Birmensdorf
Schüler vernetzen sich per Video, um Wissenschaftern Fragen zu stellen

Gymnasiasten aus drei Ländern stellten Forstwissenschaftern Fragen.

Flurina Dünki
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Schüler vom Freien Gymnasium Zürich stellen ihre Fragen zum Thema Wald in der Videokonferenz des Forschungsinstituts für Wald, Schnee und Landschaft.

Schüler vom Freien Gymnasium Zürich stellen ihre Fragen zum Thema Wald in der Videokonferenz des Forschungsinstituts für Wald, Schnee und Landschaft.

Flurina Dünki

Aufgeregt begrüsste die Schulklasse des Freien Gymnasiums Zürich ihre Kollegen aus Deutschland und Frankreich. Zusammen mit den Gymnasiumsklassen aus Freiburg im Breisgau und Nancy löcherten die Schülerinnen und Schüler, die im Konferenzsaal des Eidgenössischen Forschungsinstituts für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) sassen, Experten mit Fragen zur Zukunft des Waldes. Speziell dabei: Die Schulklassen und Experten waren per Videokonferenz miteinander verbunden.

Die teilnehmenden Forschungsinstitute Université de Lorraine Nancy, Universität Freiburg im Breisgau sowie ETH und WSL sind vier von insgesamt sieben Instituten in der Schweiz, Deutschland und Frankreich, die 2006 das Forschungs-Netzwerk «nfz.forestnet» gegründet haben. Ziel desselben ist die Zusammenarbeit und der Austausch zwischen Wissenschaftern, Lehrkräften und Studierenden. 2015 lud die WSL Studierende zum Sommerkurs ins Lötschental ein.

«Wir mussten unsere Fragen zum Thema Wald schriftlich einreichen, damit die Experten sie allen Teilnehmern beantworten können», sagte der
18-jährige Philip Wild. Er hoffe, dass die Wissenschafter ihnen die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Wald-Phänomenen aufzeigten. Sachen eben, die man nicht durch eine Internetsuche herausfinde. Die französischen und deutschen Schüler hatten ihren Forschern ebenfalls Fragen eingereicht, die diese in jeweils beiden Sprachen beantworteten. Dabei ging es um den Nutzen des Waldes für uns Menschen oder die Frage, weshalb Bäume entastet werden.

Aufforsten gegen Lawinen

Der Zürcher Gymnasiast Dominik Senti wollte vom ETH-Waldökologen Harald Bugmann wissen, wie sinnvoll künstliches Aufforsten ist. Das menschliche Nachhelfen bei der Aufforstung werde dort vorgenommen, wo Wald eine wichtige Schutzaufgabe erfüllt, wie etwa in lawinengefährdeten Bergregionen. In Höhenlagen, in denen der Wald rasch nachwachse, also bis 1800 Metern, könne mit Aufforsten die immensen Kosten der Lawinenverbauungen gespart werden.

Plötzlich wurde der ETH-Professor jäh unterbrochen: «Bitte entschuldigt, wir hören euch sehr schlecht», hiess es aus Freiburg. Doch auf technische Schwierigkeiten waren die WSL-Mitarbeiter bestens vorbereitet. Ein paar Klicks auf dem Steuerungs-Laptop und Bugmanns Ausführungen gelangten drei Stufen lauter zu den Schülern in Nancy und Freiburg.

«Die französische Expertin hat ihre vorbereitete Antwort ziemlich schnell runtergeleiert und nur auf Nachfrage eine kurze Antwort auf Deutsch gegeben», sagte Tobias Vontobel in der Pause. Die 17-jährige Klara Sidiropoulos sah die Fragen ihrer Klasse gut beantwortet: «Ich wusste nicht, dass der Preisunterschied zwischen Schutzwald und Lawinenverbauung so hoch ist.»

10 Jahre Forschungsnetzwerk

Die gestrige Fragestunde für Jugendliche bildete eine Premiere für den 10-jährigen Forschungsverbund. Umso gespannter waren die Experten von ETH und WSL vor Beginn der Videokonferenz auf die Reaktion der jungen Teilnehmer. «Schüler nehmen generell gefasste Antworten nicht einfach hin», sagt WSL-Projektleiterin Michèle Kaennel Dobbertin, die die zweisprachige Konferenzschaltung organisierte.

Nicht nur den Inhalt der Antworten, auch die Präsentation nahmen die Zürcher Gymnasiasten kritisch unter die Lupe, wie die Aussage von Philip Wild zeigt: «Professor Bugmanns Antworten waren mit Power-Point-Folien unterlegt und für eine Videokonferenz am verständlichsten.»