Uitikon
Schüler zeigen als Kraftmenschen Showtalent

In der Klassen- und schulhausübergreifenden Zirkusprojektwoche in uitikon werden die Schüler gefordert - aber auch gefördert. Während einer ganzen Woche wird eine Zirkus-Vorstellung einstudiert.

Flavio Fuoli
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Artisten brauchen nicht nur Geschick

Artisten brauchen nicht nur Geschick

Limmattaler Zeitung

Es ist halt irgendwie doch typisch: Die zwölf Kraftmenschen, die sich im Schulzimmer versammelt haben, um ihre Vorstellung einzustudieren, sind allesamt Knaben. Keine Mädchen. Sie haben aber auch abenteuerliches vor: Sie wollen Telefonbücher zerreissen, Ziegelsteine zerschlagen und sich eine Metallplatte auf den Bauch legen, und von einem Mitschüler drauf schlagen lassen.

Wir befinden uns in einem Schulzimmer des Schulhauses Rietwis. So wie in allen drei Schulhäusern Uitikons, also auch Binzmatt und Mettlen, wird auch hier klassen- und schulhausübergreifend auf die Zirkusvorstellung vom Wochenende geübt.

Mitspielzirkus vor 400 Leuten

Aus insgesamt 25 Ateliers können die Schüler auswählen. Es sind Themen wie Akrobatik, Clown, Fakir, Jonglage, Musik, Pantomime und Tiere darunter. Federführend ist der Zirkus Palloni, ein Mitspielzirkus, der sein Zelt auf der Allmend aufgeschlagen hat. Es fasst bis zu 400 Personen. Die Feuerwehr hat es am vergangenen Wochenende aufgestellt. «Es ist ein gemeinschaftliches Projekt, alle helfen mit, sei es das Elternforum, freiwillige Helfer, welche Gruppenleitungen in Ateliers übernehmen oder sich für die Verpflegung einsetzen», erzählt Beda Durschei, Co-Schulleiter, anlässlich eines Rundgangs im Schulhaus Rietwis.

Fakire und Popcornverkäufer

Die Fakire haben ihre «Nagelprobe» schon bestanden, will heissen, sie lagen bereits auf dem Nagelbrett. Nun üben sie den Fakirsitz, bei dem die Füsse ziemlich verknotet sind. «Wenns knackt, hört ihr auf», sagt die Animatorin, «und macht den normalen Schneidersitz.» Konkret sieht es bei der Gruppe «Restauration» aus. Sie konstruiert fast schon abenteuerliche Bauchläden, mit denen sie sich unters Volk mischt und Popcorn verkaufen wird. Am Mittwoch werden sie die Wursterei von Edi Gut besuchen und dort etwas Praktisches lernen.

Schulhaus Mettlen vorgezogen

Eigentlich hätte die Zirkuswoche mit der Einweihung des Schulhauses Mettlen vonstattengehen sollen. Es wäre ein Riesenaufwand geworden. Die Schulepflege habe sich dann entschieden, die Einweihung auf den 21.Mai vorzuziehen, erklären Beda Durschei und Co-Schulleiterin Christine Grob.

Wieso Zirkus? «Das Thema ist schon seit Jahren herumgegeistert. Mit dem Circus Balloni konnten wir ressourcensparend arbeiten, das hat die Schule entlastet», erklärte Durschei. «Mit dem Zusammenführen von Kindergarten bis sechste Klasse konnten wir die Schüler auch schulhausübergreifend durchmischen», denkt Christine Grob. «Wir haben immer etwas Probleme, unsere Schuleinheit zu leben», ergänzt Beda Durschei.

Leibchen vom Leibe reissen

«Trinken, dehnen, Pause machen», ertönt es im Freiluftatelier der Springseilgruppe. «Wir wollen das Publikum beeindrucken und Spass haben», gestehen Sina und Olivia freimütig. Sie springen zusammen mit zwei gekreuzten Springseilen. «Das ist besonders lustig», sagen sie. Sina hat Vorteile, sie macht in einer Ropeskipping-Gruppe in Dietikon mit, was auf gut Deutsch Seilspringgruppe heisst. Besonders schwierig ist das Springen über das grosse Seil, wenn man auf allen Vieren steht. Das soll klappen bis zur Vorstellung. «Der hat eine gute Körperspannung, der sollte das können, sagt die Animatorin über einen Knaben, ders eben versucht hat.

Inzwischen haben die Kraftmenschen gelernt, dass Zirkus auch Show ist, das entsprechende Mimik und Gestik, etwa das schmerzverzerrte Gesicht, wenn man unter der Eisenplatte liegt, zum Programm gehört. Ebenso der Einzug der Gladiatoren in die Manege: Sie wurden beauftragt, T-Shirts von zu Hause mitzunehmen. Wenn sie die Manege betreten, werden sie sich die Leibchen vom Leibe reissen. «Ihr kennt ja Hulk Hogan, oder?»

Letzte Vorstellung: Heute Samstag, um 10 Uhr, Allmend, Uitikon.