Das Viereck dominiert das Gesicht des neuen Limmattals, es gibt kaum einen Weg darum herum, hier, in den Neubaugebieten Schlierens und Dietikons, wo das Prinzip der Verdichtung zusehends Realität wird.

«Kleinkariert», entfährt es unserem fotografierenden Begleiter, als wir an der Fassade des Schlieremer Goldschlägi-Hochhauses emporblicken.

Der Fachmann, Architekturkritiker Caspar Schärer, widerspricht ihm nicht. Der «Super-Ökoturm», wie er ihn nennt, habe eine Fassade in einer wenig inspirierenden Farbe und stehe mit zu wuchtigen Pfeilern am Boden.

Sie bestimmen, was schön ist - in der grossen Umfrage zur neuen Limmattaler Architektur

In den vergangenen paar Jahren schossen im Limmattal ganze Quartiere aus dem Boden. Wie gefallen Ihnen die neuen Bauten? Hier haben Sie die Gelegenheit, sie zu bewerten.

Die Wohnüberbauung der Zürcher Architekten Gigon/Guyer (aus ihrer Feder stammt auch der Prime Tower in Zürich) südöstlich des Schlieremer Bahnhofs war eines der ersten augenfälligen Bauwerke, die den Boom im Limmattal einläuteten. Gefällt Ihnen dieser Bau?

Ja, sehr. Genau so vereint man Ästhektik und Nutzen.

Jein. Die Seite mit den Balkonen gefällt mir, die rote Fassade gegen die Gleise hin gar nicht.

Jein - bei mir ist es genau umgekehrt: Die Balkone finde ich abscheulich.

Nein, ich finde, das Gebäude passt nicht in diese Umgebung.

Nein, mir ist das Ding viel zu farbig.

Das Parkside zwischen Schlieremer Bahnhof und Ringstrasse wurde 2011 fertiggestellt. Gefällt Ihnen dieser massive Backstein-Bau, der Schlierens Zentrum ein neues Gesicht verlieh?

Sehr. Dieser moderne Bau mit seinen schlichten Linien tut dem Schlieremer Zentrum gut.

Das Parkside ist in Ordnung. Kein riesiger Wurf, aber ok.

Die grosse Geste finde ich gut. Aber dass es unbedingt dieses Projekt sein musste...? Naja.

Die Architektur finde ich in Ordnung. Aber das Gebäude nimmt zu viel Platz ein.

Nein, auch ich finde dieses Gebäude eine architektonische Missgeburt.

Weiter gehts auf die Nordostseite der Gleise. Im Glasbau rechts bezog unter anderem Sony 2011 neue Büros, nebenan steht eine Wohnüberbauung. Eine gelungene Auffrischung des Areals?

Ja, mir gefällt die gesamte Arealentwicklung inklusive einzelnen Gebäuden sehr gut.

Das Sony-Gebäude gefällt mir sehr. Die Wohnüberbauung ist eine andere Geschichte.

Es ist genau umgekehrt.

Aus diesem Gebiet hätte man mehr herausholen können.

Ich finde jedes einzelne Gebäude hier ganz fürchterlich.

Die Storen mit dem klingenden Namen "Iris" schillern einem schon von weitem entgegen. Macht die Kunstinstallation des Künstlers Kerim Seiler dieses Bürogebäude auf der Nordseite des Schlieremer Bahnhofs zur Augenweide?

Ja, total. Ist doch schön, etwas Farbe zwischen all dem Grau!

Farbe ist generell gut, das stimmt. Aber diese Farben finde ich etwas unharmonisch.

Einzeln betrachtet, gefällt mir das Gebäude, gerade auch die Storen. Leider passt es überhaupt nicht in sein Umfeld.

Ich bin auch nach zwei Jahren noch hin- und hergerissen, ob mir das gefällt oder nicht.

Das Gebäude darunter finde ich ganz in Ordnung - wenn nur die Storen nicht wären.

Mit 14000 Quadratmetern Fläche ist dieser Wohn- und Gewerbebau am Schlieremer Goldschlägiplatz einer der massigsten in der Region. Was halten Sie von ihm?

Das Gebäude gefällt mir ausserordentlich. Farbe, Form und Nutzen passen hier perfekt zusammen.

Mir gefällt die grüne Fassade gut. Vielleicht ist aber alles ein Stück zu gross geraten.

Zum Anschauen ganz ok. Ob ich darin wohnen möchte, ist eine andere Frage.

