten den Kredit mit 87 der 161 Stimmen durch, nahmen aber auch den Antrag auf Urnenabstimmung an. Die Gegner, zu denen sich nun auch die GLP wieder gesellte, empfanden die Kosten für einen eingeschossigen Bau noch immer zu hoch. Am Ende wurde auch das redimensionierte Projekt an der Urne knapp abgelehnt – den Unterschied machten 12 Stimmen.

Der Kindergarten Feld in Urdorf.

Der Kindergarten Feld in Urdorf.

Eberle ist überzeugt, dass der dritten Vorlage mehr Erfolg beschieden ist. Dies, weil die Behörde zwei wichtigen Kritikpunkten der Gegner Rechnung getragen hat. Zum einen, weil die Gemeindeversammlung nun die Wahl zwischen zwei verschiedenen Projekten hat. «Die Gegner warfen uns bisher immer vor, dass wir die Bevölkerung nicht aus mehreren Optionen auswählen liessen», sagt Eberle.

Zum anderen rechnet er auch mit mehr Zustimmung, weil die günstigere der zwei Lösungen – der Container-Bau – auf dem Kostenniveau einer Sanierung liegt. Die Schulgemeinde hofft aber darauf, dass sich die Stimmberechtigten am 25. November für den Modulbau entscheiden. Dieser böte gegenüber den Containern laut dem Liegenschaftsvorstand nämlichgrosse Vorteile: Die Lebensdauer der um rund 180 000 Franken teureren Variante ist mit 40 bis 50 Jahren fast doppelt so hoch wie bei Containern. Kommt dazu, dass das Raumprogramm bei der Modulbauweise flexibler gestaltet werden kann. «Container hätten somit trotz geringfügig tieferer Kosten viel mehr den Charakter eines Provisoriums», so Eberle.

Steuerfuss soll 3 Prozent steigen

An der Gemeindeversammlung vom 25. November befinden die Stimmberechtigten auch über die Voranschläge der Schulgemeinde und der politischen Gemeinde für das Jahr 2016. Die Schulgemeinde beantragt dabei eine Erhöhung des Steuerfusses um 3 auf 62 Prozent. Finanzvorsteherin Irmgard Struchen begründet dies damit, dass das Eigenkapital der Schulgemeinde auf einen bedenklichen Stand gesunken sei. «Wenn wir die Steuern nicht erhöhen stehen wir in drei oder vier Jahren vor einem Bilanzdefizit und müssen uns weiter verschulden», sagt sie. Bei einem Aufwand von rund 22,4 Millionen und einem Ertrag von 21,6 Millionen prognostiziert die Behörde so ein Plus von 182 000 Franken.

Die politische Gemeinde rechnet bei gleichbleibendem Steuerfuss (59 Prozent) mit einem Minus von 530 000 Franken. Einem Aufwand von rund 50,4 Millionen stehen Erträge von 49,9 Millionen gegenüber. Weil diverse Vorhaben der Vorjahre auf kommendes Jahr verschoben werden mussten, belaufen sich die Investitionen auf über 9 Millionen. In der Finanzplanung geht der Gemeinderat bis 2019 von einem jährlichen Aufwandüberschuss von rund 1,1 Millionen aus. «Für die laufende Rechnung stellt das wegen des verfügbaren Eigenkapitals kein fundamentales Problem dar», sagt Finanzvorstand Thomas Hächler (FDP). Grosse Investitionen führen aber in den nächsten vier Jahren voraussichtlich zu einem Anstieg der Nettoschuld im Gemeinde- und Gebührenhaushalt von 23 auf 29 Millionen. Um dem begegnen zu können, erarbeitet die Gemeinde derzeit eine neue Finanzstrategie, die im Herbst 2016 vorliegen soll.