Auf digitalen Zählern am Eingang der Gemeindeverwaltung können Bürgerinnen und Bürger bald ablesen, wie viel Strom die Solarzellen auf ihren öffentlichen Gebäuden liefern. Im vergangenen Jahr hatten die Stimmberechtigten dem Bau zweier Photovoltaikanlagen zugestimmt, nun stehen sie kurz vor der Inbetriebnahme. Ursprünglich war geplant, im Juli mit der Stromproduktion zu beginnen. Die Auslastung der Montagefirmen verzögerte jedoch die finalen Arbeiten auf den Dächern.

Sorgfältige Planung

«Wir wollten nichts überstürzen», erklärt Gemeindeammann Gerhart Isler die Verzögerung. Deshalb habe man Anfang Jahr nicht einfach den erstbesten Anbieter genommen, sondern sich mit der Auftragsvergabe bewusst Zeit gelassen.

Am Montag montierten nun Fachkräfte der Sinser Firma Wyder Bedachungen die Panels auf der Gemeindeverwaltung. Zu diesem Zeitpunkt standen bei der grösseren Anlage auf dem Schulhaus 1 nur noch Elektrik-Arbeiten an.

Stromproduktion für die AEW

Auf dem Dach des Gemeindehauses klemmt Christoph Rusch, Bauführer von Wyder Bedachungen die Bosch-Module auf bereits installierte Schienen. Geschraubt wird nichts, das Aluminiumgehäuse der Solarmodule brauche je nach Temperatur Spielraum zur Volumenänderung, so Rusch.

Die Panels werden einzeln nebeneinander befestigt und in Serie verbunden. Von den beiden äusseren Modulen der Anlage ziehen die Monteure die Stromkabel ins Innere des Gebäudes. Über das Treppenhaus führen sie in den Keller in den Wechselrichter. Dieser wandelt den produzierten Gleichstrom um in Wechselstrom. Erst dieser Schritt macht den Solarstrom für das Versorgungsnetz nutzbar. Über den Hauptverteiler wird der Strom dann ins Versorgungsnetz der Aargauischen Elektrizitätswerke (AEW) eingespeist.

Den Atomausstieg mitgestalten

Schule und Gemeindehaus werden so zu kleinen Stromkraftwerken. Mit der erwarteten Energielieferung von rund 30000 Kilowattstunden pro Jahr lässt sich der Strombedarf von 7 Einfamilienhäusern decken. Gemeindeammann Isler bezeichnet diese Leistung als «durchaus beachtlich». Noch wichtiger seien für die Gemeinde aber die Erfahrungswerte in der Produktion erneuerbarer Energie. Im Rahmen des national beschlossenen Atomausstiegs bis 2030 werden die Gemeinden die saubere Stromversorgung mitgestalten müssen. Bergdietikon sei finanziell gut aufgestellt und könne es sich daher leisten, mit gutem Vorbild voranzugehen, so Isler. «Wir wollen unseren Beitrag von Anfang an leisten», betont er.

Günstiger als berechnet

Dank immer weiter fallenden Preisen für die Solarmodule kosten die Anlagen weniger als ursprünglich berechnet. Die Projektierung eingerechnet belaufen sich die Kosten auf 193000 Franken. Zugestimmt hatten die Stimmbürger im letzten November einem Kredit über 235000 Franken.

In den ersten beiden Betriebsjahren wird die Gemeinde der Netzbetreiberin AEW Strom für jährlich 3000 Franken verkaufen. Mit der kostendeckenden Einspeisevergütung könnten die Einnahmen in einigen Jahren auf jährlich 23000 Franken ansteigen. Derzeit steht Bergdietikon noch in der Warteschlange für Beiträge aus dem Förderfonds für erneuerbare Energien.