Nicht mein Favorit.

Dieses Gebäude ist ein Monstrum. Schrecklich.

Der Rietpark: Er wird sich über 40 000 Quadratmeter erstrecken und das Färbi- mit dem Geistlich-Areal verbinden. Finden Sie Gestaltung dieses Freiraums ansprechend?

Ja, hier will man verweilen. Mehr davon!

Ja. Ohne solche Räume dürfte es aber auch gar nicht erlaubt sein, neue Quartiere zu bauen.

Der Park ist hübsch gestaltet. Ob er aber auch gleich so viel Platz einnehmen muss? Da hätte doch gut noch ein weiteres Haus draufgepasst.

Finde ich jetzt nichts Spezielles.

Der Park gefällt mir nicht.

Das erste Minergie-P-Eco-Wohnhochhaus der Schweiz steht am Goldschlägiplatz. Besteht es auch den Ästhetiktest?

Absolut. Schlicht, elegant und doch imposant.

Ja, durchaus. Vielleicht ist es etwas gar schlicht geraten - es muss aber ja auch nicht jedes Gebäude gleich laut schreien.

Der Mut zur Höhe ist zu loben. Über die Gestaltung kann man sich streiten.

Das ist so ein typischer 0815-Bau - lässt mich völlig kalt.

Nein, gar nicht. Dieses Gebäude löst in mir Beklemmung aus.

Nun gehts ab nach Dietikon - ins Limmatfeld, das sich um den Rapidplatz herum orientiert. Ein gutes Beispiel für ein modernes Stadtquartier-Herz?

Der Rapidplatz ist der schönste öffentliche Platz im Limmattal. Punkt.

Der Platz gefällt mir gut. Wenn er nur etwas besser gepflegt würde.

Der Rapidplatz alleine wäre toll. Aber die vielbefahrene Strasse daneben ruiniert ihn gänzlich.

Muss man den Städteplanern nun auch noch dazu gratulieren, dass sie nicht einfach Klotz neben Klotz stellen?

Der Platz hätte grosses Potenzial gehabt. Die Ausführung hat dieses leider überhaupt nicht ausgeschöpft.

Der Lindenhof stammt vom Berliner Architekten Hans Kollhoff, der auch das städtebauliche Konzept fürs Limmatfeld lieferte. Wie gefällt Ihnen dieses Gebäude, das als eines der ersten am Rapidplatz fertig war?

Mir gefällt das Gebäude sehr gut.

Ich finde es nicht besonders bemerkenswert. Aber immer noch schöner als die benachbarten Klotzbauten.

Na ja, es ist halt ein Gebäude.

Das Gebäude selbst wäre schon in Ordnung. Aber es passt überhaupt nicht zu den anderen Gebäuden rund um den Platz.

Von allen Gebäuden im Limmatfeld gefällt mir dieses am wenigsten. Ich finde es bünzlig.

Die Kolonnaden entlang der Heimstrasse: Sie sollen im Limmatfeld städtisches Flair schaffen. Gelingt ihnen das?

Ja, in "unserer kleinen Stadt" fühlt man sich nicht zuletzt dank solcher Bauelemente tatsächlich wie in einer kleinen Stadt.

Städtisches Flair? Ich weiss nicht... Mir gefällt die Bauweise trotzdem.

Die Kolonnaden an sich finde ich gut. Dass davor kein Trottoir, sondern Parkplätze stehen, ruiniert den Effekt aber.

Städtisches Flair schaffen sie schon. Nur ist das nicht etwas, das gelobt werden sollte!

An diesem Säulenbau stimmt einfach nichts: Er blockiert die Sicht auf die Geschäfte, ist schwer zugänglich und dem Auge schmeichelt er auch nicht gerade.

Im Innern des Zypressenhofs steht dieses Gebäude. Gefällt es Ihnen?

Ja. Besonders gefällt mir die Holzfassade, die Witterungserscheinungen als Kapital zu nutzen weiss.

Ja. Holz macht ein Gebäude einfach immer sofort viel ansprechender.

Das Gebäude ist schön. Schade ist, dass es auf dem Platz davor so wenig Grün hat.

Ich finde es nicht bemerkenswert.

Nein, dieses Geld hätte man besser investieren können.

Bald ist es geschafft. Doch zuerst schauen wir noch beim Zedernhof vorbei: Ein schöner Innenraum?

