Irina und Alessia legen zwei längliche Kartons aufeinander und kleben dünn zugesägte Holzstäbe dazwischen. Ihr Team von Kantonsschülern arbeitet zu fünft an einer Brücke, die sie nach der Idee einer modernen Stahl-Beton-Konstruktion aufbauen wollen. Lediglich eine selbst angefertigte Bleistiftskizze hilft den Jugendlichen, sich während des Brückenbaus aus Holz und Papier zu orientieren.

Für den Ingenieurberuf begeistern

Gebastelt wird im Rahmen der Technikwoche, die vom Verband IngCh angeboten wird, um junge Menschen für die Ausbildung als Ingenieur begeistern zu können. Die Schüler erhalten einen Einblick in die verschiedenen Facetten des Berufs und sollen ihre Vorurteile abbauen können. Die Technikwoche wird mittlerweile an über 30 Kantonsschulen im Jahr angeboten. Denn Ingenieur und vor allem Ingenieurin, ist immer seltener der Wunschberuf von Jugendlichen. Und doch braucht es immer mehr davon und überall. «Wir möchten eine möglichst breite Palette des Ingenieurberufs aufzeigen», sagt Projektleiterin Inci Satir.

Nachdem die Jugendlichen in den vergangenen Tagen eine Schaumstofffabrik besucht, am Institut für Computerlinguistik mit Experten Sprachen programmiert und ein Ei-Fall-Gerät konstruiert haben, dürfen sie sich am Brücken bauen versuchen. Dabei ist es wichtig, dass die Teamarbeit funktioniert. Bauingenieur Michael Dillo zeigt den Jugendlichen auf, worauf es bei der Zusammenarbeit ankommt. Schnell wird klar: Verschiedene Begabungen im Team bereichern das Ergebnis. Pro Gruppe wird ein Schüler bestimmt, der die Teamrollen beobachtet und auswertet. Hinzu kommt der technische Teil der Arbeit. Dillo stellt verschiedene Brückentypen vor und erklärt, wie diese mit den Hilfsmitteln Papier, Karton, Schnur und Kleber umsetzbar sind.

Brücke aus Papier hält 80 Kilo aus

Die Gruppen haben sich für ganz unterschiedliche Konstruktionen entschieden. Im Vordergrund steht bei allen Teams die Belastbarkeit der Brücke. Schliesslich soll sie einen mit Wasser gefüllten Kanister tragen können, ohne unter dem Gewicht zusammenzubrechen oder durchzubiegen. «Eine solche Brücke aus Papier kann bestenfalls bis zu 80 Kilo aushalten», so Dillo.

Das Team von Uros verbindet zwei Kartonplatten mit Schnur, die dafür sorgen soll, dass die Brücke stärker belastbar ist. Andere Gruppen setzten auf farbige Papierrollen, die sie zwischen zwei Kartons anbringen, um mehr Stabilität zu bekommen und zusätzlich Punkte beim Kriterium Design zu erhalten. Denn das ist nebst dem Belastbarkeitstest ein weiterer Punkt, der bei der Bewertung berücksichtigt wird. Im Vergleich zu früher, sind Brücken heute richtige Leichtbauten. Deshalb werden die Brücken auch nach ihrem Gewicht bewertet. Mit viel Elan nutzen die Jugendlichen die Zeit, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen.

Die Jugendlichen beurteilen auch die Arbeit im Team und bewerten gegenseitig ihre Präsentationen der Brücken. Dillo führt seinen Workshop mehrmals im Jahr im Rahmen der Technikwoche durch und sagt: «Die Jugendlichen sind begeistert dabei. Nachdem sie viel zuhören mussten, arbeiten sie gerne selber und kreativ.»

Schüler zeigen sich interessiert

Klassenlehrer Stefan Bolliger sieht die Technikwoche als einen Gewinn für alle Beteiligten. «Wäre ich selbst nochmals jung, könnte ich mir auch vorstellen, in der Computerlinguistik zu arbeiten», sagt er. Damit steht er nicht alleine da. Auch der 17-jährige Peter schliesst nicht aus, einmal in den Beruf als Ingenieur einzusteigen: «Ich kann mir das durchaus vorstellen, wenn es nicht zu viel mit Mathematik zu tun hat.» Seine Teamkollegin Alessia meint, sie hätte bis anhin gar nicht genau gewusst, was ein Ingenieur für eine Aufgabe hat «Ich habe mich nie damit auseinander gesetzt», sagt sie. Doch es sei spannend zu sehen, wie vielseitig der Beruf tatsächlich ist.