Widen
Schneller als erwartet: Der Hasenbergturm kann gebaut werden

Schneller als erwartet hat das Baudepartement grünes Licht für das Projekt gegeben, Baubewilligung kann erteilt werden.

Toni Widmer
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Links das Modellfoto des künftigen Hasenbergturms, rechts die Aussicht, wie man sie einst auf 35 Meter Höhe geniessen könnte.

Links das Modellfoto des künftigen Hasenbergturms, rechts die Aussicht, wie man sie einst auf 35 Meter Höhe geniessen könnte.

Melanie Burgener/zvg

Freude auf dem Mutschellen: Der 39 Meter hohe Aussichtsturm auf dem Hasenberg kann gebaut werden. Das Projekt ist im November/Dezember öffentlich aufgelegt worden, und im Rahmen dieses Bewilligungsverfahrens hat es keine einzige Einwendung gegeben. Überraschend schnell hat auch das Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons reagiert. Es hat dem vorliegenden Projekt mit ein paar kleinen Auflagen zugestimmt. Jetzt steht der Baubewilligung durch den Gemeinderat Widen nichts mehr im Wege. Gemeindeammann Peter Spring, der gleichzeitig auch Präsident des Trägervereins für den Turm ist, freut sich: «Wir waren zuversichtlich, dass der Kanton das Projekt bewilligt. Mit einer so raschen Zustimmung hatten wir allerdings nicht gerechnet.»

Keine Einwendungen und auch der Kanton im Boot beziehungsweise auf dem Turm – gibt es ein Geheimrezept dafür, wie man auch so heikle Projekte wie einen Aussichtsturm ohne lange Einspracheverfahren über die Bühne bringt? Oder haben die Wider einfach überallhin besonders gute Beziehungen? «Weder noch», schmunzelt Peter Spring, «entscheidend für den Erfolg war meines Erachtens das gewählte Vorgehen. Es hat sich als richtig herausgestellt, dass wir von Anfang an alle Parteien in die Planung involviert haben. Daraus resultierte letztlich ein bewilligungsfähiges Projekt.»

Geschichte: Es gab schon einen Hasenbergturm

Was kaum jemand weiss: Von 1879 bis 1943 konnte man schon einmal einen Aussichtsturm auf dem Hasenberg besteigen. Der Turm stand jedoch nicht auf dem Hasenberg in Widen, sondern auf dem Hasenberg bei Stuttgart. Laut Wikipedia war jener Turm 36 Meter hoch, bestand aus rotem Sandstein, hatte einen Durchmesser von 5,7 Metern und konnte über 184 Stufen bestiegen werden. Der Turm war zu seiner Zeit ein beliebtes Ausflugsziel und Wahrzeichen der Stadt Stuttgart. Von der obersten Plattform aus habe man zur Schwäbischen Alb, zum Schwarzwald, Odenwald und zum Schwäbischen Wald blicken können.

Im Zweiten Weltkrieg wurde dieser Turm von der SS gesprengt, damit er heranfliegenden Bombern nicht mehr als Orientierungshilfe dienen konnte. In den 50er-Jahren bemühte sich der Trägerverein um eine Entschädigung vom Staat, damit er den Turm wieder hätte aufbauen können. Doch daraus wurde nichts, und so ist denn auf dem Stuttgarter Hasenberg heute nur noch der Turmstumpf zu sehen. (to)

Panoramaweg geplant

Ebenfalls als richtig, erklärte der Ammann und Trägervereinspräsident weiter, habe sich der im Laufe der Planung geänderte Standort erwiesen: «Ursprünglich wollten wir den Turm etwas weiter oben im Wald bauen. Dort wäre zwar die Aussicht besser gewesen, aber wir hätten wohl mit Vorbehalten aus Landschafts- und Naturschutzkreisen rechnen müssen.»

Der gewählte Standort auf dem Areal der Stiftung Haus Morgenstern sei nicht nur bewilligungstechnisch günstiger, er eröffne auch viele zusätzliche Möglichkeiten, sagt Spring: «Wir können hier Synergien nutzen, indem wir mit dem Haus Morgenstern zusammenarbeiten. Es ist ein Restaurant vorhanden, es gibt WC-Anlagen und es gibt einen grossen Spielplatz – das alles macht unser Projekt für die Besucherinnen und Besucher letztlich zu einer runden Sache.»

Rund wird auch der Panoramaweg, der in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Bellikon angedacht ist: «Wer will, kann vom Standort des Turms aus einen rund anderthalb Stunden dauernden Spaziergang machen und auf diesem Rundweg noch mehr Aussicht geniessen», erklärt der Gemeindeammann.

Lancierung an der MEGA19

Der Zeitplan für die Realisierung des auf rund 900'000 Franken veranschlagten Aussichtsturms wird sich laut Spring vermutlich trotz dem kurzen Baubewilligungsverfahren nicht ändern. An der Gewerbeausstellung MEGA19, die Ende April in Berikon stattfindet, soll das Projekt richtig lanciert werden. Man braucht ja vor allem noch etwas Geld, bevor man bauen kann. Ein Grundstock ist zwar bereits vorhanden, die Wider Ortsbürger werden für den Turm in die Tasche langen. Sie haben mit einem Kredit von 60'000 Franken bereits schon die Planung ermöglicht. Weiteres Geld will der Trägerverein mit verschiedenen Sponsoraktionen auftreiben. Diesbezüglich erhofft sich Peter Spring vom MEGA-Auftritt viel an positiver Werbung.

Wir waren zuversichtlich, dass der Kanton das Projekt bewilligt. Mit einer so raschen Zustimmung hatten wir allerdings nicht gerechnet.

(Quelle: Peter Spring, Gemeindeammann)

Noch offen ist, ob und wie sich die Einwohnergemeinde Widen am Projekt beteiligt. Angedacht ist laut Spring ein Beitrag beziehungsweise eine Rückstellung der Gemeinde für einen späteren Rückbau des Turms. Darüber, sagt er, werde aber erst diskutiert. Klar ist für Spring hingegen, dass sich die Gemeindeversammlung so oder so mit dem Hasenbergturm befassen wird: «Ob mit oder ohne Beitrag erachte ich es als wichtig, dass die Gemeinde hinter dem Projekt steht. So haben wir am Ende eine saubere Sache.» Erstmals auf die in 35 Meter Höhe gelegene oberste Plattform des Aussichtsturms steigen und die Aussicht geniessen, können die Besucherinnen und Besucher voraussichtlich im Frühsommer 2020.