Sehr. Hier können die Kinder spielen, die Erwachsenen auf den Bänkli sitzen und rundherum Tupfer von Grün. So holt man das Maximum aus den engen Platzverhältnissen heraus.

Ja, der ist ganz in Ordnung.

Zu diesem Innenhof habe ich keine Meinung.

Bei so vielen Türen bekomme ich Platzangst. Oder wie die Angst vor vielen Türen auch immer heissen mag.

Hier wird ja wohl ganz bestimmt nie jemand spielen - zu kalt, zu unpersönlich, zu dunkel.

Und nun zum grossen Finale: dem Limmat Tower. Auf ihm lasten grosse Erwartungen. Kommt die Architektur da mit?

Ich liebe den Limmat Tower. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Anfangs war ich ja skeptisch. Aber der Limmat Tower ist wirklich sehr schön herausgekommen. Besonders gut gefällt mir die Fassade, die das Wetter so schön wiederspiegelt.

Der Tower gefällt mir gut. Wieso aber auch er auf diesen schrecklichen Steinstützen stehen muss, verstehe ich nicht. Die Metalloptik hätte bis zum Boden durchgezogen werden müssen.

Es war überfällig, dass ein richtiges Hochhaus im Limmattal steht. Ich finde aber: Wenn schon, denn schon. 80 Meter sind zu wenig.

Nein. Dieser Turm kann nicht viel mehr, als Schatten zu spenden.

Vielen Dank fürs Mitmachen - das Resultat der Umfrage: demnächst in der Limmattaler Zeitung.

Und nun ab nach draussen, die neuen Quartiere wollen belebt werden!

Stadtentwicklung im Limmattal

In ihm weckt das 2013 eingeweiht Gebäude Erinnerungen an Plattenbausiedlungen – «nicht gerade anregend.»

Fragt man die Kollegen auf der Redaktion, tönt es gänzlich anders. Von einer eleganten Schlichtheit ist hier die Rede, von einem Gebäude, das nicht krampfhaft das Originelle suche und trotzdem, nicht nur seiner Höhe wegen, aus der Masse heraussteche.

Die diametral entgegengesetzten Gefühle, die der Anblick des Goldschlägi-Hochhauses hervorruft, zeigen, dass auf die alte Binsenwahrheit Verlass ist: Schönheit liegt, zumindest zu einem grossen Teil, im Auge des Betrachters.

„Caspar Schärer befasst sich schon lange mit der städtebaulichen Entwicklung im Limmattal. Mit uns unternahm er einen Architektur-Rundgang durch die Neubaugebiete Schlierens und Dietikons.

„Caspar Schärer befasst sich schon lange mit der städtebaulichen Entwicklung im Limmattal. Mit uns unternahm er einen Architektur-Rundgang durch die Neubaugebiete Schlierens und Dietikons.

Nun, da die neuen Quartiere in Schlieren und Dietikon allmählich ihren Weg von der Visualisierung in die Wirklichkeit geschafft haben, lohnt es sich dennoch, einmal innezuhalten, in die Häuserschluchten und den Himmel zu schauen und sich die Frage zu stellen:

Wird hier im Zuge des Verdichtungs-Diktats das Limmattal verschandelt, wie vielerorts behauptet wird? Oder tragen die zahlreichen neuen Gebäudekomplexe im Gegenteil dazu bei, es nach Jahrzehnten des Hässlichen-Entchen-Daseins zu verschönern?

Caspar Schärer sagte sofort zu, sich mit der Limmattaler Zeitung auf die Suche nach dem Schönen in den Neubaugebieten zu begeben. Der ausgebildete Architekt, der als wissenschaftlicher Assistent am ETH-Institut für Geschichte und Theorie der Architektur wie auch als Redaktor bei der Zeitschrift «Werk, Bauen + Wohnen» arbeitet, befasst sich schon seit einiger Zeit mit der städtebaulichen Entwicklung des Limmattals. Auf keinen Fall wolle er aber jemandem vorschreiben, was man als schön zu empfinden habe und was nicht. Ein solches Verdikt wolle, ja könne er gar nicht im Alleingang fällen, warnt er schon am Telefon.

