Eigenartiges spielt sich am Freitagnachmittag auf der Lättenstrasse in Schlieren ab. Da stehen etwa ein Dutzend Schaulustige am Strassenrand und sehen zu, wie zwei Läufer und ein Velofahrer an ihnen vorbeisprinten, kurz danach stoppen und dann fragen: «Hat es geblitzt?»

Die drei liefern sich ein Rennen. Aber nicht darum, wer als Erster die Ziellinie überquert, sondern wer den Blitzkasten auslöst, der sich genau gegenüber den Zuschauern befindet und dafür sorgen soll, dass die Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde eingehalten wird.

Die Idee dazu hatte einer der Läufer: der mehrfache Skeleton-Weltmeister Gregor Stähli, der ganz in der Nähe arbeitet. «Wir haben uns schon oft über diesen Blitzkasten geärgert», verrät er. Beim Mittagessen habe er dann den Einfall gehabt, ein Rennen mit Läufern zu veranstalten. Eine Woche vor dem Anlass, den er «Get the flash» nennt, postete Stähli das Ganze auf Facebook. «Ich wusste damals noch nicht einmal, ob ich am Freitag, an dem das Ganze stattfinden sollte, schon etwas vorhatte», sagt er und lacht. Der zweifache Olympia-Bronzemedaillengewinner hatte nichts vor, und einige derjenigen, die den Post gelesen hatten, ebenfalls nicht.

Und so konnte Stähli mit Joel Burgunder den aktuellen Schweizer Meister über 400 Meter als Hauptläufer gewinnen und mit Andi Baumann den Schweizer Rekordhalter über 50 Meter. Während Baumann auf dem Fahrrad Tempo machte, versucht Burgunder, zu Fuss den Blitz auszulösen. «Es ist das erste Mal, dass ich gegen einen Blitzkasten antrete», verrät der Schweizer Meister, der erst am Vortag aus den Ferien zurückgekehrt ist: «Ich fand die Idee lustig und wollte sehen, ob so was möglich ist.» An Burgunders Seite läuft Gregor Stähli mit. Der Skeleton-Crack als Sprinter? «Na klar, ich habe in meiner Karriere als Skeleton-Fahrer auch Leichtathletik gemacht», sagt Stähli, der 1995 an den Schweizermeisterschaften über 100 Meter Sechster geworden ist.

Auch unter den Zuschauern ist viel Sportprominenz dabei, unter anderem Leichtathletik-Legende Stefan Burkart, Marco Cribari, einst Schweizer Meister über 200 Meter, der neunfache Dreisprung-Schweizer Meister Alex Hochuli – und Suganthan Somasundaram, der mit der 4-mal-100-Meter-Staffel den Schweizer Rekord aufgestellt hat. Gerade Somasundaram wäre an diesem Nachmittag gerne mitgelaufen, um den Blitzkasten auszutricksen. «Das wäre sicher lustig gewesen», meint der Unterengstringer. Doch er muss wegen einer Verletzung passen. «Ich habe einen Labrumriss», sagt er. Ganz ausser Gefecht ist Somasundaram jedoch nicht. Er hat sein motorisiertes Skateboard mitgenommen, das den Blitz theoretisch auslösen könnte. Doch Somasundaram verzichtet. «Ich habe es erst seit gestern und traue mich noch nicht, Vollgas zu geben», erklärt er und lacht.

Ziel: 35 Kilometer pro Stunde

Stattdessen sieht er zu, wie seine drei Kollegen ein Tempo von 35 Kilometern pro Stunde zu erreichen versuchen – damit der Blitz ausgelöst wird. Zuvor sind die Läufer ohne Fahrradfahrer gestartet – ohne Erfolg. Dabei gibt es ein offenbar gelungenes Beispiel aus einer anderen Schweizer Stadt. «Ich habe dieses Video aus Basel gesehen», sagt Stähli. Das Video zeigt einen Passanten, der beim Rennen geblitzt wurde. Angeblich. Techniker hielten das Video allerdings für eine Fälschung, denn der Sensor des Blitzkastens erfasse Metall, eine Auslösung des Blitzkastens bei Fussgängern sei daher unmöglich. Stähli hofft, dass nun wenigstens das Fahrrad geblitzt wird.

Und dann geht’s los. Baumann, Burgunder und Stähli starten. Nach ein paar Sekunden braust Baumann unter Anfeuerungsrufen des Publikums am Blitzkasten vorbei, ein paar Meter hinter ihm folgen Burgunder und Stähli. Doch der Blitz wird nicht ausgelöst. Woran könnte es gelegen haben? «Ich werde der Sache auf den Grund gehen», verspricht Stähli. Und er kündigt an: «Nächstes Jahr werden wir wieder einen ‹Get the flash’ durchführen.»