Die Blätter fallen, es wird kälter: Der Herbst ist da und mit ihm die Pilzsaison. Manch einem läuft beim Gedanken an ein Pilzragout das Wasser im Mund zusammen. Und wieso nicht gleich selbst in den Wald gehen, um die Hauptzutat zu pflücken? Aber Achtung: Das Pilzesammeln ist nicht uneingeschränkt erlaubt.

Im Kanton Zürich dürfen heute vom ersten bis zum zehnten Tag des Monats keine Pilze gesammelt werden. Doch geht es nach dem Dietiker Kantonsrat Andreas Wolf (Grüne), soll diese Beschränkung aufgehoben und durch den Biotopschutz ersetzt werden. Dieser würde das Sammeln in als schützenswert eingestuften Gebieten verbieten.

Das fordern Wolf und zwei Mitunterzeichnende in einem Kantonsrats- Postulat. Darin verweisen sie auf Studien, die belegen, dass eine Festlegung von Schontagen keinen effizienten Pilzschutz gewährleistet.

Experimente in Schweizer Wäldern, welche die in Birmensdorf beheimatete Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) durchgeführt hat, zeigen: Das Ernten von Fruchtkörpern hat keinen Einfluss auf die Artenvielfalt. Das Betreten des Waldbodens hingegen schon.

Mengenbeschränkung soll bleiben

«In Städten und in der Agglomeration sind Pilze aufgrund des Bevölkerungsdrucks besonders gefährdet», erklärt Wolf, seines Zeichens Präsident des Pilzvereins Dietikon. Zudem sei das Selbersammeln wieder in: «In den letzten paar Jahren hat das Interesse an Pilzen zugenommen», so Wolf. Die Postulanten verlangen deshalb auch, dass die zurzeit geltende Mengenbeschränkung von einem Kilogramm pro Tag und Person beibehalten wird. «1 Kilogramm ist für den Eigenbedarf mehr als ausreichend.»

Ein Teil der Flächen, auf denen schützenswerte Pilzarten vorkommen, sind bereits heute als Naturschutzgebiete definiert. Nachholbedarf sieht Wolf bei Waldflächen: Weil im Kanton nur ein geringer Anteil davon unter Naturschutz steht, sind schützenswerte Pilze dort nicht nur Sammlern, sondern auch schweren Waldbewirtschaftungsmaschinen ausgesetzt. «Wichtig ist, dass nicht nur das Gesetz geändert wird, sondern dass es auch strikt umgesetzt wird», so Wolf.

Schontage bringen wenig

WSL-Pilzexperte Simon Egli erachtet das Anliegen der Postulanten als sinnvoll. «Die Einführung des Biotopschutzes entspricht unseren Empfehlungen und nützt den Pilzen bestimmt mehr als Schontage», sagt er. Auch im Limmattal gebe es - zum Beispiel im Bereich von Flussauen - einige Flächen, die seltene Pilzarten bergen.

Dort wäre ein gesetzlich verankerter Biotopschutz angebracht, nicht nur wegen der Pilze selbst: «Von einer Schutzverordnung würde die ganze Umgebung profitieren. Pilze sind auch funktionell sehr wichtig, weil sie symbiotisch funktionieren», so Egli.

Die Dietiker Pilzkontrolleurin Verena Martinelli ist damit nicht jedoch nicht ganz einverstanden. Zwar begrüsst sie die Abschaffung der Schontage. Die Alternative Biotopschutz erachtet sie jedoch nicht als notwendig. «Im Limmattal besteht keine akute Gefährdung für Pilze», meint sie. Zudem würden Gesetze nur beschränkte Wirkung zeigen. «Wer Pilze sammeln will, sammelt sie, Gesetz hin oder her.» Auch die Mengenbeschränkung findet sie unnötig: «Die Leute haben gar keine Lust, kiloweise Pilze zu putzen. In der Regel übertreiben es die Sammler nicht.»

Wenig Widerstand erwartet

Ob nötig oder nicht: Sollte der Biotopschutz für Pilze eingeführt werden, würde das bedeuten, dass schützenswerte Flächen erst als solche definiert werden müssten. «Natürlich bräuchte es einige Vorarbeit, um die schützenswerten Biotope auszuscheiden», sagt WSL-Experte Egli.

Wolf ist sich auch bewusst, dass eine Gesetzesänderung in gewissen Gebieten eine Nutzungsbeschränkung nach sich ziehen würde. Besonders bei der Waldbewirtschaftung dürften Änderungen bevorstehen. «Es würde in geschützten Gebieten wohl auf weniger Maschinen- und mehr Handarbeit herauslaufen», so Wolf.

Doch er ist zuversichtlich, dass das Postulat auf keinen grossen Widerstand stossen wird. «Das Anliegen ist breit abgestützt. Da es in den meisten Parteien Pilzsammler hat, rechne ich mir gute Chancen aus.»