Schlieren: Viele bunte Fassaden und grosse Vielfalt

Der Rundgang beginnt dort, wo die ersten augenfälligsten Exemplare die neue Ära der baulichen Verdichtung einläuteten: am Bahnhof Schlieren, wo 2009 die Wohnüberbauung der Migros Pensionskasse bezogen wurde; zwei Jahre später folgte das Parkside. Bei der Goldschlägi-Überbauung, ein Traum in Rot-Weiss-Blau, kommt Schärer ins Schwärmen. Den Architekten Annette Gigon und Mike Guyer – ein paar Kilometer ostwärts thront ihr Prime Tower über denselben Bahngleisen – sei hier wahrlich Bemerkenswertes gelungen: Das direkt am Schienenstrang stehende Gebäude erfülle zwar, wie alle anderen, auch die strengen Lärmschutz-Vorschriften, mache dank mutiger Farbgebung, variierender Gebäudehöhen – «wie ein Gebirge!» – und gelungener Einbettung in die Umgebung aber vor allem optisch eine gute Figur.

Auch die Parkside-Überbauung zwischen Bahnhof und Ringstrasse spricht Schärer an. Von einer «architektonischen Missgeburt», wie sie kürzlich ein Parlamentarier nannte, will er nichts wissen. Ihm gefällt die klare Struktur, die eine beliebte 1960er-Bauweise modern interpretiere, die Optik des «glaubwürdigen» Backsteins und der Umstand, dass das Parkside mit den Bauten jenseits des Stadtplatzes «gut kommuniziere». Das Gebäude sei zudem auch mustergültig inszeniert: «Eine solch mächtige Fassade braucht Raum», sagt er – und davon gibt es auf dem breiten Trottoir und der brachliegenden Wiese in der Ringstrasse genug.

Weiter geht es über die Engstringerbrücke auf die Nordostseite des Bahnhofs, wo seit 2011 unter anderem die Elektronikfirma Sony in einem massigen Glasbau zuhause ist. An ihm hat Schärer weder etwas auszusetzen noch besonders hervorzuheben – «ein klassischer Bürobau halt», sagt er. Jedoch geht er einig mit mir, dass der Bau doch das Motiv der angrenzenden Gleise hübsch aufnehme und mit ihm spiele. Härter ins Gericht geht Schärer mit den Wohnüberbauungen, die hinter dem Gebäude hervorgucken. «Unmenschlich», «gnadenlos hart» nennt er die strengen Rasterbauten, deren Innenhöfe mit ihren kalten Betonböden nicht gerade Wohlfühlklima aufkommen lassen.

Weiter westwärts dann wartet das Aushängeschild des neuen Schlierens, das Rietbachquartier, konzipiert von den Galli Rudolf Architekten. Hier entsteht, wie auch im Dietiker Limmatfeld, eine ganze «Stadt in der Stadt». Der westliche Teil des Quartiers, das sich bald über die ehemaligen Industrieareale Färbi und Geistlich erstrecken wird, ist bereits fertiggestellt. Hier findet Schärer viel Lobenswertes: etwa die grosse architektonische Vielfalt oder die zahlreichen Gebäude, die auf einer Seite höher sind als auf der anderen – «den Schuh» nennt er diese Form, «ein interessanter Gebäudetyp, der Wohnen und Arbeiten auf eine neue Art zusammenzuführen versucht».

Ein Beispiel dafür ist das «Zentrum am Goldschlägiplatz», entworfen vom Architekturbüro EM2N. Der massige Gebäudekomplex – 14 000 Quadratmeter Fläche misst das Grundstück – schafft es dank der dynamisch gezickzackten Fassade mit ihren freundlichen Grüntönen und Plastik-Optik, überraschend leicht daherzukommen. Auch der im ersten Stock gelegene Innenhof gefällt Schärer gut. Ein Bambus-bepflanztes Labyrinth schafft hier selbst mitten im Winter einen Hauch Ferienstimmung; Schärer hebt zudem die geschickte räumliche Anordnung der nach innen gerichteten Balkone und Terrassen hervor, die helfen, unter den Nachbarn ein Gefühl der Nähe zu schaffen.

Weniger beeindruckt zeigt sich Schärer von den regenbogenfarbenen Sonnenstoren eines immer noch halb leerstehenden Bürogebäudes, die 2014 enthüllte «Iris». «Schon ein bisschen grell», sagt er trocken, bevor wir weiter ins Herzstück des Färbiareals, die schon fertige Hälfte des Rietparks, vordringen. Hier treffen wir wieder auf das Goldschlägi-Hochhaus. Und nun findet Schärer doch noch ein paar gute Worte für das erste Minergie-P-Eco-Wohnhaus der Schweiz, oder besser: dessen Platzierung am Fusse des Parks. Überhaupt sind es nicht in erster Linie die Gebäude selbst, die bei Schärer Wohlwollen hervorrufen. Er lobt vor allem das Zusammenspiel der Bauten, neu geschaffene Strassen und Passagen, die – tatsächlich, nicht nur in der Theorie – städtisches Flair schaffen. «Die Komposition der Aussenräume ist in diesem Quartier sehr gelungen», sagt er.

