Kloster Fahr

Schule wird zum Mehrgenerationen-WG – doch was passiert mit Restaurant und Bauernhof?

In einem nächsten Schritt wird das Wohnkonzept für die ehemalige Bäuerinnenschule ausgearbeitet.

In der ehemaligen Bäuerinnenschule soll eine Mehrgenerationen-WG entstehen. Sie soll allen Konfessionen offen stehen. Nicht klar ist, was mit dem Restaurant und dem Bauernhof künftig geschehen soll.

Das Kloster Fahr ist fündig geworden auf seiner Suche nach externen Partnern für die Entwicklung und künftige Nutzung der Annexgebäude und Betriebe. Im Rahmen des im November 2017 gestarteten Ausschreibungs- und Auswahlverfahrens hat das Projekt «erfahrbar» den Zuschlag erhalten. Dahinter stehen zwei im Limmattal verankerte Familien sowie die Prosperita-Stiftung für berufliche Vorsorge als Investorin, wie das Kloster gestern mitteilte.

Priorin Irene Gassmann freut sich, dass die Suche nun beendet ist und ein Konzept vorliegt, das zeigt, wie sich das Kloster für die Zukunft rüsten kann. «Wir sind sehr froh und glücklich. Es ist eine wichtige Etappe auf dem Weg in die Zukunft», sagt sie auf Anfrage.

Eine Zukunft, die vorsieht, dass im Gebäude der ehemaligen Bäuerinnenschule bald mehrere Generationen unter einem Dach zusammenleben werden. Geht es nach den Initianten und dem Kloster, soll sich diese Wohngemeinschaft aus Mitgliedern verschiedener christlicher Konfessionen zusammensetzen. «Eine solche Wohnform passt bestens zu der Benediktsregel. Denn sie ist eine Anleitung zum Zusammenleben», sagt die Priorin.

Zudem habe man schon damals, als man die Ausschreibung für die externe Partnersuche lancierte, gespürt, dass es ein Bedürfnis sei, in der Nähe des Klosters zu wohnen. «Einige Leute kamen auf uns zu und sagten, dass sie sich gut vorstellen könnten hier zu leben», sagt die Priorin.

«Mich beeindruckt der Ort»

Auch beim «erfahrbar»-Team rund um die Dietikerin Julia Neuenschwander haben sich bereits etliche Interessenten gemeldet, wie sie auf Anfrage sagt. «Es ist uns aber wichtig, dass sich alle, die sich angesprochen fühlen, melden können. Darum haben wir eine Homepage mit Kontaktformular aufgeschaltet. Wir werden in einem nächsten Schritt das Wohnkonzept ausarbeiten und die Interessenten dann genauer informieren», so Neuenschwander. Für sie sei das Kloster Fahr ein Sehnsuchtsort. «Ich habe lange in der Nähe des Klosters gearbeitet und habe mich regelmässig dort in der Natur ausgeruht oder habe in der Kapelle Gott gesucht. Mich beeindruckt der Ort mit seiner Ausstrahlung», sagt sie.

Doch nicht nur wegen des Wohnkonzepts erhielt das Projekt «erfahrbar» aus über 20 eingereichten Vorschlägen den Zuschlag. «Uns hat das Gesamtkonzept überzeugt», sagt Priorin Irene. So hätten die Initianten auch ein Grobkonzept für die Zukunft des Landwirtschaftsbetriebs und die Gastronomie im Fahr eingereicht. Ziel ist es, die nachhaltige Lebensmittelproduktion und -verwendung für die Besucherinnen und Besucher des Klosters erfahrbar zu machen. «Die Besucher sollen sehen, wie die Lebensmittel produziert und in der Küche verwendet werden», erklärt Priorin Irene. Damit werde auch wichtigen Bedingungen der Schwesterngemeinschaft Rechnung getragen. «Für uns ist klar, dass im Fahr weiterhin ein Gastronomiebetrieb bestehen soll. Vielen Leuten ist es ein Bedürfnis, nach einem Besuch bei uns hier einkehren zu können», sagt sie. Auch dass der Landwirtschaftsbetrieb nachhaltig weitergeführt wird, sei den Schwestern ein wichtiges Anliegen.

Dieser ganzheitliche Ansatz ist auch den Initianten von «erfahrbar» wichtig. «Das Projekt wächst schon lange in uns. Es begann mit dem Suchen nach Antworten für die Herausforderungen unserer Zeit. Wie begegnen wir der zunehmenden Anonymisierung? Ist es möglich nachhaltig, regional verankert und einfach zu leben? Wie können wir unseren Wohnort zu einem Ort der Begegnung, der Gemeinschaft machen?», sagt Neuenschwander. Sie seien überzeugt, dass es einen ganzheitlichen Ansatz brauche, um diese Fragen zu beantworten. Wohnen, leben und zur Ruhe kommen im Gebet, alles soll an einem Ort möglich sein. «Spirituell knüpfen wir an die Tradition des Klosters, konzeptionell an moderne Genossenschaftskonzepte an», sagt sie.

Wer das Restaurant und den Landwirtschaftsbetrieb künftig führen wird, ist derzeit noch offen. Auch wann die ersten neuen Bewohner in die ehemalige Bäuerinnenschule einziehen, wissen die Verantwortlichen nicht. Das Kloster Fahr und die Prosperita-Stiftung werden sich nun gemeinsam mit den Behörden an die Konkretisierung des Konzeptes machen. Sicher ist hingegen, dass das Land, auf dem sich die Annexgebäude befinden, weiterhin im Besitz des Klosters bleiben wird, wie Priorin Irene erklärt.

Lanciert wurde die Suche nach externen Partnern vor gut einem Jahr mit dem Ziel, die grüne Oase im Limmattal für die Bevölkerung langfristig zu erhalten und gleichzeitig auch die Lebensgrundlage für die Schwestern sicherzustellen. Durch Investoren und deren Projekte soll dies gewährleistet werden. Mit Ausnahme von Konvent, Kirche, Kapelle und Propstei wurden deshalb alle Betriebe, Immobilien und Anlagen öffentlich ausgeschrieben.

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