Dietikon

Schönenwerdkreuzung erneut gesperrt: Archäologen müssen Grabung nachholen

In brütender Hitze wurde letztes Jahr die neue Schönenwerdkreuzung gebaut. Ein Teil der Mühe ist nun für die Katz: Der Belag wird wieder aufgerissen.

An der meistbefahrenen Limmattaler Kreuzung muss sofort eine archäologische Grabung nachgeholt werden. Das Tiefbauamt erklärt sich.

Als letzten Sommer die meistbefahrene Limmattaler Kreuzung – die Schönenwerdkreuzung in Dietikon – für den Verkehr komplett gesperrt und neu gestaltet wurde, sorgte das für einigen Unmut in der Bevölkerung. Denn zu Beginn der Bauarbeiten gab es einen chaotischen Mega-Stau. Und nun das: Die nigelnagelneue Kreuzung muss heute ab 14 Uhr erneut komplett gesperrt werden. Wenn auch nur für zwei Wochen. Dies hat das kantonale Tiefbauamt am späten Freitagabend mitgeteilt.

Der Grund: Bei der Projektierung der neuen Kreuzung gingen bei der Vernehmlassung die Archäologen vergessen. Dadurch waren diese nicht über die Bauarbeiten informiert, obwohl die Schönenwerdkreuzung nahe einer archäologischen Zone liegt. «Dieser Fehler tut uns leid, aber es geht hier um das Bewahren von kulturellem Erbe des Kantons», sagt Thomas Maag, Mediensprecher der kantonalen Baudirektion.

Römische Funde erwartet

Für die Grabung muss der nur ein Jahr alte Strassenbelag bereits wieder aufgerissen werden. Danach sind die Archäologen an der Reihe. «Gemäss jetzigem Kenntnisstand erwarten die Archäologen Funde aus der Römerzeit», sagt Maag. Womöglich habe es an der Stelle der heutigen Schönenwerdkreuzung einen Aussenposten des römischen Gutshofs, der im heutigen Dietiker Zentrum lag, gegeben. Wahrscheinlich ist zudem, dass auch Überbleibsel aus der Zeit der Kelten unter dem Asphalt der Kreuzung liegen. Ob dem tatsächlich so ist, wird nur die Grabung zeigen können.

Welche Gegenstände die Archäologen finden werden, ist offen. «Wir hoffen natürlich auf einen spektakulären Fund, damit sich die grossen Umstände für die Bevölkerung wenigstens gelohnt haben», sagt Maag. Spektakulär wäre zum Beispiel ein Fund, der endlich Klarheit darüber bringen würde, welchen Namen die Römer Dietikon gegeben haben. Denn bis heute gibt es keinen Fund aus der Römerzeit, der auf diese Frage eine Antwort geliefert hätte.

Für die Grabung muss die Schönenwerdkreuzung ab heute Montagnachmittag, 14.00 Uhr, für den Verkehr gesperrt werden. Unmittelbar danach beginnen die Kantonsarchäologen mit der Notgrabung. Als kleine Gegenleistung für die Umstände der Vollsperrung kann die Bevölkerung bei der ersten Notgrabung dabei sein. Archäologie-Fachleute werden das Vorgehen erläutern und für Fragen zur Verfügung stehen. Die Notgrabung und die damit verbundene Vollsperrung werden rund zwei Wochen dauern.

So passierte der Fehler

So verständlich es sein mag, dass eine archäologische Notgrabung nötig ist, stellt sich gleichwohl die Frage, wie es vergessen gehen konnte, diese bereits im Vorfeld der Kreuzungsumgestaltung zu planen. «Es war ein Software-Fehler im Planungstool. Der Projektleiter des Tiefbauamts hatte keine Chance, diesen zu erkennen», sagt Maag. Man bitte die Limmattaler Bevölkerung dafür um Verständnis.

Die ganze Sache weckt Erinnerungen an die anstehenden Bauarbeiten des Tiefbauamts im Weininger Dorfkern. Diese mussten mehrere Monate nach hinten verschoben werden, weil der Baudirektion bei der Ausschreibung der Arbeiten ein formeller Fehler unterlief, wegen dem die Arbeiten nochmals neu ausgeschrieben werden mussten. Immerhin hat dieser Fehler auch seine positiven Seiten: Weil sich die Arbeiten in Weiningen verzögern, kann das diesjährige Rebblüetefäscht doch noch wie üblich auf der Badenerstrasse stattfinden (die Limmattaler Zeitung berichtete). Eigentlich hatten die Rebblüetefäscht-Organisatoren bereits geplant, an einen anderen Ort auszuweichen wegen den geplanten Bauarbeiten auf der Badenerstrasse.

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