Dietikon: Mutiges Statement und «reine Renditeobjekte»

Nach einer kurzen Autofahrt stehen wir auf dem Rapidplatz in Dietikon. Würden seine Worte nicht vom donnernden Motorenlärm verschluckt, würde ich auf Anhieb verstehen, dass Schärer – abgesehen vom störenden Element Strasse – diesen Platz etwas vom Gelungensten findet, das der Limmattaler Bauboom hervorgebracht hat. Der Platz selbst, wohlgemerkt – die Gebäude, die ihn säumen, bezeichnet er wahlweise als «Meteorit aus der Vergangenheit», «Ausdruck der Hilflosigkeit» und «Architektur light». Der Lindenhof etwa, der 2011 als erster Gebäudekomplex am Rapidplatz bezugsbereit war, habe einen falschen Anspruch. Die Vision des Architekten Hans Kollhoff – von ihm stammt auch der städtebauliche Entwurf des Limmatfelds – funktioniere hier nicht: Die Optik bürgerlicher Berliner Grossstadthöfe des 19. Jahrhunderts könne man nicht einfach so ins Dietikon von heute transplantieren.
Der grossen Masse der Rasterbauten rund um den Rapidplatz sehe man zudem zu fest an, dass sie «reine Renditeobjekte» seien. Schärer vermisst hier nicht nur den Mut für Neues und Ungewohntes. Ihm ist vieles auch zu lieblos ausgestaltet. Die Kolonnaden entlang der Heimstrasse etwa: «Die versperren die Sicht auf die Geschäfte und sind aus statischen Gründen überhaupt nicht notwendig.» Er weist auf die willkürliche Platzierung der Säulen hin, auf das zu enge Trottoir, das düstere Gesamtbild der Fassaden.

Und dennoch: Auch im Limmatfeld findet, wer architektonische Perlen sucht – wenn auch eher im Kleinen, teils auch Versteckten. Im Innern des Zypressenhofs etwa fällt der Holzfassadenbau, in dem sich im Parterre ein städtischer Kindergarten eingemietet hat, positiv auf. Nicht nur der warmen und naturnahen Materie Holz wegen; die unterschiedlich breiten und unregelmässig angeordneten Latten wirken hier nicht willkürlich wie die Arkadenpfeiler, sondern lebendig, spielerisch – «wie Bücher in einem Regal».

Auch gegenüber bieten die Wohnhausfassaden etwas fürs Auge. Die Mittel sind im Vergleich zum Effekt simpel: Eine ornamental gestanzte, schillernd beplättelte oder dunkel- und hellgrün gestreifte Wandverkleidung reicht schon aus, um den Klotzbauten etwas Individualität zu verleihen.

Und dann wäre da noch der Limmat Tower – dieser Prestigebau, dieses Symbol des Aufschwungs in der Agglomeration, entworfen von den Zürcher Architekten Huggenbergerfries, mit seinen 80 Metern das höchste Haus im Limmattal. «Natürlich», sagt Schärer, «so ein Turm markiert einen Ort, schafft Identität, Präsenz».

Es ist aber nicht der reine Fakt seiner Grösse, der den Limmat Tower zu einem würdigen Träger dieser monumentalen Aufgabe macht.

Die Fassaden mit ihren leichten Einbuchtungen liessen den Turm «bewegt, aber nicht unruhig» wirken, der fünfeckige Grundriss schaffe Orientierung nach allen Seiten, Sockel- und Turmbau würden sich gut ergänzen, so Schärer.

Zusammen mit der Seniorenresidenz, die mit dem Towerkomplex über einen hochgeschossigen Innenhof verbunden ist, ergebe sich ein «schönes Nebeneinander» von vermeintlich unvereinbaren Nutzungen: Hier der dynamische Statement-Turm, da der Ruhe- und Begegnungsort, der sich dem Diktat der geschäftigen Welt da draussen zu entziehen vermag.