Dietikon

Schule muss Provisorien aufstellen - und Klassen werden vergrössert

Auf der Schulanlage Wolfsmatt sollen im Sommer 2016 weitere Provisorien bezogen werden – qualitativ bessere als die bereits bestehenden, versichert die Hochbauabteilung. fni

Auf der Schulanlage Wolfsmatt sollen im Sommer 2016 weitere Provisorien bezogen werden – qualitativ bessere als die bereits bestehenden, versichert die Hochbauabteilung. fni

In der Wolfsmatt müssen Provisorien steigende Schülerzahlen auffangen – dafür geht es mit der Planung eines Schulhausneubaus im Limmatfeld voran.

Der Schulraum in Dietikon wird knapp und knapper. So knapp, dass nun sogar auf zwei Schulhausarealen temporär Platz geschaffen werden muss, um den steigenden Schülerzahlen der wachsenden Bezirkshauptstadt gerecht zu werden. Bereits letztes Jahr gab die Stadt bekannt, dass ab Beginn des Schuljahres 2017/18 Provisorien für acht Klassen auf dem Steinmürli-Areal errichtet werden sollen, was Zuteilungs-Rochaden unter den bestehenden Schulhäusern nach sich ziehen wird. Nun müssen auch für die Schulanlage Wolfsmatt Provisorien angeschafft werden, die im Sommer 2016 bezugsbereit sein sollen.

Und trotz dieser Massnahmen wird die Stadt voraussichtlich auch die Klassen zwischenzeitlich verdichten müssen, wie Schulpräsident Jean-Pierre Balbiani (SVP) bestätigt. «Wir versuchen zwar, Klassenvergrösserungen um jeden Preis zu verhindern», sagt er. Doch die Chancen stünden tatsächlich schlecht, dass man darum herumkomme.

Die Wurzel des Dietiker Schulraumübels liegt im neuen Stadtteil Limmatfeld, genauer gesagt: in der Tatsache, dass im wachsenden Wohnquartier immer noch ein Schulhaus fehlt. 2012 verwarf das Dietiker Stimmvolk eine vom Stadtrat vorgeschlagene Mietlösung klar, seither tut sich dieser schwer mit der Suche nach Alternativen. Denn das einzige mittlerweile noch infrage kommende Grundstück im bald fertiggestellten Limmatfeld ist mit Planungsunsicherheit belegt: Die nach wie vor ausstehende Schutzverordnung für das angrenzende Flachmoor könnte einen Schulhausneubau im Gebiet Stierenmatt immer noch verhindern.

Neubau könnte schon 2020 stehen

Doch allmählich kommt etwas Bewegung in die Sache: Ein Entwurf der Moorschutzverordnung liegt vor, und nun, da dieser in die interne Vernehmlassung geht, ist erstmals so etwas wie Zuversicht bei den Planern zu spüren: «Wir gehen davon aus, dass wir auf dem Gebiet Stierenmatt bauen können», sagt der Leiter der Dietiker Hochbauabteilung, Peter Baumgartner. Die Rückmeldungen der Fachstellen liessen darauf schliessen, «dass die Schutzverordnung einem Schulhausneubau in der Stierenmatt nicht im Weg stehen sollte».

Freilich: Endgültige Planungssicherheit habe man erst, wenn die definitive Verordnung vorliege. «Doch der Zeitdruck ist zu gross, um die Planung so lange zu sistieren», so Baumgartner. Denn: «Wir wollen bereit sein, wenn die Entscheide fallen.» Zurzeit werde die Vorstudie für den geplanten Neubau abgeschlossen, bald gehe es an die Vorbereitungen zum Architekturwettbewerb. So ist mittlerweile auch von einem frühestmöglichen Bezugstermin im Jahr 2020 die Rede. 2014 rechnete man noch nicht damit, dass vor 2022 die ersten Kinder im Limmatfeld zur Schule gehen könnten – wenn überhaupt.

