Dietikon/Urdorf

Schoggistängeli machen Handballer munter: zu Besuch im HCDU-Lager in Bütschwil

Noch bis morgen Freitag zelebrieren 59 Nachwuchs-Handballer und ihre Leiter im Toggenburg das Herbstcamp des HC Dietikon-Urdorf.

Das Wiedersehen nach vielen Jahren ist äusserst herzlich. «Schau an, ein alter Bekannter kommt nach Hause», sagt Toni Lisibach grinsend. Lisibach, 79-jähriges Limmattaler Handball-Urgestein und seinerzeit Mitbegründer des Juniorencamps des Handballclubs Dietikon-Urdorf, sitzt im Essraum des Lagerhauses in Bütschwil im Toggenburg und begrüsst den Journalisten der Limmattaler Zeitung.

Man hat sich lange nicht mehr gesehen und dementsprechend gibts viel zu plaudern. «Möchtest du einen Kaffee?», fragt Lisbeth Binder den Gast. Sie schmeisst zusammen mit Barbara Snedkerud und ihren Kolleginnen seit Jahren die Lagerküche. Die Damen bereiten das Mittagessen vor: Gemüsedip, Bratwürste und frisches Brot stehen auf dem Speiseplan, zum Dessert gibts Mohrenköpfe und Schoggistängeli. Aufgrund des angenehmen Wetters wird draussen gegessen. «Die Küche ist wie jedes Jahr top», bilanziert Sascha Schoenholzer, «wir können froh sein, dass wir so gut verpflegt werden.» «Zum Glück», wirft Lisibach ein, «früher was das ganz anders.»

Schoenholzer leitet das Camp seit 2004 und pendelt unter der Woche zwischen seinem Wohnort Bütschwil und dem Training mit dem NLA-Klub GC Amicitia. Dort amtet er als Assistent von Trainer Arno Ehret als Trainerduo. Stressig sei das nicht, sagt Schoenholzer, er mache das gerne für die Kinder.

Oben in der Halle geht es derweil ordentlich zur Sache. Unter der Aufsicht von Damen-Trainerin Manuela Strebel und Torhüterin Kaltrina Ramoja absolvieren die Mädchen und Buben in Teams einen schweisstreibenden Postenlauf – Sprossenwandklettern und Basketballspielen inklusive. Polysportives Training lautet das Schlüsselwort. Eine Woche lang nur Handball spielen, das will hier niemand. «Es machen alle sehr gut mit», lobt Strebel. Nach dem Mittagessen steht ein Minihandballturnier auf dem Programm. Gespielt wird gleichzeitig auf zwei Feldern quer in der Halle, geschossen wird auf kleine Tore. Auch hier herrscht gute Stimmung trotz sportlichem Ehrgeiz.

Auch wenn der Umgang untereinander äusserst freundschaftlich und betont locker ist, während der Campwoche wird seriös gearbeitet. «Die Kids üben intensiv. Wir legen aber auch Wert auf Fairness und Respekt», sagt Schoenholzer. Probleme hätte es in all den Jahren keine gegeben, jedenfalls keine nennenswerten. Das eine oder andere Mal verspürte ein Kind Heimweh, doch das habe sich meistens nach ein paar tröstenden Worten wieder gelegt, so Lisibach. «Einmal holte eine Mutter ihren Sohn für eine Nacht nach Hause, brachte ihn am folgenden Morgen wieder nach Bütschwil und dann war der Kleine den Rest der Woche bei uns.»

Der Startschuss fiel im Wallis

Die Anfänge des Juniorenlagers reichen knapp 40 Jahre zurück. «Wir organisierten 1980 erstmals eine solche Woche», erinnert sich Toni Lisibach. «Damals waren wir in Fiesch im Wallis.» Er ist zusammen mit Markus Portmann einer der «alten Dietiker» und war bis zur Fusion mit dem HC Urdorf/Stapo 1993 beim HC Dietikon aktiv. Wenn Lisibach und Portmann einmal ins Erzählen kommen, gibts kein Halten mehr. Die beiden brennen immer noch für ihren Lieblingssport, Anekdoten aus früheren Lagerjahren erzählen sie, ohne einmal Atem zu holen. Die ersten neun Camps fanden immer wieder an anderen Orten statt. Ob Fiesch, Horw, Oberägeri oder Lenzburg – nicht immer waren die Dietiker Handballer zufrieden mit Unterkunft und Trainingsmöglichkeiten. «Die ersten Jahre war das Essen wirklich scheusslich», bringt es Lisibach auf dem Punkt. Portmann stimmt nickend zu.

Die Wende kam 1988, fünf Jahre vor der Fusion. Dank eines Zufalls konnten sich die Limmattaler in der ehemaligen Militärunterkunft im sankt-gallischen Bütschwil einmieten. «Dieser Ort ist ideal für uns», sagt Lagerchef Schoenholzer, «wir haben genügend Platz in den Schlägen, die Sporthalle ist auch im Haus und nebenan befindet sich das Hallenbad – alles passt.» Vor allem aber können die Handballer seither ihre eigene Küchenbrigade mitnehmen. «Das war ein Quantensprung», sagt Portmann und lächelt.

Bis morgen Freitag dauert das Camp noch, dann ist der Lagerzauber auch schon wieder vorbei. Auf die rhetorische Frage, ob auch im kommenden Jahr ein Nachwuchs-Camp stattfinden wird, zeigt Lagerchef Schoenholzer lächelnd mit dem Daumen nach oben.

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