«Ist so ein Studium schwierig?» Diese Frage bekam die Vera Luginbühl am Tec Day der Kantonsschule Limmattal am häufigsten zu hören. Die Dozentin und Leiterin der Abteilung für pharmazeutische Technologie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften hielt dort unter der Woche ein Referat zur Biochemie von Drogen. Zusammen mit anderen Referenten aus Forschung und Industrie wollte sie den Schülern damit naturwissenschaftliche und technische Berufe und Studien näher bringen. Denn noch immer herrscht in der Schweiz in diesen Bereichen ein Fachkräftemangel.

Obwohl Pharmazie ein klassisches ETH-Studium mit einer naturwissenschaftlichen Grundlage ist, sind über 70 Prozent der Studierenden Frauen. Dies ist im Vergleich zu anderen technischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen und Berufen ein sehr hoher Prozentsatz. Nichtsdestotrotz, sagt Luginbühl, sind Frauen noch immer untervertreten in diesem Bereich. Sie selbst hatte keine Hemmungen, sich nach ihrem Abschluss an der Kantonsschule Limmattal auf diese Disziplin einzulassen.

«Von Kindesbeinen an habe ich die Anwendungsseiten der Technik erlebt. Ich habe meinen Vater, einen Ingenieur, häufig zur Arbeit begleitet – zum Beispiel an die Eröffnung des Gubristtunnels.» Sie ist sich sicher, dass das private Umfeld einen prägenden Einfluss auf die Fächervorlieben der Schülerinnen und Schülern hat. Deshalb sei es die Aufgabe der Schulen, den Horizont der Schüler zu erweitern. Dies geschehe, indem man ihnen die verschiedenen Möglichkeiten im Beruf und Studium aufzeige.

«Die Naturwissenschaften sind an den Schulen nicht unterrepräsentiert, ihre praktische Anwendung kommt jedoch zu kurz.» Ihrer Meinung nach scheuen sich viele Jugendliche vor einem Studium im Gebiet der Technik und Naturwissenschaft, da sie sich deren Anwendung im Berufsleben nicht vorstellen können. Ein Fach auf Kantonsschulniveau, das die Vernetzung dieser Bereiche mit dem «echten Leben» aufzeigen würde, wäre für Luginbühl eine Bereicherung. «An Veranstaltungen wie dem Tec Day kommen Schülerinnen und Schüler in Berührung mit Personen aus verschiedenen Fachgebieten der Technik und Naturwissenschaft. Hinterher überlegen sie sich erstmals, ein solches Fach zu belegen.» Die Angst am Studium zu scheitern, scheint in diesem Bereich besonders hoch. Vor allem den jungen Frauen mangle es an Selbstbewusstsein. Sie trauen sich ein derartiges Studium nicht zu. Die Lösung liegt für Luginbühl im Zugang der Schüler zu den Naturwissenschaften und Technik. Diese Fächer müssten für die Schüler schon früh erfahrbar gemacht werden. «Die Vernetzung von Disziplinen wie Mathematik, Physik, Chemie, Biologie und Informatik muss gefördert werden. Wenn die Materie auf eine ganzheitliche Art veranschaulicht wird, kann es dazu beitragen, den Schülern die Angst vor diesen Fächern zu nehmen.» Ein Studium im Bereich der Biotechnologie kann Luginbühl wärmstens weiterempfehlen: «Es verbindet die Forschung mit dem angewandten medizinischen Bereich.»