Wolfsmatt muss saniert werden

Bis ein neues Schulhaus aber steht, müssen die Verantwortlichen aus dem vorhandenen Platz das Beste machen — und schnell realisierbare Zwischenlösungen her. Die Wolfsmatt-Provisorien sollen im Gegensatz zu denen im Steinmürli jedoch nicht primär jenen zusätzlichen Schulraumbedarf abdecken, der durch das anhaltende Bevölkerungswachstum entsteht, also nicht als weiteres Auffangbecken dienen für die Klassen, die in Dietikon vorzu neu geschaffen werden müssen. Vielmehr dienen sie als Ersatz für die Zimmer in der bestehenden Schuleinheit Wolfsmatt, die ihrerseits dringend erneuert werden muss. Nicht nur, weil der Bau in die Jahre gekommen ist. Es fehlen auch Gruppen- und Spezialräume, die das neue Volksschulgesetz vorschreibt. Eine reine Sanierung reicht deshalb nicht aus.

Der Anlage steht also eine umfassende Frischekur bevor. Weil die vorgeschriebenen Räume im bestehenden Schulvolumen nur auf Kosten von Unterrichtszimmern errichtet werden könnten, ist auch die Erstellung eines Zusatzneubaus oder -anbaus «durchaus vorstellbar», so Baumgartner. Dies komme aber nicht einer Schulraumerweiterung gleich: Die Anzahl Klassen soll danach nicht grösser sein als zuvor.

Die Provisorien auf der Schulanlage Wolfsmatt sind aber nicht nur als Übergangslösung während der Erneuerungsarbeiten geplant. Weil die Wolfsmatt-Provisorien bereits ein Jahr vor den Steinmürli-Pavillons stehen sollen, sei «denkbar, dass sie im ersten Betriebsjahr noch zur Entschärfung der Schulraumknappheit herbeigezogen werden», so Baumgartner – sprich: dass auch Kinder aus anderen Schuleinheiten dort temporär unterrichtet würden.

Stimmvolk hat das letzte Wort

Die Mietprovisorien, deren Kosten heute noch nicht beziffert werden können, sollen aber nur während fünf Jahren genutzt werden; bis dann will die Stadt die Wolfsmatt bereits auf Vordermann gebracht haben. «Ein sportlicher Plan», räumt Baumgartner ein, muss doch sicher der Baukredit, vielleicht sogar der Planungskredit, noch diverse submissionsrechtliche und politische Hürden nehmen. Das letzte Wort wird das Stimmvolk haben.

Ebenfalls an der Urne wird über die beiden geplanten Pavillons auf dem Steinmürli-Areal bestimmt. Deren geschätzte Kosten betragen mittlerweile 5,7 Millionen Franken. Dafür sollen sie nötigenfalls 15 bis 20 Jahre lang genutzt werden können, so Baumgartner – unter anderem «als Ausweichfläche für Instandsetzungsmassnahmen an weiteren Schulanlagen». Damit müssten sie aber auch höhere Baustandards erfüllen als einfache Containerprovisorien.

Bei den Steinmürli-Pavillons ist der Zeitplan genauso ambitioniert: Noch Ende Mai soll das Planwahlverfahren ausgeschrieben, im Herbst 2016 die Volksabstimmung durchgeführt und im Juli 2017 die Pavillons bereits bezugsbereit sein. Weil die Zeit, die da noch für die Erstellung bleibt, so knapp bemessen ist, ist ein Holzbau vorgesehen, so Baumgartner. Hochbauvorsteherin Esther Tonini (SP) weiss, dass der Zeitplan ehrgeizig ist. «Doch wir haben gar keine andere Wahl, als ihn einzuhalten.» Sie glaubt zudem, dass die Dringlichkeit, zu handeln, sowohl in der Politik als auch beim Stimmvolk angekommen ist – und hofft deshalb, dass beide den Plänen ihren Segen geben werden.

Auch Schulpräsident Balbiani hofft inständig, dass die nötigen Hürden schnell genommen werden können. «Die Notwendigkeit ist mehr als ausgewiesen», sagt er. Selbst wenn er von hitzigen Diskussionen im Gemeinderat ausgeht, denke er, dass das Parlament davon überzeugt werden könne, «dass diese Massnahmen leider einfach nötig sind». Käme es zu weiteren Verzögerungen, «gerieten wir wirklich in einen Notstand». Denn einen Plan B gebe es nicht — «weil die beste Lösung in intensiver Arbeit erarbeitet wurde», so Balbiani.

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