Im Kanton Zürich belegen 27 Prozent der Gymnasiasten das Fach Latein oder Altgriechisch. Das zeigt die erste landesweite Umfrage des schweizerischen Altphilogen-Verbandes (SAV). An der Kantonsschule Limmattal ist das Interesse an alten Sprachen aber deutlich geringer.

Robert Diem, seit einem halben Jahr Fachvorsteher für Latein und Altgriechisch am Gymnasium in Urdorf, kann sich den Grund dafür nicht abschliessend erklären. «Viele Jugendliche haben ein falsches Bild vom Lateinunterricht», sagt er. Die Annahme, dass während der Stunden nur Grammatik gepaukt werde, stimme nicht. «Philosophische Fragen, Rhetorik, Mythologie und geschichtliche Aspekte der Antike beschäftigen uns im Lateinunterricht genauso.»

Die Fachschaft der alten Sprachen, bestehend aus vier Lehrpersonen, versuche den Unterricht möglichst attraktiv zu gestalten. Damit der Lateinunterricht an der Kantonsschule beliebter wird, will das Gymnasium nun mit verschiedenen Projekten für das Fach werben. «Es braucht jetzt speziellen Aufwand, um den Schülern zu vermitteln, weshalb Latein ein attraktives Fach ist», so Diem. Mit einem Lateinwettbewerb für die Zweitklässler und Posten, die die verschiedenen Facetten des Faches aufzeigen, sollen die Schüler für die Wahl von Latein als Schwerpunktfach motiviert werden. Des Weiteren steht die Frage der Einführung des Freifachs Latein im Raum.

Schüler sehen den Nutzen nicht

Während der Zeit am Gymnasium Latein nicht zu belegen, sieht Diem als verpasste Chance an. Latein sei ein Luxus, in dessen Genuss man an der Kantonsschule gratis komme. Das spätere Erlernen der Sprache koste viel Geld. «Indem man am Gymnasium Latein lernt, lässt man sich viele Perspektiven für spätere Weiterbildungen offen», so Diem. Sich breit bilden zu lassen, sei schliesslich ein primäres Ziel der Kantonsschule. «Das Problem ist, dass Schüler in einem Fach immer einen unmittelbaren Nutzen sehen möchten. Das ist im Latein nicht unbedingt der Fall», sagt er. Deshalb sei es eine Herausforderung, den Zweitklässlern zu vermitteln, weshalb die Wahl des Faches für ihre Zukunft entscheidend sein könne.

Schulisches Brückenfach

Christian Utzinger ist Fachschaftsleiter für alte Sprachen am Sprachzentrum der Universität Zürich. Als Dozent versucht er, scheinbar verstaubte Türen aufzustossen und den Studenten die dahinterliegenden Schätze der Antike zu zeigen. Er sieht Latein als schulisches Brückenfach, das viele Bereiche miteinander verknüpft. «Alte Sprachen verbinden Fremdsprachen, Muttersprache und Geschichte. Gleichzeitig sind sie eine Zwischenstellung für Sprachfächer und mathematisch-naturwissenschaftliche Fächer.» Vor allem an der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich sei das Latinum für eine grosse Zahl von Studiengängen Voraussetzung. Im engeren Sinne gehe es dabei um Fächer, die sich mit der historischen Tradition in Europa befassten. «Überall, wo dies eine Rolle spielt, sind auch die beiden alten Sprachen wichtig. Dazu gehören Geschichte, Sprachen an sich, Philosophie und noch vieles mehr.»

Diem hofft indessen, dass sich durch die Bemühungen der Kantonsschule Limmattal in Zukunft mehr Schüler für den Lateinunterricht begeistern können. «Mich fasziniert Sprachgeschichte und Sprachentwicklung. Speziell die Literatur im Griechischen ist sehr spannend», sagt Diem. Man könne dort die Anfänge der westlichen Literatur, jene des Theaters und der Philosophie finden und mitverfolgen. «Alle Jugendlichen, die ich bisher in Latein unterrichtet habe, konnten mir ein sehr gutes Feedback geben. Sie kommen gerne in den Unterricht.»